Vergleich mit Hochseetanker

Coronavirus: Neuinfektionen in Deutschland steigen rasant - „Lockdown light“ gescheitert?

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus liegt in Deutschland aktuell auf Rekordhoch. Ist der „Lockdown light“ im November gescheitert?

Dortmund - „Vorsichtig optimistisch“ äußerte sich RKI-Präsident Lothar Wieler (59) am Donnerstag (12. November) mit Blick auf die Entwicklung der Neuinfektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) in Deutschland. „Die Kurve flacht sich ab.“ Ganz ähnliche Worte wählte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Onlinediskussion mit Auszubildenden.

InfektionskrankheitCovid-19
ErregerSARS-CoV-2
Typische SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Geruchs- und Geschmacksstörungen
SchutzAHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken)

Coronavirus: Neuinfektionen in Deutschland auf Rekordhoch - zu früh gefreut?

„Jetzt sieht man, wie es abflacht.“ Zu früh wollten sich Lothar Wieler und Angela Merkel aber nicht freuen. Es sei zu früh, die Wirkungen des seit Anfang November geltenden Teil-Lockdowns zu bewerten, mahnte der RKI-Präsident. Zu unklar sei noch, ob es sich bei der Entwicklung des Infektionsgeschehens bloß um eine Momentaufnahme oder eine stabile Entwicklung handle.

Am Freitag (13. November) folgte sogleich ein Rückschlag. Denn obwohl der rasante Anstieg zuletzt gebremst werden konnte, meldete das Robert Koch-Institut mit 23.542 neuen Ansteckungsfällen einen neuen Höchstwert der Corona-Neuinfektionen. Dabei ist das erklärte Ziel der November-Maßnahmen nicht bloß den Anstieg zu beenden, sondern die Rückkehr auf den viel zitierten Inzidenzwert von 50 - am Freitagmorgen lag der deutschlandweit bei 140,4.

RKI-Präsident Lothar Wieler, Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel (v.l.)

Reichen die verschärften Corona-Maßnahmen nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen? Ist der „Lockdown light“ zu „light“, um drohende Corona-Horrorszenarien wie eine Triage-Situation in Deutschland abzuwenden? Virologe Alexander Kekulé (62) mahnt im MDR-Podcast zu Geduld. Warum, erklärt er anhand eines ungewöhnlichen Vergleichs.

Corona-Maßnahmen: „Lockdown light“ nicht gescheitert - Kekulé-Vergleich mit Hochseetanker

„Stellen sie sich das wie einen Hochseetanker vor. Wenn sie da den Motor ausschalten - also es gibt keinen weiteren Anstieg der Infektionen - dann hat der immer noch einen ganz langen Bremsweg. Jeder, der Schiffe steuert, weiß, dass es dann eine ruhige Hand und sehr viel Geduld braucht.“

Es ergebe laut Alexander Kekulé keinen Sinn, hektisch das nächste Manöver in Form weiterer Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie (die Entwicklungen im NRW-Ticker) einzuleiten. „Man muss erst einmal abwarten, was passiert. Wir haben die Steuermaßnahme durch den Teil-Lockdown gemacht und der Effekt dieses Teil-Lockdowns wird sich jetzt verzögert zeigen.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bewertet die gegenwärtige Corona-Lage in Deutschland ähnlich. Im ARD-Morgenmagazin betonte er, dass sich die Wirksamkeit des Teil-Lockdowns erst in den nächsten Tagen zeigen werde. Zwar sei die Steigerung „stark zurückgegangen“. Allerdings steigen die Infektionszahlen weiterhin - „aber wir müssen runter. Das sind wir eben noch nicht“.

Coronavirus: Bund und Länder beraten Montag über November-Lockdown

Am Montag (16. November) kommen die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut zusammen, um über die Wirksamkeit des Teil-Lockdowns und das weitere Vorgehen zu beraten. Geht es nach Alexander Kekulé, sollten die Erwartungen bis dahin nicht zu hoch sein.

Zwar könne man einen deutlichen Bremseffekt erkennen. Man dürfe bis Montag aber nicht erwarten, dass die Zahl der Neuinfektionen auf einen bestimmten Wert fällt. „Es geht darum, dass die Tendenz nach unten geht.“

Jens Spahn: Coronavirus-Maßnahmen „werden wir im Winter durchhalten müssen“

Was bedeutet das für die kommenden Wochen? Kekulé äußert sich optimistisch, dass die ergriffenen Corona-Maßnahmen auf den November beschränkt bleiben. Eine Rückkehr zum Status quo ante wird es im Dezember dennoch nicht geben. Das machte Jens Spahn bereits deutlich.

Beispielsweise werde man auf Geburtstags- und Hochzeitsfeiern wohl ebenso weiterhin verzichten, wie auf betriebliche Weihnachtsfeiern. „Das werden wir im Winter sicher durchhalten müssen.“ Mit AFP-Material

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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