Covid-19-Pandemie 2019/2020

Coronavirus: 180 Länder betroffen und über 960.000 Infizierte weltweit - alle Infos zum neuartigen Erreger im Überblick

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In China trat Ende Dezember das Coronavirus zum ersten Mal auf.

Das Coronavirus breitet sich aus. Mittlerweile gibt es über 960.000 Infizierte auf der ganzen Welt. Alle Informationen zu dem Virus gibt es bei uns.

  • Im Dezember 2019 ist das neuartige Coronavirus in Wuhan (China) zum ersten Mal aufgetreten.
  • Mittlerweile sind 180 Länder auf der Welt von dem Erreger Sars-CoV-2 betroffen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht mittlerweile von einer Pandemie.

Dortmund - Seitdem das neuartige Coronavirus in der chinesischen Millionenstadt Wuhan in der Provinz Hubei Ende Dezember 2019 zum ersten Mal aufgetreten ist, verbreitet sich der Erreger rasant auf der ganzen Welt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht mittlerweile von einer Pandemie. Über 960.000 Menschen sind infiziert, rund 50.000 Menschen sind an den Folgen des Virus gestorben (Stand 2. April 2020). Grund genug, um erneut einen detaillierten Blick auf die Infektionskrankheit zu werfen. 

Coronavirus: Covid-19 und Sars-CoV-2 - der Erreger im Überblick

Bevor das Coronavirus in der chinesischen Stadt Wuhan zum ersten Mal nachgewiesen wurde, waren der Erreger sowie die daraus resultierende Krankheit Covid-19 nicht bekannt. Entsprechend schwierig war es deshalb, einzuschätzen, wie gefährlich das neuartige Virus SARS-CoV-2 ist. Bis heute gibt es weder einen Impfstoff, noch eine krankheitsspezifische Behandlung mit Virostatika (Medikament gegen Virusinfektionen).

Aufgrund des bisherigen Verlaufs und der schnellen Verbreitung des Virus gelang es den Gesundheitsbehörden aber nach kurzer Zeit, erste Aussagen zu den Symptomen, zur Behandlung und zum Schutz zu machen. 

Coronavirus: Verschiedenen Symptome weisen auf Infektion hin

Coronaviren im Generellen kommen weltweit vor und werden vor allem über Tröpfcheninfektion übertragen. Coronaviren sind laut Weltgesundheitsorganisation eine große Familie von Atemwegsviren, die Krankheiten verursachen können, die von Erkältungskrankheiten über das Nahost-Atemwegs-Syndrom (MERS) bis hin zum schweren akuten Atemwegs-Syndrom (SARS) reichen.

Erkrankte zeigen vorrangig Infekte der Atemwege. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich sieben Tage. Das heißt: Zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen einer Infektionskrankheit kann eine Woche vergehen. Bei dem neuartigen Coronavirus hingegen wird laut Robert-Koch-Institut davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tage dauern kann.

Symptome der aktuellen (neuartigen) Erkrankung sind laut WHO Fieber (über 38 Grad), Husten und/oder Atemnot (Dyspnoe). Das Robert-Koch-Institut listet zudem auch Schnupfen auf wie bei einer milden Erkältung. "In schwerwiegenden Fällen kann eine Infektion eine Lungenentzündung, ein schweres akutes respiratorisches Syndrom, ein Nierenversagen und sogar den Tod verursachen", heißt es von der Weltgesundheitsorganisation. Die Krankheit, die von dem ErregerSars-CoV-2 ausgelöst wird, ist mittlerweile als Covid-19 bekannt.

Coronavirus: Behandlung des Virus bei Infizierten

Für den Fall, dass man sich mit dem Coronavirus infiziert hat, schreibt die WHO keine spezielle Behandlung vor - was daran liegt, dass es noch kein auf das Virus zugeschnittenes Verfahren gibt. Der Körper muss die Viren mit Hilfe des eigenen Immunsystems also selbst bekämpfen.

Viele der Symptome, die das Coronavirus verursacht, können dagegen sehr wohl behandelt werden. Eine Behandlung richtet sich daher jeweils nach dem Zustand des Patienten. Personen, die glauben, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, sollten einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen und die Einrichtung vorab telefonisch informieren, sodass diese sich darauf vorbereiten und die Behandlung planen kann.

Video: Coronavirus - für wen ist das Risiko besonders hoch?

Und wie sieht eine Behandlung konkret aus? Laut einem Bericht der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet vom 24. Januar über die ersten 41 Erkrankungsfälle erhielten einige der Patienten zur Behandlung orale oder intravenöse Antibiotika und den Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir, einen Arzneistoff, der für die Therapie der Virusgrippe verwendet wird.

Bei schweren Lungenentzündungen gaben die chinesischen Ärzte auch Methylprednisolon, berichtet die Pharmazeutische Zeitung. Das Medikament wirkt abschwellend und entzündungshemmend. Manche Patienten erhielten zudem Sauerstoff über die Nase oder wurden gar intubiert. Zugleich wird untersucht, ob bereits auf dem Markt vertriebene Virostatika gegen das Coronavirus helfen könnten.

Coronavirus: Tödlichkeit des neuartigen Sars-CoV-2

Bisher lassen sich keine sicheren Angaben über die Tödlichkeit (Letalität) des Virus machen, da die Infektion mit Sars-CoV-2 bei gesunden Menschen meist keine oder nur sehr geringe Symptome auslöst. Behörden gehen daher davon aus, dass auf der Welt deutlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind als offiziell bestätigt.

Diese Dunkelziffer steht den bisher bestätigten Todesfällen gegenüber. Gezählt werden aber nur die bestätigten Infektionen, was wiederum die Sterberate steigen lässt. Berechnet wird das Verhältnis von bestätigen Krankheitsfällen zu bekannten Todesfällen. Aufgrund der dynamischen Entwicklungen der Pandemie lässt sich die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen von Covid-19 zu sterben, momentan nicht zu 100 Prozent berechnen. Die Weltgesundheitsorganisation geht aktuell von einem Wert zwischen 0,3 und 1 Prozent aus, dass an eine infizierte Person an den Folgen des Erregers stirbt. Der Wert kann sich im Laufe der Pandemie wieder ändern.

Coronavirus: Bestätigte Todesfälle in vielen Ländern der Welt

Nach aktuellem Stand (12. März 2020) gibt es weltweit 4661 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Die meisten davon stammen aus der Provinz Hubei/China (3056) und Italien (827). Gefolgt von Iran (354) und Südkorea (66). 

Viele der Todesopfer hatten schwere Vorerkrankungen oder waren chronisch krank. Bei mehr als 80 Prozent der Infizierten verläuft Covid-19 in einer milden Form ohne nennenswerte Symptome. Nur wenige Erkrankte leiden an Atemnot (Dyspnoe) oder erleben einen Atemstillstand. Nach Angaben der WHO sei das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, vor allem bei Kindern besonders gering. Ältere Menschen würden sich aufgrund schwacher Immunsysteme dagegen deutlich häufiger anstecken und schneller an den Folgen sterben. 

Coronavirus: Impfung und Vorbeugung vor Sars-CoV-2

Einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gibt es bisher nicht. Erste Wissenschaftler arbeiten aber bereits daran, da es schon gelungen sei, das Genom des Virus zu sequenzieren und zu veröffentlichen. Das sagte der Geschäftsführer der globalen Impfallianz Gavi Seth Berkley gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Entwicklung einer Impfung soll aber mindestens ein Jahr dauern. Experten vermuten, dass der Impfstoff erst auf den Markt kommen wird, wenn die größte Corona-Welle schon wieder vorbei ist.

Bis es es soweit ist, ist eine konservative Vorbeugung gegen eine Infektion mit dem Coronavirus umso wichtiger. Hygienemaßnahmen wie Händewaschen oder das Nutzen von Desinfektionsmittel, eine Früherkennung sowie das Vermeiden mit Infizierten sind momentan die einzigen Maßnahmen, um eine Ausbreitung des Virus eindämmen oder verlangsamen zu können. Außerdem sollte der Kontakt zu Riskopatienten wie älteren Menschen oder chronisch Kranken wenn möglich verhindert werden. Es gilt, diese Menschengruppen zu schützen. Daher empfahl der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sogar, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr zu den Großeltern schicken sollten. Er schlug außerdem vor, Einkäufe für Ältere zu erledigen, damit diese nicht mehr in Supermärkte gehen müssen.

Coronavirus: Genesung nach Infektion mit SARS-CoV-2

Wie bereits beschrieben, ist das Coronavirus vor allem für ältere Personen problematisch. Für Kinder oder jüngere Personen besteht kaum Gefahr, ernsthaft an Covid-19 zu erkranken. Die meisten der Infizierten genesen wieder. Je nach Krankheitsverlauf kann die Genesungsphase allerdings unterschiedlich lang dauern.

Bei den meisten Menschen klingen die Krankheitssymptome nach Angaben der WHO nach ungefähr 14 Tagen ab, bei Personen mit einem schweren Krankheitsverlauf kann es mitunter drei bis sechs Wochen dauern. In Deutschland gelten Infizierte frühestens zehn Tage nach dem Auftreten erster Symptome als genesen, außerdem dürfen sie seit 48 Stunden kein Fieber mehr haben und seit 24 Stunden keine weiteren Symptome. Zwei im Abstand von mindestens 24 Stunden genommene Abstriche aus dem Nasenrachenraum dürfen zudem keine Viren mehr aufweisen. 

Coronavirus: Unterscheidung zu Grippe schwierig

Wichtig: Menschen sind bereits nach der Infektion mit dem Coronavirus ansteckend, auch wenn noch keine Krankheitssymptome vorliegen. Daher ist es aktuell so schwierig, die Krankheit einzudämmen. Das Robert-Koch-Institut dazu: "Es wurden einzelne Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die offenbar noch keine Symptome gezeigt hatten."

Schwierig ist die Unterscheidung zwischen dem Coronavirus und einer herkömmlichen Grippe (Influenza) oder einer Erkältung - im Winter ist in Deutschland Saison für Erkrankungen solcher Art. In Iserlohn, etwa 20 Kilometer südöstlich von Dortmund, hatte sich ein Schüler am 27. Januar mit entsprechenden Symptomen beim Rettungsdienst gemeldet und für eine Evakuierung seiner Schule gesorgt. Später stellten sich seine Symptome aber nicht als Folge des Coronavirus heraus. Der Schüler klagte über Fieber und Halsschmerzen und hatte sich zuvor in China aufgehalten.

Für die Grippesaison 2019/2020 sind bisher laut WAZ mehr als 165.000  Influenza-Infektionen bestätigt worden (Stand: 2. April 2020). "Das höchste Risiko für schwere Verläufe und Todesfälle haben ältere Menschen. Die Zahl der Todesfälle kann bei den einzelnen Grippewellen stark schwanken, von mehreren hundert bis über 20.000", heißt es von Seiten des Robert-Koch-Institus

Verglichen mit dem neuartigenCoronavirus erscheinen die Zahlen zwar deutlich höher, doch die Grippe ist im Gegensatz zu dem Erreger aus China seit Jahrhunderten bekannt. Sars-CoV-2 war bis vor wenigen Monaten noch gänzlich unbekannt, was eine Einschätzung der Gesundheitsbehörden zunächst problematisch machte. 

Coronavirus: Von der Epidemie zur Pandemie in wenigen Wochen

Nach dem ersten Ausbruch von Sars-CoV-2 Ende Dezember sprachen Experten lange von einer "Coronavirus-Epidemie". Das hat sich nach wenigen Wochen geändert. Am Mittwoch (11. März) sprach die Weltgesundheitsorganisation zum ersten Mal von einer "Pandemie". Dieser Begriff wird genutzt, sobald eine Krankheit bei Menschen länder-sowie kontintenübergreifend auftritt. 

Mittlerweile gibt es laut der Johns Hopkins Universität in 180 Ländern Infektionen mit dem neuartigen Erreger. Die am stärksten betroffenen Länder sind (Stand 2. April):

  • USA (216.768 Fälle)
  • Italien (110.574)
  • Spanien (110.238)
  • China (82.431)
  • Deutschland (80.641)
  • Frankreich (57.780)
  • Iran (50.468)
  • Großbritannien (34.116)

Coronavirus: Erster Ausbruch in Wuhan (Provinz Hubei/China)

Bereits am 30. Dezember 2019 warnte der chinesische Arzt Li Wenliang vor einem neuenVirus, nachdem in einem Krankenhaus in Wuhan mehrere Lungenentzündungen (Pneumonien) aufgetreten waren. Zunächst war unklar, woher die Erkrankungen stammen. Wenliang vermutete hinter den Infektionen das schwere akute Atemwegssyndrom (SARS), das in den Jahren 2002/2003 eine weltweite Pandemie auslöste und knapp 800 Menschenleben forderte. 

Mittels sozialer Medien tauschte sich Wenliang mit chinesische Kollegen über das neue Virus aus, später gelang die Nachricht über die Erkrankung ins Internet, worauf auch die Polizei aufmerksam wurde. Li Wenliang und seine Kollegen wurden daraufhin verwarnt und mussten Schweigepflichtserklärungen unterschreiben. Wenliang erkrankte wenige Tage später selbst an dem Virus, nachdem er sich bei Patienten angesteckte hat. Er verstarb am 7. Februar 2020 in Wuhan an den Folgen des Coronavirus.

Coronavirus - China

Coronavirus: Volksrepublik China wandte sich an die WHO

Trotz der Bemühungen, die Aussagen Li Wenliangs unter Verschluss zu halten, wandten sich die chinesischen Behörden am 31. Dezember 2019 an die WHO. Sie teilten mit, dass seit Anfang Dezember mehrere Fälle untypischer Lungenentzündungen in Wuhan aufgetreten waren und der Krankheitserreger nicht identifiziert werden könnte. 

Bis zum 3. Januar 2020 traten allein in Wuhan 44 Fälle vonLungenentzündungen unbekannten Ursprungs auf. Währenddessen setzten örtliche Behörden alles daran, die Ursache des Krankheitserregers ausfindig zu machen. 

Coronavirus: Markt für Wildtiere wird als erster Infektionsort vermutet

Bis jetzt ist nicht gänzlich geklärt, wo der Erreger herkommt. Gesundheitsexperten vermuten seinen Ursprung im Tierreich, wobei der genaue Überträger nicht näher bekannt ist. Der Verdacht fällt auf Fledermäuse und ein anderes Säugetier als Zwischenwirt, das den Erreger an den Menschen weitergegeben haben könnte.

Da die ersten in der Volksrepublik China bekannten Infizierten auf dem "Wuhaner Südchinesischen Großhandelsmarkt für Fische und Meeresfrüchte“ entweder als Verkäufer oder Händler arbeiteten, wurde dort der erste Infektionsort vermutet. Auf dem auch als "Wet market" bekannten Markt wurden neben Meerestieren auch Wildtiere wie Schlangen und Fledermäuse gehandelt. 

Coronavirus: Erreger im Januar als "2019-nCov" bestätigt

Der Markt in Wuhan wurde am 1. Januar 2020 von den örtlichen Behörden geschlossen und desinfiziert. Zuvor war ein Team der chinesischen Seuchenschutzbehörde nach Wuhan gereist, um dem Ursprung des Krankheitserregers auf den Grund zu gehen. Anfänglich nahm man an, das Virus sei nur schwer von Mensch zu Mensch übertragbar, doch schon nach wenigen Tagen stiegen die Neu-Infektionen in der Volksrepublik China und in anderen Teilen Asiens rasant an.

Am 7. Januar 2020 wurde das neuartige Coronavirus mit der provisorischen Bezeichnung "2019-nCov" offiziell benannt. Wenige Tage danach, am 13. Januar 2020, wurde das Virus erstmals außerhalb Chinas in Thailand nachgewiesen. Ein Reisender aus Wuhan wurde dort positiv auf den neuartigen Erreger getestet. Es folgten Fälle in Japan (15. Januar) und Südkorea (20. Januar). 

Coronavirus: Situation in Deutschland

Den ersten bestätigten Coronavirus-Fall in Deutschland gab es am 28. Januar 2020. Ein 33-jähriger Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto infizierte sich auf einer firmeninternen Schulung bei einer chinesischen Kollegin. Sie hatte vor ihrer Reise nach Deutschland Kontakt zu ihren Eltern, die sich in der besonders stark betroffenen Region Wuhan aufhielten. 

In den Folgetagen wurde bekannt, dass sich weitere Mitarbeiter des Konzerns sowie deren Angehörige mit dem Coronavirus infiziert haben. Der Firmensitz in Stockdorf (Bayern) wurde vorübergehend geschlossen. Keiner der Infizierten ist an den Folgen von Covid-19 gestorben, alle Infizierten wurden Ende Februar als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen. 

Danach gab es mehrere Wochen lang keine neuen Infektionen in Deutschland. Nachdem aber die Fälle im Nachbarland Italien Mitte Februar rasant anstiegen, kehrte das Virus Ende Februar zurück nach Deutschland. Am 25. Februar 2020 wurde der erste Fall in Baden-Württemberg bestätigt. Er hatte sich nach heutigem Ermittlungsstand offenbar bei einer Reise nach Mailand angesteckt. 

Coronavirus in Deutschland: Nordrhein-Westfalen ist am stärksten betroffen

Kurze Zeit später wurde der zweite Fall in Nordrhein-Westfalen bestätigt. Im Kreis Heinsberg, wo es nach aktuellem Stand die meisten Infektionen in ganz Deutschland gibt, hatte sich ein Ehepaar mit dem neuartigen Erreger infiziert. Unwissend darüber hielten sie sich gemeinsam bei einer Karnevals-Großveranstaltung auf, wo sie mutmaßlich andere Menschen ansteckten.

Es wird angenommen, dass die meisten Coronavirus-Infektionen aus NRW von dem infizierten Ehepaar aus dem Kreis Heinsberg ausgingen. Mittlerweile gibt es in vielen Großstädten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Fälle - darunter in Köln, Essen, Bochum, Dortmund und im Kreis Recklinghausen. Hotspot bleibt aber nach wie vor der Kreis Heinsberg, wo am Montag (9. März) der erste Todesfall bestätigt wurde.

Coronavirus - Heinsberg

Kurze Zeit später folgte noch am gleichen Tag der zweite Todesfall in Essen (Ruhrgebiet). Am Mittwoch (11. März) wurde der dritte Todesfall bekannt - erneut im Kreis Heinsberg. Doch dabei sollte es nicht bleiben, am Donnerstag (12. März) starben die erste Personen außerhalb Nordrhein-Westfalens an den Folgen des Coronavirus. Es handelte sich dabei um einen 67-jährigen Mann aus Baden-Württemberg und einen 80-Jährigen aus Bayern.

Coronavirus: Folgen der Covid-19-Pandemie in Deutschland

Nach aktuellem Stand (2. April) gibt es laut Robert-Koch-Institut in ganz Deutschland in allen Bundesländern 73.522 Infizierte - darunter alleine 15.427 Fälle in Nordrhein-Westfalen. Die Bundesländer reagieren unterschiedlich auf die Pandemie: In Bayern und Baden-Württemberg wurde der Start des Sommersemesters der Hochschulen um eine Woche nach Ostern verschoben.

Im Kreis Heinsberg in NRW, wo es zu Beginn die meisten Infektionen gab, bleiben alle Schulen bis zum einschließlich 22. März 2020 geschlossen. Es handelt sich dabei um eine Sicherheitsmaßnahme, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte ein einheitliches Handeln aller Bundesländer im Kampf gegen die Krankheit. Momentan agieren die Bundesländer nicht nur in Sachen Bildung unterschiedlich. Auch wenn es darum geht, Großveranstaltungen abzusagen oder zu verschieben, gibt es keine einheitlichen Maßnahmen. Nordrhein-Westfalen hatte am Dienstag (10. März) angekündigt, bis auf weiteres alle Veranstaltungen mit mehr als 10.000 Personen abzusagen. Betroffen sind davon auch etliche Fußballpartien, die in den kommenden Wochen als Geisterspiele ausgetragen werden. 

Neben NRW beteligen sich auch andere Bundesländer, aber längst nicht alle, an der Maßnahme, Großveranstaltungen abzusagen. In Bayern sind alle staatlichen Theater, Konzertsäle und Opernhäuser bis zum  19. April 2020 geschlossen. In Frankfurt wurden Messen abgesagt, unter anderem die Touristik-Messe IMEX. In Hamburg spielte am Mittwochabend (11. März) der britische Pop-Sänger James Blunt in der Elbphilharmonie vor leeren Rängen. In Köln wurde eine der größten Fitnessmessen, die Fibo, abgesagt und um Monate verschoben.

In NRW wurden wegen des Coronavirus nun gar Insassen aus Gefängnissen entlassen. Das soll vorübergehend Platz für Quarantänezonen schaffen.

Coronavirus: Folgen der Covid-19-Pandemie auf der Welt

Weltweit gibt es nach aktuellem Stand (2. April) fast eine Million bestätigte Coronavirus-Fälle - minütlich kommen neue Fälle dazu. Um die weitere Ausbreitung einzudämmen, werden auf der ganzen Welt unterschiedlichste Maßnahmen ergriffen. Die populärste Art, das Virus zu stoppen, sind Einreiseverbote.

Das jüngste Verbot sprachen die USA aus. Es gilt zunächst für 30 Tage für alle Europäer aus dem Schengen-Raum, wozu auch Deutschland gehört. Israel war in der vergangenen Woche das erste Land, das einen Einreisestopp für deutsche Touristen verhängt hat. Demnach müssen sich Reisende aus Deutschland zunächst in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben, bevor sie das Land ohne Einschränkungen bereisen dürfen. 

Italien, das mit Abstand das am stärksten betroffene Land in Europa ist, wurde jüngst zur gesamten Sperrzone erklärt. Am Donnerstag (12. März) wurde bekannt, dass ab sofort alle Geschäfte im Land schließen werden. Zuvor wurden bereits die Hochschulen und Schulen des Landes geschlossen. Menschen dürfen zudem ab sofort nicht mehr ein- und ausreisen. Die Maßnahmen gelten zunächst für die kommenden zwei Wochen und sollen für eine Eindämmung des Virus im Land sorgen. 

Coronavirus: Prognose - wie geht es mit dem Coronavirus weiter?

Ob die Maßnahmen wirklich funktionieren, wird die Zukunft zeigen. Laut dem Leiter der Virologie der Berliner Charité, Christian Dorsten, sei  das Coronavirus "eine Naturkatastrophe, die in Zeitlupe stattfinde." Noch kann man keine genauen Prognosen über eine weitere Verbreitung des Virus machen. Es fehlen schlichtweg die Erfahrungen - Sars-CoV-2 tritt zum ersten Mal auf, es gibt bislang kaum bis wenige Untersuchungen zu dem Erreger. Eine Tatsache, die es umso schwieriger macht, die Zukunft des Virus auch nur ansatzweise vorauszusagen. 

Christian Dorsten wagt in seinem täglichen Podcast im NDR trotzdem eine Einschätzung: "Wir haben es mit einer Infektionswelle ganz am Anfang zu tun und wir wissen, dass wir das Virus nicht mehr aufhalten können, wir können es nur verzögern."

Coronavirus: Schlimme Vermutung für den Spätsommer

Bisher nahmen Forscher an, die anstehenden warmen Monate könnten sich positiv auf die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Erregers auswirken - ähnlich wie bei Grippe-Viren. Neueste Studien zeigen aber, dass das Coronavirus nicht so empfindlich auf warme Temperaturen reagiert wie gedacht. 

"Meine Einschätzung bezüglich der weiteren Entwicklung in Deutschland hat sich in der vergangenen Woche durch eine Studie geändert: Eine Modellstudie aus den USA prognostiziert, dass Temperatureffekte auf das Virus relativ klein sind", sagte der Virologe Christian Drosten. "Der Studie nach zu urteilen glaube ich jetzt, dass wir eine durchlaufende Infektionswelle zu erwarten haben und das Maximum der Fälle zwischen Juni und August eintritt."

Wie sich das Virus danach ausbreitet, wollen Forscher der Harvard T.C. Chan School of Public Health rausgefunden haben. Sie simultierten eine Übertragung von Sars-CoV-2 bis 2025. Für die Zukunft könnten zwei Szenarien eintreten: Entweder das Virus stirbt nach einer Pandemie aus oder es begleitet uns ab sofort Jahr für Jahr ähnlich wie Influenza-Viren. Experten haltern letzteres Szenario für wahrscheinlicher. Was bedeutet: Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben. 

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