Belastung für das Internet

Coronavirus: Netflix streamt wegen Pandemie in schlechterer Bildqualität

Wegen des Coronavirus sind immer mehr Menschen zu Hause - und daher oft im Internet. Die EU fordert Netflix auf, die Bildqualität zu senken.

  • Die Corona-Krise zwingt uns in die eigenen vier Wände.
  • Viele Menschen sind derzeit online im Homeoffice oder vertreiben sich ihre neugewonnene Zeit bei Netflix.
  • Jetzt fordert die EU, die Netflix-Übertragung wegen des Coronavirus zu drosseln.

Dortmund - Die Geschäfte haben geschlossen, Veranstaltungen sind abgesagt und überhaupt sollte man während der Coronavirus-Krise auf soziale Kontakte weitestgehend verzichten. Irgendwann gehen einem die Ideen für Beschäftigungen in den eigenen vier Wänden aus. Was bleibt? Netflix!

Netflix in Zeiten des Coronavirus: Bald nur noch in schlechter Qualität?

Endlich haben Serien-Fans genügend Zeit die "Muss-ich-unbedingt-sehen-Liste" abzuarbeiten, um sich auf den neusten Stand zu bringen und (irgendwann) im Büro wieder mitreden zu können. Allerdings müssen Netflix-Kunden bald auf gestochen scharfe Bilder verzichten, wie RUHR24.de* berichtet.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat sich die EU-Kommission an den Streaming-Giganten Netflix gewandt. Die Bitte: Bei starker Auslastung die Bildqualität von HD auf SD herunterzuschrauben. Wem das zu wenig ist, kann sich Netflix jetzt aber auch kostenlos auf YouTube* anschauen.

Wegen Coronavirus: Netflix-Bildqualität bei starker Auslastung automatisch drosseln

Immer mehr Menschen bleiben aufgrund des Coronavirus zu Hause, wer sich nicht im Homeoffice befindet*, hält vielleicht Kontakt zu seinen Liebsten über soziale Netzwerke, während die Lieblingssendung gestreamt (aktuell warnt die Verbraucherzentrale vor dubiosen Streaming-Diensten) wird. Die Sorge, die vermehrte Nutzung würde das Internet in die Knie zwingen, ist groß. 

EU-Kommissar Thierry Breton sprach mit Netflix-Chef Reed Hastings über die Möglichkeit, die Bildqualität bei starker Auslastung automatisch zu drosseln. So müssten für das Streaming weniger Daten übertragen werden. 

Tatsächlich würde diese Einschränkung aber nicht alle Kunden treffen, die sich derzeit die Langeweile während der Corona-Krise mit Serien und Filmen* vertreiben wollen. Denn nicht alle zahlen für das schärfere aber auch teurere HD-Abo

Trotz Coronavirus bisher keine Internet-Probleme

Hastings stimmte dem EU-Kommissar zunächst zu, dass es wichtig sei in dieser Krisen-Zeit auf ein reibungslos funktionierendes Internet setzen zu können -  nicht zuletzt, weil so viele Menschen im Home-Office arbeiten. Am Donnerstagabend (19. März) verkündete der Netflix-Chef dann die Drosselung des Streamingdienstes. 

Aufgrund der außergewöhnlichen Herausforderungen durch das Coronavirus wird Netflix die Bitraten seiner Videos reduzieren. Dadurch sollen etwa 25 Prozent des Datenverkehrs in Europa eingespart werden. Hastings verspricht den Kunden dennoch gute Video-Qualität.

Netflix-Chef Reed Hasting hat schnell auf die Bitte der EU reagiert.

Coronavirus: Auch YouTube reagiert mit schlechterer Auflösung

Und auch YouTube reagiert auf die weltweite Corona-Krise. Ab sofort will der Video-Streamingdienst die weniger datenintensive Standardauflösung (SD) zur Standardeinstellung machen. 

Bisher sei es laut Süddeutscher Zeitung zu keinen Problemen mit der Internetverbindung gekommen. Telekom und Vodafone hätten bekannt gegeben, dass das Datenvolumen deutlich gestiegen sei, es aber zu keinen Verbindungs-Problemen kam. 

Schweiz droht Netflix den Stecker zu ziehen

Die Schweizer Regierung hat die Bevölkerung sogar dazu aufgerufen, während der Corona-Krise weniger Videos zu streamen. Besonders datenintensive Dienste sollten zurückhaltend genutzt werden. So würden genügend Ressourcen für die wichtigen Dienste übrig bleiben.

Sollte die Bevölkerung sich nicht zügeln können und es zu gravierenden Engpässen in der Internetverbindung kommt, bestehe die Möglichkeit, nicht versorgungsrelevante Dienste einzuschränken oder sogar zu blockieren. Das bedeutet, sollte das Netz hoffnungslos überlastet sein, können Dienste wie Netflix vorübergehend abgeschaltet werden.

Neuer Trend in Coronavirus-Zeiten: die Netflix Party

Während die EU zur Mäßigung aufruft, nutzen immer mehr Serien-Freunde, die in ihren Wohnungen vereinsamen, das Tool "Netflix Party". Das ist zwar nicht neu, bietet aber die Möglichkeit zusammen getrennt Netflix zu gucken. 

Dazu muss lediglich ein Google Chrome-Tool installiert werden und schon kann der gemeinsame Serienspaß beginnen. Das Add on gibt es bei chrome.google.com, das muss installiert sein und jeder Teilnehmer muss Besitzer eines Netflix-Accounts sein. Übrigens ist es jetzt möglich, ein lebenslanges Abo bei Netflix zu gewinnen. Dazu müssen User bei einem Spiel mitmachen. 

Eine Möglichkeit wieder zusammen zu sein - trotz Trennung

Sind alle mit Popcorn und Chips versorgt, ruft ein Teilnehmer Netflix auf und startet die "Netflix-Party". Dann läuft der Film oder die Serie auf allen Rechnern zeitgleich und die Teilnehmer können sich in einem eigenen Chat über das Gesehene austauschen.

Ob das den Vorstellungen der EU entspricht, einen maßvollen Datenverbrauch an den Tag zu legen, ist nicht klar. Aber es ist eine Möglichkeit, Zeit gemeinsam zu verbringen ohne in einem Raum sitzen zu müssen. mai

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Rubriklistenbild: © Alexander Heinl/dpa, Center for Disease Control; Collage: RUHR24