Studie mit neuen Erkenntnissen

Coronavirus und Vitamin D: Wann die Einnahme sinnvoll und wann gefährlich ist

Vitamin D ist für vieles gut. Laut einer Studie soll das Sonnenvitamin jetzt auch bei Corona helfen. Doch die Ergebnisse sind kritisch zu beurteilen.

Nordrhein-Westfalen – Vitamin D hat einen positiven Effekt auf Muskeln und das Immunsystem. Allerdings kann es kaum über die Nahrung aufgenommen werden, sondern über das Sonnenlicht. Das sogenannte Sonnenvitamin über Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen ist daher in den letzten Jahren zu einem regelrechten Trend geworden.

Substanz:Vitamin D
Quelle:Ca. 90 Prozent über das Sonnenlicht, rund 10 Prozent über die Nahrung (Leber, Fisch, Ei, Pilze)
Funktion: Regulierung des Calcium-Haushalts, Reifung von Immunzellen
Symptome bei Mangel: Knochenschmerzen, Störungen im Kalzium- und Phosphatstoffwechsel, Stimmungsschwankungen, Atemwegsinfekte

Coronavirus: Hat Vitamin D Auswirkungen auf das Infektionsrisiko?

Nun wollen Forscher in einer Studie einen Zusammenhang mit dem Coronavirus herausgefunden haben. Das könnte den Hype um die Einnahme Vitamin D noch einmal auf ein neues Level bringen – der allerdings mit Vorsicht zu genießen ist.

Eine Studie der medizinischen Universität in Chicago und jüngst eine Untersuchung, die an einem spanischen Krankenhaus durchgeführt wurde, hatten ergeben, dass Vitamin D möglicherweise das Risiko für eine Covid-19 Erkrankung und den Verlauf der Krankheit beeinflussen könnte.

Coronavirus und Vitamin D: Studie zeigt möglichen Zusammenhang

Bei der Studie aus den USA, die im September veröffentlicht wurde, stellten die Wissenschaftler eine Assoziation zwischen den beiden Erkrankungen fest: Bei 21 Prozent der 70 Personen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, konnte ein Defizit des Sonnenvitamins festgestellt werden. In der Gruppe ohne Vitamin D-Mangel hatten sich nur 12,2 Prozent mit Covid-19 angesteckt.

Die Ergebnisse aus Spanien, die im „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“ veröffentlicht wurden, fallen noch deutlich drastischer aus. So hatten die spanischen Forscher die Vitamin D-Werte von 216 Covid-19-Patienten mit 197 gesunden Menschen verglichen. Die Studie ergab, dass 80 Prozent der Corona-Patienten eines Krankenhauses einen Mangel an dem Sonnenvitamin aufwiesen. In der Vergleichsgruppe waren es nur 47,2 Prozent.

Coronavirus und Vitamin D: Studienergebnisse mit Vorsicht zu genießen

Wie hna.de* berichtet, gibt es inzwischen zahlreiche weitere Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und Vitamin D sehen. Allerdings – und das ist ein möglicher Schwachpunkt der wissenschaftlichen Untersuchungen, gibt es laut dem Robert Koch-Institut vermutlich Zusammenhänge zwischen Vitamin D-Mangel, einem schwachen Immunsystem und Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck.

Ein 30-minütiger Spaziergang kann schon helfen, die Vitamin D-Speicher aufzufrischen.

Das heißt: Personen, die an einem Vitamin D-Mangel leiden, haben oftmals eine Vorerkrankung, die sie anfälliger für eine Coronavirus-Infektion oder einen schweren Verlauf der Covid-19-Krankheit macht. Einen direkten kausalen Zusammenhang gebe es allerdings noch nicht zwischen Vitamin D und Corona, so die deutsche Gesundheitsbehörde.

Ist die Einnahme von Vitamin D zum Schutz gegen Corona sinnvoll?

Doch solche Studienergebnisse und die ohnehin schon weit verbreitete Sorge, in der dunklen Jahreszeit nicht genug Vitamin D zu bekommen, könnte Menschen dazu bewegen, nun vorbeugend Vitamin D-Präparate zu nehmen. Doch das ist nicht immer sinnvoll.

Denn so kann die Einnahme von Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel sogar zu gesundheitlichen Komplikationen führen, wenn man nicht tatsächlich an einem Mangel leidet. Eine Überdosierung kann sich in Abgeschlagenheit, Verstopfung oder im schlimmsten Fall Herzmuskelstörungen äußern, warnt Dr. Matthias Böhme vom Klinikum Dortmund. Außerdem

Coronavirus und Vitamin D: Wann die Einnahme des Sonnenvitamins sinnvoll ist

Wer also den Verdacht hat, an Vitamin D-Mangel zu leiden, sollte dies unbedingt mit einem Arzt besprechen. In der Regel sind aber vor allem Risikogruppen, bettlägerige Personen oder Menschen, die so gut wie nie ins Freie kommen, nicht mit genügend Vitamin D versorgt. In solchen Fällen kann die Einnahme von Supplementen sinnvoll sein, so Professor Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gegenüber Öko-Test.

Alle anderen können den Vitamin D-Speicher effektiv auffüllen, indem sie zweimal in der Woche rund eine halbe Stunde bei Tageslicht draußen sind – das ist auch in Zeiten des aktuellen Corona-Lockdowns möglich. Für die meisten Menschen sei das völlig ausreichend, um genügend mit Vitamin D versorgt zu sein.

Die Einnahme von Vitamin D-Präparaten ist also nicht für jeden sinnvoll. Denn: Menschen, die ausreichend mit Vitamin D versorgt sind, steigern durch zusätzliche Vitamin D-Tabletten nicht ihre Abwehrkräfte – und schützen sich auch nicht automatisch vor dem Coronavirus. *hna.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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