Übertragung durch Tröpfchen 

Coronavirus in NRW: Mundschutz im Freien - so hoch ist die Ansteckungsgefahr an der Luft

In anderen Ländern ist das Tragen eines Mundschutzes auch bei einem Spaziergang im Park Pflicht - in Deutschland nicht. Wie sinnvoll ist das?

  • In Nordrhein-Westfalen ist das Tragen eines Mundschutzes in geschlossenen, öffentlichen Gebäuden seit Ende April verpflichtend. 
  • Andere europäische Länder empfehlen das Tragen eines Mundschutzes auch im Freien. 
  • Das Coronavirus wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen.

Dortmund - Diese Entscheidung sorgte für Aufsehen: In Dortmund schaffte der Zoo am Samstag (23. Mai) die Maskenpflicht ab. Grund dafür: Zu viele Besucher hielten sich nicht an die Regel - schließlich soll die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus an der freien Luft sehr gering sein. Kann man sich im Freien also wirklich nicht infizieren?

Mundschutz

Medizinprodukt

Mund-Nasen-Schutz

Norm

DIN EN 14683:2019-6

Funktion

Schutz der Schleimhäute

Maskenpflicht

Im Rahmen der Covid-19-Pandemie

Coronavirus in NRW: Andere europäische Länder empfehlen auch im Freien Tragen eines Mundschutzes

Nicht nur der Dortmunder Zoo, auch die nordrhein-westfälische Landesregierung hat sich von Anfang an darauf verlassen, dass an der frischen Luft kaum Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus besteht - so lange der bekannte Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern eingehalten wird (alle Entwicklungen zum Coronavirus in NRW in unserem Live-Ticker).

So war inNRW beispielsweise in jeder Phase des Lockdowns Sport an der frischen Luft oder Spazierengehen ohne Mundschutz erlaubt. Andere Länder in Europa, die stärker von der Coronavirus-Pandemie getroffen wurden, handhaben die Situation anders: In Italien empfiehlt die Regierung beispielsweise auch bei einem Spaziergang im Park das Tragen eines Mundschutzes. Doch wie viel Sinn macht es, im Freien einen Mundschutz zu tragen?

Coronavirus in NRW: Übertragung vor allem durch Tröpfcheninfektion 

Fakt ist: Das Coronavirus wird vor allem bei direktem Kontakt durch eine Tröpfcheninfektion übertragen - zum Beispiel im Gespräch oder wenn eine infizierte Person hustet oder niest. So beschreibt es die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Internetseite.

Genau deshalb sollte auch der bekannte Mindestabstand von eineinhalb Metern zu anderen Personen eingehalten werden. Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, sollte eine Maske getragen werden - egal ob im Freien oder nicht. 

Coronavirus-Übertragung im Freien: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr ohne Mundschutz? 

Doch was ist, wenn man beispielsweise einen Spaziergang im Park unternimmt und sich ein paar Meter weiter eine infizierte Person aufhält. Kann das Virus an der frischen Luft übertragen werden und lohnt sich deshalb immer eine Maske

In einem Park im spanischen Barcelona trägt eine Frau einen Mundschutz. 

Bild.de zitiert dazu den Virologen Professor Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg. Laut ihm, haben Umwelteinflüsse tatsächlich "einen negativen Effekt auf die Viren. So verringert sich die Viruslast durch frische Luft, weil die Tröpfchenwolken, die sich zum Beispiel beim Sprechen, Niesen oder auch einfach bei Atmen bilden, verdünnt werden."

Heißt: Die Ansteckungsgefahr ist an der Luft deutlich geringer als im geschlossenen Raum, wo die "Virenwolken" in der Luft "stehen" und nicht verdünnt werden. 

Coronavirus-Übertragung: Wie sinnvoll ist ein Mundschutz im Freien?

Auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung heißt es jedoch auch: "Es gibt Hinweise, dass SARS-CoV-2 über Aerosole (in der Luft schwebende Tröpfchenkerne kleiner als 5 Mikrometer) auch im normalen gesellschaftlichen Umgang übertragen werden kann. Eine abschließende Bewertung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch schwierig." Bedeutet: Wie stark genau sich die Anzahl der Viren durch Frischluft verringert, wurde noch nicht ausreichend untersucht. 

Wie soll man sich also derzeit im Freien verhalten? "Wenn die Abstandsregeln eingehalten werden, ist ein Mundschutz im Freien nicht nötig", stellt Professor Jonas Schmidt-Chanasit klar. Im Gegenteil: Wer permanent einen Mundschutz trage, verschwende Ressourcen und sei im schlimmsten Fall dort, wo es wirklich nötig ist, nicht mehr vorsichtig genug.

Virologe: Wer während Coronavirus-Pandemie zu häufig Mundschutz trägt, wird nachlässig 

Denn ein Mundschutz sei nur sinnvoll, wenn er auch wirklich richtig getragen und regelmäßig ausgewechselt wird. Wer ihn permanent trägt, werde laut Professor Schmidt-Chanasit eventuell nachlässiger.

Die Regel Nummer Eins sei außerdem immer noch: Abstand zu Mitmenschen. Schmidt-Chanasit darüber: "Zwar ist auch bei ausreichend Abstand das Risiko nicht null, aber die Maßnahme ist trotzdem der beste Schutz gegen das Virus."

Rubriklistenbild: © Paul White/dpa

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