Bahnfahren sicherer machen

Deutsche Bahn verschärft Corona-Maßnahmen in Zügen: Was jetzt gilt

Um ihre Gäste an Weihnachten vor dem Coronavirus zu schützen, setzt die Deutsche Bahn im Dezember auf deutlich strengere Regeln. Wir verraten, was Bahnfahrer jetzt wissen müssen.

NRW – „Auf nicht notwendige Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln soll verzichtet werden“, verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Corona-Gipfel am 17. November in Berlin. Und doch sind etliche Menschen auf Bus und Bahn angewiesen – nicht zuletzt um Freunde und Familie an Weihnachten zu besuchen. Bund und Länder haben deshalb spezielle Corona-Maßnahmen für Fernreisen beschlossen. Die Deutsche Bahn setzt sie nun entsprechend um.

UnternehmenDeutsche Bahn
CEORichard Lutz (seit 22. März 2017)
Umsatz42,7 Milliarden EUR (2017)
HauptsitzBerlin

Deutsche Bahn: Bund und Länder beschließen neue Corona-Regeln für den Fernverkehr

Um Abstände zwischen den Bahnreisenden zu vergrößern, forderten die Ministerpräsidenten sowie Angela Merkel, die Sitzkapazitäten in den Bahnen zu erhöhen und die Reservierungsmöglichkeiten zu beschränken. Keine leichte Aufgabe für die Deutsche Bahn, deren Züge rund um Weihnachten schnell an die Belastungsgrenze stoßen. Zudem gab es von den Politikern keine konkreten Vorgaben, wie die Corona-Maßnahmen umzusetzen sein sollen.

Doch die Deutsche Bahn hat einen Plan: „In den kommenden Wochen sorgen wir für noch mehr Abstand und Platz. Ab Mitte Dezember bieten wir darüber hinaus mit neuen Zügen zusätzlich tausende Sitzplätze und häufigere Fahrten auf vielen Hauptstrecken an“, teilte DB-Vorstandsmitglied Berthold Huber in der vergangenen Woche mit. Die neuen Regeln gelten seit Freitag (27. November).

So will die Deutsche Bahn die Beschlüsse von Bund und Ländern umsetzen

Doch was bedeuten sie? Ganz einfach: „In allen Zügen ist in den Großraumwagen ab sofort nur noch ein Sitzplatz pro Doppelsitz reservierbar. Alle anderen Sitzplätze bleiben für eine Reservierung gesperrt“, heißt es von der Deutschen Bahn.

Passagiere, die alleine reisen, bekommen automatisch einen Fensterplatz zugewiesen. Die Plätze am Gang werden geblockt. Eine Ausnahme bilden die Gruppenplätze mit Tisch: Dabei können nur noch die diagonal gegenüberliegenden Plätze reserviert werden. Die Bahn will dadurch vermeiden, dass sich Einzelreisende direkt gegenüber sitzen.

Paare und Familien bekommen zu Weihnachten spezielle Bereiche in den Zügen

In geschlossenen Abteilen können Fahrgäste ebenfalls nur noch zwei Plätze reservieren - einen am Fenster, einen am Gang. Für den Fall, dass mehrere Personen zusammen verreisen möchten, richtet die Bahn entsprechende Bereiche sowohl in der ersten als auch in der zweiten Klasse ein. „Diese tragen zusätzlich zum Infektionsschutz bei, da sich gemeinsam Reisende so nicht im Wagen verteilen“, erklärt die Bahn. Die Regelung gilt für Familien und Paare.

Verband ist trotz Corona gegen eine Reservierungspflicht im Bahnverkehr

Durch die neuen Corona-Regeln bietet die Deutsche Bahn nur noch für 60 Prozent aller Sitzplätze eine Reservierung an. Während der Pandemie wird eine Reservierung dringend empfohlen, verpflichtend ist sie aber nicht. Der Verband „Pro Bahn“ hatte sich erst am 25. November gegen eine solche Reservierungspflicht ausgesprochen. Grund seien die Pendler, die durch eine solche Pflicht enorme Nachteile hätten.

„Tagespendler wollen sich auf den üblichen Pendlerstrecken auch flexibel sein, und kurzfristig entscheiden, welchen Zug sie nehmen. Eine Reservierungspflicht würde zu einem Ausweichen auf Regionalzüge führen, womit sie kontraproduktiv wird, da in diesen das Abstandhalten dann völlig unmöglich würde“, heißt es vonseiten des Verbandes.

Der Verband „Pro Bahn“ fürchtet, dass Pendler mit einer Reservierungspflicht auf die Regionalbahn ausweichen könnten.

Deutsche Bahn: Fahrplanwechsel und steigende Preise kurz vor Weihnachten

Unabhängig von den beschlossenen Corona-Maßnahmen für den Fernverkehr steht bei der Deutschen Bahn am 13. Dezember ein Fahrplanwechsel an. Mit dem sogenannten Winterfahrplan 2020/21 will das Unternehmen ohnehin deutlich mehr Bahnen als zuvor auf die Schienen bringen. Mit mehr Verbindungen, dichteren Zugfolgen und mehr Sitzplätzen.

Insbesondere die beliebten Strecken Hamburg–Berlin, NRW–Berlin und München–Zürich – würden von dem Fahrplanwechsel profitieren. Zwischen Hamburg und Berlin fahren die Züge erstmals im Halbstundentakt.

Und was ist mit den Preisen? Müssen Kunden mit einem Anstieg rechnen? Leider ja - mit dem Fahrplanwechsel in zwei Wochen passt die Deutsche Bahn ihre Fahrpreise an und erhöht sie um durchschnittlich einen Prozent.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa