Covid-19-Pandemie

Coronavirus: Wo die Zweifel an Politik und Wissenschaft  entstehen

Widersprüche, Meinungswechsel, neue Erkenntnisse: Die Strategie gegen Corona ändert sich ständig und sorgt für Zweifel. Wie kommt das?

  • Widersprüche in der Forschung wecken in Zeiten von Corona Zweifel in der Bevölkerung.
  • In der Politik gab es deshalb bereits einschneidende Kurswechsel während der Pandemie.
  • Auf wen kann man sich noch verlassen?

Dortmund - Wie kann es eigentlich sein, dass die Maske vor ein paar Monaten noch als nicht nützlich im Kampf gegen das Coronavirus galt und jetzt das Mittel der Wahl ist? Oder, dass Kinder ursprünglich nicht als Gefahr bei der Übertragung des Virus galten, dies aber inzwischen auch wieder nicht wirklich gilt.

Und warum wurde wochenlang die 14-Tage-Quarantäne postuliert und durch den Star-Virologen Christian Dorsten inzwischen angezweifelt? Ändern Wissenschaftler und Politiker ihre "Meinung", wie es ihnen grade passt?

Name

Covid-19

Hauptübertragungsweg

Tröpfchen­infektion/Aerosole

Häufige Symptome

Husten, Fieber, Schnupfen, Störung des Geruchs- und/oder Geschmacks­sinns, Pneumonie

Risikogruppen

insbesondere Ältere, Vorerkrankte

Coronavirus: Zweifel wegen Kursänderungen

Strategieänderungen wie diese sorgen für Unsicherheit und Zweifel in Teilen der Bevölkerung. Manche Menschen wittern gar eine Verschwörung gegen die Bevölkerung. Das ist vor allem ablesbar in Demonstrationen von Gruppierungen wie "Querdenken".

Was jedoch selten bedacht wird: Was derzeit in Deutschland und auf der Welt passiert, ist Wissenschaft in Echtzeit. Es werden Thesen zum Coronavirus aufgestellt und widerlegt. Es wird sich gestritten, umgedacht und neu aufgestellt.

Coronavirus: Annäherung an die Wahrheit

Kurz: Es findet eine Annäherung an die Wahrheit statt. Oder um es mit den Worten des Vorstandsvorsitzenden des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, zu sagen: "Ganz vieles von dem, was wir heute als Wissenschaft erleben, ist der Irrtum von morgen." Dass Thesen umgestoßen, hinterfragt und am Ende neu aufgestellt werden, hilft in Wirklichkeit dabei, ein bestmögliches Ergebnis zu finden.

Menschen aber, so Montgomery jüngst gegenüber dem Deutschlandfunk, würden den typischen Diskurs in der Wissenschaft als "bösartigen Streit" empfinden. Dass die Suche nach einem wissenschaftlichen Konsens Zeit in Anspruch nimmt, wollen viele Menschen nicht wahrhaben. Erst Recht nicht, wenn scheinbar sichere Erkenntnisse über Bord gestoßen werden.

Coronavirus: Wissenschaft muss Daten und Studien einordnen

Gibt es gesicherte Daten, liegt es an den Wissenschaftlern, diese zu interpretieren. Klar, dass Erkenntnisse da oft unterschiedlich eingeordnet werden. Nicht umsonst raten Experten dazu, sich bei ärztlichen Diagnosen eine Zweitmeinung einzuholen. Und so kann es sein, dass zwei Wissenschaftler bei ein und derselben Datenlage zu zwei Interpretationen kommen.

Politiker und Wissenschaftler - wie etwa Christian Drosten (l.) - haben in Coronazeiten auch mal ihre Strategie geändert. Ungewöhnlich ist das nicht.

Am Ende steht dann manchmal die traurige Erkenntnis, dass es nicht den einen Weg gibt, der richtig ist im Kampf gegen das Coronavirus. Manchmal gibt es zwei oder drei Wege, manchmal keinen einzigen richtigen. Das zeigen vor allem Auswertungen zu Studien, die unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können.

Coronavirus: Auch Wissenschaft und Politik machen Fehler

Und ja, in Wissenschaft und Politik, da werden auch Fehler gemacht. Der Druck ist groß, gerade in Zeiten einer Pandemie. Wer schnell Ergebnisse liefern muss, weil die Öffentlichkeit es so fordert, kann an dem Druck scheitern. Und dem ein oder anderen verleitet das unter Umständen zu üblen Tricksereien.

Umso wichtiger ist es gerade in Zeiten des Coronavirus, dass es einen wissenschaftlichen Konsens gibt. Dass sich also möglichst viele Wissenschaftler einig sind – wie etwa bei der These, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Bis dahin bleibt uns Ottonormalverbrauchern wohl nur, Widersprüche auszuhalten und akzeptieren, dass es nicht immer die eine Wahrheit gibt.

Hinweis: Dieser Text basiert auf eine Recherche der Wochenzeitung Die Zeit mit dem Titel "Nichts ist in Stein gemeißelt".

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa