Ergebnisse zeigen Zusammenhang

Coronavirus und Rauchen: Ergebnisse einer Studie dürften Raucher überraschen

Raucher sind gefährdet, besonders schwer an Corona zu erkranken. So die bisherige Studienlage. Forscher wollen nun das Gegenteil herausgefunden haben.

Regensburg – Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie war sich die Wissenschaft weitgehend einig: Rauchern droht eine erhöhte Gefahr sich mit dem Coronavirus anzustecken oder einen besonders schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. Eine Studie aus dem Landkreis Regensburg stellt diese Erkenntnisse nun auf den Kopf.

Dr. Benedikt LamplArzt am Gesundheitsamt Regensburg
PositionStellvertretender Sachgebietsleiter für Infektionsschutz und Hygiene
Sonstige TätigkeitenLehrbeauftragter der OTH Regensburg für Hygiene, wissenschaftliche Publikationen zur Infektionshygiene etc.
StudiumHumanmedizin an der TU München

Coronavirus: Studie zeigt Zusammenhang zwischen Infektionsrisiko und Rauchen

Eigentlich wollten die Forscher Erkenntnisse über den Verlauf der ersten Corona-Welle in der Stadt und im Landkreis Regensburg gewinnen. Dazu werteten sie Daten von rund 1100 Corona-Fällen aus, die dem Gesundheitsamt vor Ort gemeldet wurden.

Die Wissenschaftler, darunter auch Dr. Benedikt Lampl, Arzt am Regensburger Gesundheitsamt, machten jedoch eine Entdeckung, mit der sie nicht gerechnet haben: Raucher könnten weniger anfällig für eine Corona-Infektion oder einen schweren Verlauf von Covid-19 sein.

Coronavirus und Rauchen: Ergebnisse dürfte Raucher überraschen

Für die Untersuchung wurden mit 419 Personen, die wieder als genesen gelten, sechs Wochen nach der Infektion Telefoninterviews geführt. 417 der Befragten machten Angaben dazu, ob sie rauchen oder nicht. In 50 Fällen war das der Fall.

Die Auswertung der Antworten der 50 Raucher ist verblüffend: So sollen die ansonsten typischen Symptome einer Corona-Infektion wie Geruchs- und Geschmacksverlust, Erkältungsanzeichen und Atemprobleme bei den Rauchern weitaus weniger ausgeprägt gewesen sein als bei den Nichtrauchern.

Coronavirus: Symptome von Covid-19 bei Rauchern weniger ausgeprägt

Auch die Dauer der Covid-19 Erkrankung war laut der Regensburger Studie in der Regel kürzer. Deuten die Ergebnisse der Studie, von der RTL zuerst berichtet hatte, darauf hin, dass Rauchen vor einer Corona-Infektion schützt?

Wohl kaum. Auch sollten laut Benedikt Lampl keine voreiligen Schlüsse aus der Untersuchung gezogen werden. Er hat indessen eine Vermutung, wie die Ergebnisse zu erklären sind: „Raucher leiden ja häufig an Raucherhusten. Das heißt, das ist ein „Symptom“, das die Raucher dauerhaft haben. Ein zusätzlicher Husten fällt durch eine entsprechende Infektion in der eigenen Wahrnehmung gar nicht so ins Gewicht, insbesondere dann, wenn er nur leicht ausgeprägt ist.“ 

Rauchen begünstigt eine Reihe von Vorerkrankungen, die wiederum für einen schweren Covid-19-Verlauf sprechen.

Corona und rauchen: Studienergebnisse sind keine Empfehlung

Die Frage, ob die Studienergebnisse aus Regensburg daher als Empfehlung zum Rauchen verstanden werden können, kann Benedikt Lampl daher mit einem klaren Nein beantworten, wie er ausdrücklich betont. Außerdem müssten die Zusammenhänge noch genauer untersucht werden (alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Live-Ticker auf RUHR24.de).

Die Studie aus Regensburg ist allerdings nicht die erste wissenschaftliche Untersuchung, die einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Corona analysierte. So hatte bereits im April eine Studie aus Frankreich für Aufregung gesorgt. Die Autoren hatten darin vermutet, dass Nikotin hilfreich sein könnte, um sich vor dem Coronavirus zu schützen.

Vorsicht bei Studienergebnissen über Corona und rauchen

Doch wie unter anderem Correktiv offenlegte, handelte es sich dabei nur um eine erste Vermutung, nicht um eine wissenschaftliche Erkenntnis. So gibt es laut dem Robert Koch-Institut (RKI) bislang relativ wenige Studien, die das Thema Rauchen und Corona in einen Zusammenhang setzen und untersuchen.

So informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) über den aktuellen Wissensstand (Stand 19.11.2020) über den Zusammenhang von Tabakkonsum und Covid-19:

  • Raucher stecken sich offenbar nicht häufiger mit dem Coronavirus an als Nichtraucher. Zumindest gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege.
  • Raucher haben ein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf als Menschen, die noch nicht geraucht haben. Die Datenlage dafür gilt jedoch als schwach.
  • Rauchen fördert eine Reihe von Vorerkrankungen, die wiederum einen schweren Corona-Verlauf begünstigen. Dazu zählen unter anderem Schäden der Lunge oder Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems.

Das RKI führt Raucher allerdings weiter als Risikogruppe für schwere Krankheitsverläufe auf, jedoch mit schwacher Evidenz. Und auch das weist darauf hin, dass die wenigen Studien zwar keine qualitativen Aussagen zulassen würden, sich jedoch eine Tendenz bei Rauchern abzeichne.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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