Mehr schwere Verläufe

Großbritannien und Mallorca rufen Schwangere zum Handeln wegen Delta-Variante auf

Wegen Delta: Großbritannien und die Balearen rufen Schwangere zur Impfung auf.
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Wegen Delta: Großbritannien und die Balearen rufen Schwangere zur Impfung auf. (Symbolbild)

Wegen der gefährlicheren Delta-Variante rufen sowohl Großbritannien als auch die Balearen Schwangere jetzt zur Impfung auf. Zuvor war es vermehrt zu schweren Verläufen gekommen.

Deutschland – Die Delta-Variante macht auch hierzulande bereits mehr als 90 Prozent der Neuinfektionen aus. In Großbritannien ist sie schon länger präsent. Und auch Spanien ist besonders betroffen. Verantwortliche beider Länder rufen werdende Mütter jetzt auf, sich impfen zu lassen. In letzter Zeit war es vermehrt zu Komplikationen bei mit Covid-19 erkrankten Schwangeren gekommen.

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Neue Corona-Studie: die Delta-Variante ist für Schwangere gefährlicher

Hintergrund des Aufrufs der britischen Regierung ist eine neue Oxford-Studie, die am 25. Juli auf medRxiv.org veröffentlicht worden ist, der allerdings noch auf eine Begutachtung durch eine Fachzeitschrift oder einen Verlag wartet. Demnach stellt eine Erkrankung mit Covid-19 für werdende Mütter – insbesondere seit dem Auftreten der Delta-Variante – ein erhöhtes Risiko dar.

Denn laut Studie erkranken schwangere Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit schwer. Gemäß den Auswertungen der Oxford-Forscher benötigt eine von zehn Schwangeren, die mit Covid-19 Symptomen aufgenommen wird, eine intensivmedizinische Behandlung. Und eine von fünf Schwangeren, die mit COVID-19-Symptomen im Krankenhaus war, erlitt eine Frühgeburt.

Corona-Forscher: Schwere der Erkrankungen bei Schwangeren hängt von der Virus-Variante ab

Die Forscher haben insgesamt die Daten von 3.371 schwangeren Frauen ausgewertet, die seit Beginn der Pandemie bis zum 11. Juli 2021 mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Schwere der Verläufe bei werdenden Müttern von der Art der Variante des Coronavirus abhing.

So hätten während der ersten Welle in Großbritannien – als wie auch hierzulande der Wildtyp des Virus grassierte – noch 24 Prozent eine mittelschwere bis schwere Erkrankung durchgemacht. Mit dem Auftreten der als „britischen Mutante“ bezeichneten Alpha-Variante sei der Anteil mittelschwerer bis schwerer Verläufe bei hospitalisierten Schwangeren auf 36 Prozent gestiegen. Seit die Delta-Variante sich in England durchgesetzt hat, ist der Anteil nun auf 45 Prozent gestiegen.

Auch Kinder, die seit dem Auftreten der britischen Variante zur Welt kamen, mussten laut Studie häufiger statio­när behandelt werden als noch während der ersten Welle in Großbritannien.

Schwere Verläufe bei Schwangeren – 99 Prozent waren nicht geimpft

Seit Februar 2021 flossen auch die Impfdaten der Frauen in die Studie mit ein. Keine der hospitalisierten Frauen hatte einen vollständigen Impfschutz – vier waren einfach geimpft. Mit anderen Worten: 99 Prozent der schwangeren Frauen, die mit einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus mussten, waren nicht geimpft.

Insgesamt sind aber bereits rund 55.000 schwangere Frauen einfach oder doppelt gegen das Coronavirus geimpft worden, da die britische Regierung die Impfung für werdende Mütter schon seit April empfiehlt.

Eine schwangere Frau wird in Israel geimpft: Ebenso die Großbritannien empfiehlt der „Impfweltmeister“ werdenden Müttern die Impfung. (Symbolbild)

Corona bei Schwangeren – britische Regierung ruft zur Impfung auf

„Es ist eine sehr gute Nachricht, dass so wenige geimpfte schwangere Frauen mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden“, erklärte die Leiterin der Studie, Marian Knight. Andererseits sei es „sehr besorgniserregend, dass die Krankenhauseinweisungen von Schwangeren mit Covid-19 zunehmen und dass sie von der Delta-Variante stärker betroffen zu sein scheinen.“

Unter Bezugnahme auf diese Studie haben die britischen Gesundheitsbehörden jetzt alle Schwangeren aufgefordert, sich gegen das Virus impfen zu lassen, wie neben weiteren deutschen Medien auch tagesschau.de berichtet. Einen entsprechenden offenen Brief an schwangere Frauen, Hausärzte und Geburtshelfer habe die leitende Hebamme des Gesundheitsdienstes in England, Jacqueline Dunkley-Bent mit Hinweis auf die Studiendaten veröffentlicht.

Video – Infektionen steigen: Intensivmediziner fordert Corona-Impfung für Schwangere

Wegen Delta – die Balearen-Regierung richtet Impfmöglichkeit extra für Schwangere ein

Ein ähnlicher Aufruf kommt aus Spanien. Wie die Mallorca-Zeitung aktuell berichtet, habe auch die Balearen-Regierung werdende Mütter zur Impfung aufgefordert. So habe die balearische Gesundheitsministerin Patricia Gómez am Freitag (30.7.) an schwangere Frauen appelliert, sich so schnell wie möglich impfen zu lassen. Ab kommenden Mittwoch (4. August) würden dazu extra Impfmöglichkeiten eingerichtet.

Nicht nur auf den Balearen, sondern in ganz Spanien sei es vermehrt zu schweren Covid-19-Erkrankungen bei Schwangeren gekommen seit die Delta-Variante im Land grassiert. Allein auf den Balearen lägen derzeit sechs Schwangere mit schweren Covid-Symptomen im Krankenhaus, in einem Fall sei es zu einer Fehlgeburt gekommen.

Fünfte Welle in Spanien – seit Delta infizieren sich mehr Jüngere und Schwangere

Auf dem spanischen Festland seien im Juli mindestens drei Schwangere an Covid-19 gestorben. Allein in dem Großkrankenhaus Vall d‘Hebron in Barcelona hätten am Donnerstag (29. Juli) mindestens 40 positiv getestete Schwangere gelegen – davon sei wohl keine geimpft.

Laut Bericht der Mallorca-Zeitung habe die spanischen Gesundheitsbehörden lange Zeit keine Empfehlung für Schwangere gegeben, sich impfen zu lassen – viele Hebammen hätten den Müttern davon abgeraten. Die durch die Delta-Variante bedingte fünfte Welle in Spanien treffe jetzt insbesondere jüngere Nicht-Geimpfte, darunter seien eben auch viele Schwangere.

Impfungen bei Schwangeren in Deutschland – die Stiko bewertet aktuell die Datenlage neu

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine generelle Impfung für Schwangere derzeit nicht. Verwiesen wird dabei auf eine begrenzte Datenlage. Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung kann aber laut Stiko nach Nutzen-Risiko-Abwägung eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten werden (Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Allerdings: Laut eigenen Angaben arbeitet die Stiko aktuell die jetzt vorliegenden Daten für eine COVID-19 Impfung in der Schwangerschaft auf. Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe würden anschließend einer Nutzen-Risiko-Bewertung unterzogen. Die Ergebnisse dieser Analyse – und eine eventuelle Neu-Bewertung– erwartet die Stiko ab Ende August.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe spricht hingegen bereits jetzt eine Impfempfehlung für schwangere Frauen aus. In einem im Mai 2021 veröffentlichten Positionspapier wird empfohlen, schwangere Frauen priorisiert mit mRNA-basiertem Impfstoff gegen COVID-19 zu impfen. 

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