Von wegen Mindestabstand

Maske und Mindestabstand: Gegen eine Infektion mit dem Coronavirus kann etwas anderes viel besser helfen

Von wegen Maske und Mindestabstand. Am besten hilft eine ganz andere Maßnahme. Das betrifft vor allen Dingen geschlossene Räume. 

  • Wie gefährlich sind Aerosole mit Blick auf das Coronavirus im geschlossenen Raum?
  • Eine neue Studie der Technischen Universität Berlin bewertet das Risiko einer Ansteckung.
  • Trotz vereinfachter Annahmen bleibt eine Erkenntnis dominant – und lehrreich.

Dortmund – Über die Luft verbreitet sich das neuartige Coronavirus (Sars-CoV-2) besonders gut. Aerosole bilden einen der Hauptübertragungswege – vermutlich sind sie für den größten Teil der Infektionen verantwortlich. Das wissen auch Martin Kriegel und Anne Hartmann vom Hermann-Rietschel-Institut der Technischen Universität Berlin. In einer jüngst veröffentlichten Studie untersuchen sie die Gefahr durch Aerosole in Innenräumen näher.

Coronavirus: Neue Studie zu Aerosolen in Innenräumen der Technischen Universität Berlin

Über kaum etwas haben wir in der Coronavirus-Krise (die Entwicklungen in NRW im Ticker) mehr erfahren, als über Aerosole. Jeder von uns stößt Tröpfchen aus – beim Atmen und beim Sprechen, besonders aber beim Singen, Husten oder Niesen.

Vor größeren Tropfen, die mit der Zeit absinken, schützen wir unsere Mitmenschen mit dem Tragen eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes. Die kleineren Tropfen (weniger als fünf Mikrometer groß), bewegen sich als Aerosole mit der Luftströmung und können weite Strecken zurücklegen. Vor ihnen kann nur eine FFP 2 oder FFP 3 Maske schützen, da die Filtereffektivität von Community-Masken nicht ausreicht. Besonders im geschlossenen Raum werden sie zur Gefahr.

Coronavirus: Aerosol-Konzentration nimmt im geschlossenen Raum zu – Mindestabstand schützt nicht mehr

Wie groß die Gefahr wirklich ist, zeigen die Ergebnisse der unter dem Titel Risikobewertung von Innenräumen zu virenbeladenen Aerosolen veröffentlichten Studie der Technischen Universität Berlin. Wenngleich für die Modellrechnungen einige Annahmen getroffen werden, die der gegenwärtige Forschungsstand nicht hergibt, sind die Erkenntnisse durchaus lehrreich.

So wird beispielsweise angenommen, dass für eine Infektion mit dem Coronavirus 3.000 eingeatmete Viren notwendig sind und dass "jedes Partikel ein Virus trägt". Auf Grundlage dieser vereinfachten Rechnung ergibt sich, dass eine konkrete Gefährdung vorliegt, wenn man sich länger als 3 Stunden in einem Büroraum mit einer Fläche von 100 Quadratmetern und drei Metern Deckenhöhe aufhält.

Besonders beim Singen werden reichlich Aerosole ausgestoßen, wie dieser Versuchsaufbau mit einer Sängerin zeigt.

Weitaus schneller wird der Aufenthalt im geschlossenen Raum zur Gefahr, wenn man sich in direkter Nähe der Atemluft eines anderen befindet. Auch Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit haben einen Einfluss auf die Gefahr sich über Aerosole mit dem Coronavirus zu infizieren. Wichtig ist deshalb vor allem eine Erkenntnis: Mit der Zeit nimmt die Aerosolzahl in einem geschlossenen Raum immer weiter zu.

Aerosole als Übertragungsweg des Coronavirus: Lüften im geschlossenen Raum oberstes Gebot

Was heißt das? Früher oder später nimmt man über Aerosole auch dann Viren einer erkrankten Person auf, wenn man den viel beschworenen Mindestabstand von 1,5 Metern einhält. Wer beispielsweise im Büro also nicht den ganzen Tag mit einer FFP 2 oder FFP 3 Maske sitzen möchte, dem hilft nur eins: lüften, lüften, lüften!

Je größer und weitläufiger der Luftstrom, umso geringer ist die Gefahr einer Ansteckung über Aerosole. Deshalb ist der Anteil der Leute, die sich im Freien mit dem Coronavirus infiziert haben, auch weitaus geringer als der Anteil an Übertragungen im geschlossenen Raum.

Rubriklistenbild: © Andrew Matthews/PA Wire/dpa

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