150 Mediziner warnen vor Folgen

Erschreckende Studie veröffentlicht: Corona-Krise macht Kinder krank

Eine neue Studie hat die Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf Kinder und Jugendliche untersucht. 150 Kinderärzte warnen vor möglichen Spätfolgen.

  • Kita-und Schulschließungen, kein Sportverein und Isolation: Die Corona-Krise hatte auch Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche.
  • Das ging an den Heranwachsenden allerdings nicht spurlos vorbei.
  • In einer Studie warnen 150 Kinderärzte nun vor den Spätfolgen der Pandemie bei ihren jungen Patienten.

Nordrhein-Westfalen – Die Corona-Krise ist nach über einem halben Jahr immer noch in vollem Gange - das bekommen auch die Kleinen mit. Schul- und Kitaschließungen gingen auch an den Kindern und Jugendlichen nicht vorbei. Jetzt schlagen Kinderärzte Alarm.

Corona-Krise: Kinder und Jugendliche mussten auf vieles verzichten

Monatelang auf persönliche soziale Kontakte zu verzichten, ist vermutlich für niemanden einfach. Vor allem nicht für Kinder und Jugendliche, die ihre Freunde normalerweise jeden Tag in Schule und Kita sehen (mehr Service-Artikel auf RUHR24.de).

Eine Umfrage unter Kinderärzten bestätigt dieses Bild. In der Corona-Krise beobachten sie eine Zunahme körperlicher und seelischer Beschwerden unter den Kleinen.

Corona-Krise macht Kinder und Jugendliche öfter krank: Studie unter Kinderärzten mit Details

150 Kinderärzte wurden in einer Studie befragt, wie sie den Verlauf der Pandemie bei ihren Patienten wahrgenommen haben – und die Zahlen erschrecken. 89 Prozent der Ärzte beobachten vermehrt psychische Probleme. 37 Prozent sprechen über eine Zunahme von körperlichen Beschwerden.

Besonders betroffen seien Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren. Dabei beobachten die Ärzte meist eine Zunahme von Verhaltensänderungen, Antriebslosigkeit, Rückzug aber auch Reizbarkeit und Angststörungen in 50 Prozent der Fälle. 46 Prozent berichten von aggressivem Verhalten, 45 Prozent von Schlafstörungen.

Corona-Krise: Kinder und Jugendliche haben körperliche und seelische Probleme

Aber auch körperliche Probleme wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten sind in der Studie pronova BKK genannt worden. Die Ärzte sehen die Ursachen bei den Kindern und Jugendlichen besonders in den Einschränkungen des täglichen Lebens.

Aus Sicht der Mediziner sei vor allem die mangelnden Freizeitmöglichkeiten und die zu viele Zeit an Bildschirmen wie Handy, Laptop und Co. Schuld an den körperlichen und seelischen Problemen in der Corona-Krise. Aber auch Konflikte in den Familien haben sich negativ auf die Verfassung der Jüngeren ausgewirkt.

Corona-Pandemie: Eltern projizieren Angst auf ihre Kinder

66 Prozent der Ärzte sprechen sogar von einer absoluten Isolation ihrer Patienten. Auch die Enge zu Hause, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und die Übertragung von Corona-Ängsten der Eltern auf das Kind, seien besonders ausschlaggebend gewesen, geben 50 Prozent der Kinderärzte an.

"Erst die Wiederaufnahme der Routinetermine sowie die Rückkehr in Schulen und Kitas dürfte den ganzen Umfang entstandener Probleme bei Kindern und Jugendlichen ans Licht bringen", so Dr. Gerd Herold, Beratungsarzt bei der pronova BKK.

Corona-Krise: Eltern müssen verstörte Kinder bei der Bewältigung helfen

"Nicht nur die Erwachsenen, auch die Kinder haben die ersten Monate der Corona-Krise als eine Ausnahmesituation erlebt und vielfach als verstörend oder gar bedrohlich empfunden. Es ist nun die Aufgabe der Erwachsenen, die Kinder bei der Bewältigung dieser Erlebnisse zu begleiten und zu unterstützen", sagt Herold.

Lange Zeit mussten Kinder auf diesen Moment warten: Endlich dürfen sie in den Kitas wieder mit Gleichaltrigen Spielen und Spaß haben.

Die Auswirkungen der Krise auf die Kinder und Jugendlichen könnten jedoch auch langfristige Folgen haben. Vier von zehn Kinderärzten beobachten Anzeichen für Entwicklungsverzögerungen bei den Kindern. Aber auch motorische Fähigkeiten sind bei Kindern zwischen sechs und neun Jahren gestört, sowie die kognitiven Fähigkeiten bei den Jüngsten zwischen drei und dreizehn Jahren.

Coronavirus-Pandemie: Entwicklungsverzögerungen bei Kindern

Schuld daran soll der zu hohe Medienkonsum, die Überforderung der Eltern und der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen sein. 54 Prozent der Kinderärzte rechnen damit, dass mehr Kinder Hilfe von Ergo- und Physiotherapeuten benötigen; 43 Prozent erwarten, dass Kinder und Jugendliche häufiger an Psychotherapeuten überwiesen werden müssen.

"In den kommenden Monaten wird sich erst das gesamte Ausmaß der Corona-Folgen für die Kindergesundheit abschätzen lassen", schätzt  Dr. Gerd Herold ein.

Rubriklistenbild: © Helen Ahmad/dpa