Neue Erkenntnisse  

Asthma und Coronavirus: Sind Betroffene automatisch Risikopatienten?

Menschen mit Vorerkrankungen gelten als besondere Risikopatienten bei einer Infektion mit dem Coronavirus.
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Menschen mit Vorerkrankungen gelten als besondere Risikopatienten bei einer Infektion mit dem Coronavirus.

Covid-19 belastet die Lunge stark. Unklar war bislang, welchem Risiko Asthmatiker bei einer Erkrankung ausgesetzt sind. Das weiß man nun darüber.

  • Menschen mit Vorerkrankungen gelten als besondere Risikopatienten bei einer Infektion mit dem Coronavirus*.
  • Auch Asthmatiker galten lange als besonders gefährdet. 
  • Neue Forschungen könnten Asthmatikern nun jedoch die Angst nehmen. 

Dortmund/NRW - Viele Asthmatiker sorgen sich derzeit vermehrt darum, an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19* zu erkranken. Schließlich gelten Menschen mit Vorerkrankungen als besonders gefährdet, wie RUHR24.de* bereits berichtete. Neue Forschungserkenntnisse geben nun Einblick, ob Asthmatiker also automatisch Coronavirus-Risikopatienten* sind.

Coronavirus: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben Asthmatikern Entwarnung

Bei ungefähr 80 Prozent der mit dem Coronavirus Infizierten nimmt die Krankheit Covid-19 einen unproblematischen Verlauf (alle neuen Entwicklungen zum Coronavirus in Nordrhein-Westfalen in unserem NRW-Coronavirus-Live-Ticker*). Menschen mit Vorerkrankungen - wie Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen - gelten jedoch als besondere Risikogruppe eines schweren Krankheitsverlaufs mit möglichem Todesfall. Lange wurden auch Asthmatiker zu dieser Risikogruppe gezählt.

Nun jedoch geben erste Wissenschaftler Entwarnung: Asthmatiker zählen nur zur Risikogruppe, wenn ihre Medikamente nicht richtig eingestellt sind. Richtig eingestellte Asthmatiker sollen demnach das gleiche Risiko haben, an der Krankheit Covid-19 zu erkranken, wie gesunde Menschen.

Unter anderem der Virologe Christian Drosten (48) hat diese Erkenntnis in seinem Podcast "Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten" bereits bestätigt. Er wies jedoch auch darauf hin, dass für mittelschwere bis schwere Asthmatiker dennoch besondere Vorsicht geboten ist. 

Hypothese: Haben Asthma-Therapien schützenden Effekt auf Coronavirus?

Die Gründe dafür, warum richtig eingestellte Asthmatiker keine Risikopatienten für eine Erkrankung mit Covid-19 sind, sind jedoch noch unklar: Einige Forscher gehen davon aus, dass eine chronische Lungenerkrankung wie Asthma durch eine veränderte Immunreaktion die Lunge vor schweren Verläufen schützen könne. 

Für diese Hypothese gibt es aber bislang keine Belege. Denkbar sei auch, dass Therapien gegen Asthma einen schützenden Effekt auf die Lunge haben könnten.

Coronavirus und Asthma: Fördern kortisonhaltige Medikamente eine Ansteckung? 

Als Irrtum wurde nun auch die Annahme erklärt, kortisonhaltige Medikamente, die in der Asthma-Therapie eingesetzt werden, würden eine Ansteckung mit dem Coronavirus fördern. 

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) schreibt dazu auf seiner Website: "Nach einer aktuellen Stellungnahme der Berufsverbände der Pneumologen, Pädiater und pneumologischen Pädiater gilt die inhalative Steroidtherapie nicht als Immunsuppression". Das bedeutet: Kortisonsprays schwächen die Immunabwehr nicht.

Asthma und Coronavirus: Therapie mit kortisonhaltigen Medikamenten soll nicht einfach abgebrochen werden

Asthmatiker werden deshalb auch vom Deutschen Allergie- und Asthmabund dazu angehalten, ihre Therapien mit kortisonhaltigen Medikamenten nicht einfach abzubrechen. Die Gefahr, dass sich das Asthma dadurch bedrohlich verschlechtert, sei wesentlich größer als ein unbelegtes Risiko einer Förderung der Ansteckung mit dem Coronavirus.

Video: Asthma in Coronavirus-Krise: Das musst du beachten

Thomas Voshaar, Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers rät laut Öko-Test sogar dazu, Kortisonsprays jetzt regelmäßiger anzuwenden. Das Ziel sei, dass Patienten vollkommen beschwerdefrei sind, also die Atemwege offen sind und kein Husten und keine Atemnot bestehen.

Asthmatiker sollen laut Thomas Voshaar in der Coronavirus-Pandemie regelmäßiger Kortisonsprays anwenden. 

Darüber hinaus gelten für Asthma-Patienten dieselben Vorsorge-Empfehlungen gegen Covid-19, die für alle gelten: regelmäßiges Händewaschen, Abstand halten und Mundschutz tragen.

Coronavirus: Sind Heuschnupfen-Allergiker besonders gefährdet an Covid-19 zu erkranken?

Im Frühling leiden viele Menschen auch unter Heuschnupfen - einer allergischen Form des Asthmas. Welchem Risiko sind Allergiker ausgesetzt, an einer schweren Form von Covid-19 zu erkranken?  

Hierbei muss klar zwischen Asthma und Allergien unterschieden werden. Bei Allergikern erkennt das Immunsystem die eigentlich ungefährlichen Pollen als Fremdkörper und löst eine Abwehrreaktion aus. Die Folge: Niesreiz, Juckreiz und geschwollene Schleimhäute. Allergiker haben jedoch kein schwächeres Immunsystem als andere und zählen demnach nicht per se zu einer Risikogruppe

Sobald die Heuschnupfen-Beschwerden jedoch vom Nasen-Rachenraum auf die Lunge wandern, sollten Betroffene untersuchen lassen, ob sie vielleicht bereits an chronischem Asthma leiden. Dementsprechend ist dann wieder besondere Vorsicht geboten und eine richtig eingestellte Medikation wichtig, um in Zeiten der Coronavirus-Pandemie gesund zu bleiben. lis

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