Es gibt heftige Kritik

Coronavirus: So tödlich ist Covid-19 - neue Erkenntnisse

Ein ehrenamtlicher Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) hält im Corona-Drive-In-Testzentrum im Ortsteil Empelde ein Teststäbchen.
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Laut einer neuen Metastudie ist das Coronavirus vielleicht nicht so tödlich wie bisher angenommen.

Stanford-Professor John Ioannidis hat die Sterblichkeit des Coronavirus untersucht. Möglicherweise ist die Krankheit nicht so tödlich wie angenommen.

Deutschland – Wie gefährlich und letztendlich auch tödlich ist Covid-19 wirklich? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler und Experten seid Aufkommen der neuartigen Krankheit. Eine neue Metastudie soll nun etwas Licht ins Dunkel bringen.

ProfessorJohn Ioannidis
Geburtstag21. August 1965 (Alter 55 Jahre), New York City
FachgebietMetascience

Coronavirus weniger tödlich als gedacht? Professor teilt Erkenntnisse

Der Professor der Stanford Universität John Ioannidis hat in einer Metastudie erneut die Sterblichkeit des Coronavirus untersucht. Ioannidis gilt derzeit als einer der meistzitierten Autoren in der Wissenschaft.

Für seine Metaanalyse hat der Professor insgesamt 61 Studien aus unterschiedlichen, weltweiten Regionen ausgewertet, die aus Antikörpertest-Stichproben die tatsächliche Infiziertenrate errechneten. Wie der Merkur berichtet, haben die Studien also die Dunkelziffern der Coronavirus-Fälle untersucht.

In seiner Metaanalyse hat Ioannidis statistische Korrekturen unterzogen und zu den offiziellen Todesfällen in Zusammenhang mit dem Coronavirus in Verhältnis gesetzt. Doch was kam am Ende dabei raus?

Neue Studie: Vermutlich stirbt nur jeder 500. Infizierte an Corona

Verkürzt ausgedrückt ist die Sterblichkeit bei Covid-19 laut der Metastudie von Ioannidis niedriger als gedacht. Der Median der Studie liegt bei 0,23. Das ist der mittlere Wert, der die restlichen herangezogenen Stichproben in gleich große Hälften teilt. 50 Prozent kommen auf niedrigere Sterblichkeiten, 50 Prozent auf höhere. Der ermittelte Medianwert von Ioannidis legt nahe, dass etwa einer von 500 Corona-Infizierten an der Krankheit stirbt.

Die höchste errechnete Sterblichkeit, die in der Metastudie berücksichtigt wurde, lag bei 1,63 Prozent und stammt aus einer Stichprobe aus zwei Orten im US-Bundesstaat Louisiana. Die höchste Infiziertenrate fand sich mit 58 Prozent hingegen in einem Slum in Mumbai, wo die Sterblichkeit unter dem Durchschnitt lag (mehr zum Coronavirus und aktuellen Entwicklungen auf RUHR24.de).

Ioannidis: Sterblichkeit bei Corona hängt von vielen Faktoren ab

Eine weltweite Sterblichkeit in prozentualen Zahlen nennt Ioannids in seinen Ergebnissen allerdings nicht. Der Grund: Wie tödlich das Coronavirus ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und variiert erheblich. Entscheidungen in der Politik und neu gewonnene Erkenntnisse können demnach hilfreich sein, man müsse sie aber differenziert betrachten.

Denn die wie viele Menschen an Covid-19 sterben, unterscheidet sich nach den Erkenntnissen von Land zu Land und teilweise sogar von Stadt zu Stadt erheblich. Ausschlaggebend sind unter anderem die Anzahl der Menschen in der Bevölkerung, die Bevölkerungsdichte, Infektionsherden und oder auch vollen Verkehrsmitteln.

Metastudie von Ioannidis zur Sterblichkeit von Corona: Es gibt auch Kritik

Den Nutzen der Studie sieht Ioannidis vor allem im Herausarbeiten regionaler Unterschiede. Diese zu kennen sei wichtig, wenn es darum gehe, Maßnahmen festzulegen, die eventuell die Sterblichkeit in anderen Bereichen erhöhe.

Auch wenn die Aussagen aus der Metastudie von Ioannidis recht vage bleiben, hagelt es von deutschen Experten Kritik. So betonte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dass die Methode von Ioannidis in der Forschung umstritten sei.

Allerdings räumt auch Ioannidis selbst ein, dass Antikörper-Studien, auf dessen Grundlage er geforscht hat, nicht perfekt sind. Unter anderem sei es ein Problem, dass man nicht genau wisse, ob sie tatsächlich ein repräsentatives Bild einer bestimmten Bevölkerungsgruppe abbilden.