Klopapier hamstern

Coronavirus: Toilettenpapier auf Vorrat kaufen? Warum Hamsterkäufe Quatsch sind

Müssen Hamsterkäufe wegen des Coronavirus sein? Nein. Besonders der Ansturm auf Toilettenpapier ergibt keinen Sinn. Wir erklären, warum.

  • In Zeiten des Coronavirus erlebt das Toilettenpapier eine Hochkonjunktur.
  • Warum kaufen Menschen einen Hygieneartikel, der zwar für Komfort sorgt, aber nicht überlebenswichtig ist?
  • Denn es gibt andere Möglichkeiten, sich nach dem Toilettengang zu säubern.

Dortmund - Wer in Zeiten von Coronavirus-Hysterie einkaufen geht, steht mitunter vor leeren Regalen - Hamsterkäufe sorgen für Produktknappheit. Und besonders ein Artikel scheint bei jedem ganz oben auf der Einkaufsliste zu stehen: Toilettenpapier. Das ist eine überraschende Reaktion auf das Coronavirus.

Toilettenpapier erlebt wegen des Coronavirus eine Hochkonjunktur

Wir nehmen uns nicht mehr in den Arm, zur Begrüßung werden keine Hände mehr geschüttelt und wir meiden Großveranstaltungen: Das Coronavirus hat uns und das gesellschaftliche Zusammenleben fest im Griff. 

Viele scheinen sich zu denken: Wenn ich schon nicht auf das Konzert meiner Lieblingsband kann, der lang ersehnte Urlaub ausfällt oder dem Derby zwischen BVB und S04 eine Absage droht, dann soll wenigstens an einem Ort die Welt noch in Ordnung sein - der heimischen Toilette. Oder warum steht sonst das Klopapier, wo es jetzt in Essen zu Streitigkeiten kam, derzeit ganz oben auf jeder Einkaufsliste? 

Toilettenpapier und Coronavirus: Wie passt das zusammen?

Die Hamsterkäufe sind bereits Ausdruck der durch das Coronavirus ausgelösten Gesundheitskrise. Der Kauf von Nudeln, Dosenmais und Mehl lässt sich dabei noch nachvollziehen. Es kann nie schaden, einige dieser Artikel zu Hause zu haben. Aber Toilettenpapier

Die Angst, dass in der Quarantäne plötzlich das Toilettenpapier ausgehen könnte, ist den Supermarkt-Regalen zufolge ein allgemeingültiges Gesellschaftsphänomen.

Menschen wegen Coronavirus völlig von der Rolle

Und nicht nur in Deutschland ist Klopapier das beliebteste Gut bei den Coronavirus-Hamsterkäufen. In den sozialen Netzwerken kursiert derzeit ein Video, wie sich in einem australischen Supermarkt drei Frauen schubsen und an den Haaren ziehen, um die letzte Packung zu ergattern. In den USA häufen sich die Meldungen über Toilettenpapier-Diebstähle

Ob uns solche Szenarien bald auch in den Apotheken bevorstehen? Immerhin hat die Weltgesundheitsorganisation kürzlich Corona-Infizierten vor dem Medikament Ibuprofen abgeraten und auf Paracetamol empfohlen. Schon jetzt ist die Nachfrage nach dem Schmerzmittel gestiegen.

Die Einzelhändler können das Verhalten nicht nachvollziehen. Für sie kam der Ansturm auf das Toilettenpapier völlig überraschend, so Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Bayerischen Handelsverbandes, gegenüber der ostbayerischen Zeitung Idowa. Aber mit Lieferengpässen sei dennoch nicht zu rechnen. Immerhin wurde wegen des Coronavirus bundesweit das Sonntagsfahrverbot für Lkw bis vorerst Ende Mai aufgehoben. 

Toilettenpapier kaufen wegen Coronavirus: Der Mensch ist ein Herdentier

Auf Twitter kursieren schon erste Hashtags: #toiletpapergate oder #toiletpapercrisis sind Ausdruck der großen Klopapier-Frage. Die Liste der Toilettenpapier-Phänomene könnte noch ewig weitergeführt werden, das Fazit ist das Gleiche: In Zeiten des Coronavirus verstehen wir in Hinblick auf das 3- oder 4-lagige Papier keinen Spaß mehr. Warum das so ist, darauf weiß niemand wirklich eine Antwort.

Ein Indiz könnte sein: Der Mensch ist ein Herdentier. Befeuert durch den Anblick der leergeräumten Klopapier-Regale im Supermarkt und die Medienberichte werden Leute dazu angestachelt, es den anderen nachzutun - ganz egal, ob das Sinn ergibt oder nicht. 

Klopapier hamstern: Kauft es einer, kaufen es alle

Begünstigt wird das Phänomen der Toilettenpapier-Hamsterkäufe noch durch die Fotos, die auf Twitter und Co. ihre Runde machen. Und so wird aus dem Motto "Kennste einen, kennste alle" ganz schnell "kauft es einer, kaufen es alle".

Konkret heißt das also, dass sich die Leute von der Kaufkraft der anderen anstecken lassen, da sie sich denken, wenn eine Person das kauft, muss es einen Grund geben, dann sollte ich das besser auch kaufen.

Übrigens - mit diesen einfachen Hausmitteln wird der Kühlschrank wieder richtig sauber.

Coronavirus: Toilettenpapier kaufen, verleiht Sicherheit

Und schon sind die Regale mit dem Klopapier in den Supermärkten leer. Die Hamsterkäufe vermitteln den Menschen Sicherheit. Und der Coronavirus sorgte für große Unsicherheit. Das Horten von Toilettenpapier ist ein Umkehrschluss von Angst und Machtlosigkeit in Aktionismus, um sich auf irgendeine Weise handlungsfähig zu fühlen.

Aber seien wir mal ehrlich: mit Toilettenpapier? Bei dem 4-lagigen Produkt handelt es sich um ein klassisches Luxusgut - ein Ausdruck des Wohlstands. Wollen wir uns den in Notzeiten mit diesem Fetzen Papier also bewahren?

In vielen anderen Kulturen, wie zum Beispiel im asiatischen Raum, gilt Toilettenpapier als absolut unhygienisch. Egal ob Coronavirus oder nicht. Um sich hier nach dem Toilettengang zu reinigen, greift man zu einem altbewährten Mittel: warmes Wasser. Und das ist nicht nur zur Reinigung des Hintern ein altbewährtes Mittel, sondern auch im Haushalt, auf dessen Hygiene man in Zeiten des Coronavirus ebenfalls besonders achten sollte. Denn auch in den eigenen vier Wänden versteckt sich hier und da eine Stelle, die beim Putzen in Vergessenheit gerät. 

Wasser besser als Toilettenpapier - auch beim Coronavirus

Klopapier ist somit verglichen mit Nahrung und Wasser egal beziehungsweise ganz unten auf der Liste der notwendigen Dinge im Falle einer Quarantäne. Wenn das Wasser ausbleiben würde, sollten wir uns im Gegensatz zum Toilettenpapier wirklich Sorgen machen, doch das ist nach aktuellen Erkenntnissen auch in Deutschland noch nicht vom Coronavirus bedroht.

Bidet statt Toilettenpapier: effizient und hygienisch

Solange das Wasser aus dem Hahn fließt, können wir also getrost auf diese Möglichkeit zurückgreifen, um uns den Hintern nach dem Klogang zu säubern, sollte das Toilettenpapier doch einmal in der Quarantäne knapp werden. Und wem das nicht ganz geheuer ist, findet vielleicht bei diesen Maßnahmen etwas Passendes oder eine gute Alternative zum Klopapier:

  • Bidet-Funktion: Wer noch keins zu Hause hat, kann sich eine Bidet-Brause als Klobrillen-Aufsatz kaufen und wird sich fortan, den Popo nur noch mit warmem Wasser waschen wollen. 
  • Waschlappen statt Toilettenpapier: Einfach nass den Hintern säubern, das ist effizient und hygienischer allemal - funktioniert schon bei Kindern super.
  • Für Hartgesottene: Blätter oder Zeitungspapier - fragt am besten Mal eure Großeltern oder den größten Outdoor-Fan in eurem Bekanntenkreis.

Ein absolutes No-Go sind allerdings Klopapier-Alternativen wie Feuchttücher und Küchenrolle - denn das hätte dramatische Folgen für die Klärwerke, wenn die Produkte im Klo landen. 

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa 

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