Ärzte warnen

Coronavirus: Patienten spüren Spätfolgen von Covid-19 noch monatelang

Wer Covid-19 überstanden hat, ist nicht automatisch wieder gesund. Viele Patienten klagen über Spätschäden lange nach der Corona-Infektion.

Dortmund – Seit über einem halben Jahr beschäftigt uns das Coronavirus mit all seinen Auswirkungen auf unser Leben. Immer mehr Menschen infizieren sich mit dem Virus und erkranken an Covid-19, viele gelten aber auch schon wieder als genesen. Doch gibt es einige Fälle, in denen Menschen von Spätfolgen der Erkrankung berichten. Einige Symptome begleiten sie noch Wochen nach der Erkrankung – dafür wurden inzwischen sogar Spezialkliniken eingerichtet.

ErkrankungCovid-19
Häufige SymptomeTrockener Husten, Fieber, Müdigkeit
Seltene SymptomeGliederschmerzen, Halsschmerzen, Durchfall

Coronavirus: Genesen aber nicht gesund – die Symptome nach Covid-19

„Für eine bedeutende Zahl von Menschen hat dieses Virus eine Reihe ernsthafter Langzeitfolgen“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dabei ist es scheinbar egal, ob die Covid-19-Erkrankung zuvor relativ mild verlaufen ist oder, ob der Patient sogar im Krankenhaus behandelt werden musste. „Besonders besorgniserregend ist die große Bandbreite an Symptomen, die sich im Laufe der Zeit verändern, oft überschneiden und jedes System im Körper betreffen können“, sagte Tedros, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Starke Erschöpfung, Atemprobleme, Herzrasen oder Gedächtnisschwierigkeiten machen eine Rückkehr ins Arbeitsleben oft schwer oder gar unmöglich. Teilweise kämpfen die Betroffenen noch Monate nach der Covid-19-Erkrankung mit den Folgen, obwohl sie als genesen gelten. Weitere mögliche Symptome:

  • Schwindel
  • Konzentrationsstörungen
  • Depressionen
  • Luftnot (auch bei leichter körperlicher Betätigung)
  • Magen- Darmbeschwerden
  • Anhaltender Riech- und Geschmacksverlust
  • Postvirale Fatigue (anhaltende Erschöpfung)

Post-Corona-Ambulanzen eröffnen – Experte rechnet mit Ambulanzen an allen Unikliniken

Auf die teilweise sehr komplexen Symptome der Spätfolgen haben sich jetzt einige Ärzte eingerichtet und spezielle Post-Corona-Ambulanzen eröffnet. Wie die Apotheken Umschau berichtet, sollen solche Kliniken bereits in Hamburg, Kiel, Hannover und Jena eingerichtet worden sein. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena (UKJ) meint, dass bald alle Universitätskliniken solche Ambulanzen haben werden. Allein in Jena gab es bereits über hundert Anmeldungen von Covid-19-Erkrankten (alle News zum Coronavirus bei RUHR24.de).

In den Post-Corona-Ambulanzen sind nicht nur Internisten beschäftigt. Aufgrund der vielfältigen Symptome kommen Neurologen, Kardiologen, Psychiater und Pneumologen zum Einsatz. Dabei kommt es laut Stallmach auf eine genaue Anamnese und Untersuchung an – das kann zeitintensiv sein. „Allein das Erstgespräch einschließlich der körperlichen Untersuchung und Funktionstests dauert bis zu anderthalb Stunden“, sagt er gegenüber der Apotheken Umschau.

Nach Coronavirus-Infektion: Symptome können lange anhalten – hier ist Geduld gefragt

Auch in Tübingen gibt es eine Nachsorgeklinik für Covid-19-Patienten. Die Leiterin der infektiologischen Ambulanz am Universitätsklinikum Tübingen, Dr. med. Siri Göpel, sieht die Diskussion um Langzeitfolgen kritisch. Gegenüber dem Ärztlichen Journal sagte sie, es gebe derzeit noch zu wenig Daten und klare Hinweise auf Corona-Langzeitfolgen. Doch die beschriebenen Symptome kenne sie auch.

„Wenn jemand vor drei Monaten beatmungspflichtig war und jetzt sagt, dass er schneller außer Atem kommt und leichter ermüdbar ist, tu ich mir schwer, von Langzeitfolgen zu sprechen“, erklärt Göpel gegenüber dem Ärztlichen Journal. Die Ärztin rät zu Geduld, bei schweren Erkrankungen zu einer Erholungszeit von mindestens einem halben Jahr.

Symptome nach einer Covid-19-Erkrankung nicht untypisch – Schäden sollen sich zurückbilden

Dabei verweist die Medizinerin auf Studien, die zeigten, dass selbst nach leichten Lungenentzündungen Patienten noch drei Monate später über Fatigue (Erschöpfung) und eine gestörte Atmung klagten. Ähnliches gilt für den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns – auch hier ist Geduld gefragt. Wenn die Nerven betroffen sind, braucht das immer ein wenig Zeit, meint sie und man könne erst nach einem halben Jahr sagen, ob sich das wieder klar verbessert.

Zudem ist laut Studien bislang zu erwarten, dass mögliche Lungenschäden reversibel („umkehrbar“) sind. Laut Forschern gebe es derzeit keine Hinweise auf fortschreitende Lungenschäden durch eine Corona-Erkrankung (Stand Oktober 2020). Das hat ein Team der Universitätsklinik Innsbruck in einer Studie untersucht. Die untersuchten Patienten zeigten noch sechs Wochen nach der Erkrankung Symptome wie Kurzatmigkeit oder Husten, zudem waren in CT-Untersuchungen noch leichte bis mittelgradige strukturelle Veränderungen der Lunge zu sehen. Diese bildeten sich im Verlauf der Zeit aber deutlich zurück. Um endgültig klären zu können, ob sich die Schäden zu 100 Prozent zurückbilden, müssen weitere Untersuchungen abgewartet werden.

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