BfR hat irre Vermutung

Corona sorgt für starken Anstieg von Infektionen mit Bakterien – kurioser Zusammenhang

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat während der Corona-Pandemie deutlich mehr Salmonellen-Infektionen registriert. Der Grund könnte das veränderte Essverhalten sein.

Dortmund – Salmonellen sind Bakterien, die schwerwiegenden Magen-Darm-Erkrankungen auslösen können. Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jetzt herausgefunden hat, ist die Zahl der Salmonellen-Infektionen seit letztem Jahr gestiegen. Die Behörde sieht einen erstaunlichen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

BehördeBundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Staatliche EbeneBundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
HauptsitzBerlin
AufgabenRegierung in Fragen der Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz wissenschaftlich zu beraten

Salmonellen: So infiziert man sich mit den gesundheitsgefährdenden Bakterien

In den meisten Fällen gelangen Salmonellen über Lebensmittel in den Verdauungstrakt der Menschen. Dort vermehren sie sich und lösen Symptome wie Durchfall, Erbrechen und Fieber aus. Insbesondere bei rohen Tierprodukten lauert für Menschen die Gefahr, an einer Salmonellen-Infektion zu erkranken.

Produkte mit rohen oder nur halb durchgegarten Eiern, rohes Fleisch oder Speiseeis stehen dabei auf der Liste der Lebensmittel, die besonderes häufig mit den Bakterien verunreinigt sind, ganz oben. Stiftung Warentest hatte zuletzt Hähnchenschenkel untersucht und einigen Produkten Salmonellen nachgewiesen.

Salmonellen-Infektionen nehmen zu: insbesondere Geflügelfleisch im Fokus

Das BfR hat festgestellt, dass es in den vergangenen Monaten in Europa zu einem Anstieg der gemeldeten Salmonellen-Infektionen gekommen ist. Das Institut registrierte allein in diesem Jahr bereits 300 Salmonellen-Ausbrüche in verschiedenen Ländern. Auch 2020 wurde mit rund 10.000 bereits eine hohe Anzahl an Salmonellen-Fällen in Deutschland gemeldet.

In der Regeln gehen die Infektionen auf den Verzehr von verunreinigten Lebensmitteln zurück, heißt es in der Meldung des BfR. In Großbritannien waren viele auf tiefgefrorenes paniertes Geflügelfleisch zurückzuführen. Und auch in Deutschland kommt es immer wieder zu einem Anstieg nachgewiesener Fälle – unter anderem bei Betrieben mit Massentierhaltung. Aber was hat das nun mit Corona zu tun?

Mehr Salmonellen-Infektionen: Der Grund könnte die Corona-Pandemie sein

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht mit dem veränderten Essverhalten während der Pandemie und dem Anstieg der Salmonellen-Infektionen einen Zusammenhang. Restaurants haben zu, die Menschen kochen häufiger zu Hause und dadurch landen mehr Fertigprodukte oder Tiefkühlgerichte auf dem Tisch.

Für viele Verbraucher sei dabei nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, ob solche Produkte vorgegartes oder rohes Fleisch enthielten, erklärt Andreas Hensel, Präsident des BfR. Ist das nicht eindeutig, kann es leicht zu Fehlern bei der Zubereitung kommen und Salmonellen können sich ungehindert vermehren (mehr Rückrufe und Warnungen bei RUHR24).

Insbesondere bei Fertigprodukten, wie dem Toaster-Schnitzel, lauert die Gefahr, dass sie nicht ausreichend erhitzt werden (Symbolfoto).

Salmonellen auf rohem Fleisch oder Eiern: Guter Nährboden für die Bakterien

Das BfR rät daher, Produkte mit Fleisch ausreichend zu erhitzen. Das heißt, Fleisch sollte auch im Kern mindestens zwei Minuten eine Temperatur von 70 Grad erreichen. Insbesondere bei Hähnchenfleisch sei Vorsicht geboten und darauf zu achten, dass das Fleisch vor dem Verzehr gut durchgegart ist – es sollte durchgehend eine weiße Farbe haben.

Aber auch bei anderen Lebensmitteln kann eine Salmonellen-Gefahr nicht ausgeschlossen werden. Wer munter in der Küche schnippelt und bei der Zubereitung des Salats das gleiche Schneidebrett wie für das Fleisch verwendet, riskiert eine Kontamination der Bakterien mit anderen Lebensmitteln. Denn Salmonellen können per Schmierinfektionen von rohem Fleisch oder der Panade auf andere Speisen oder Küchengeräte übertragen werden. Tipps für die richtige Küchenhygiene sind bei 24vita* zu finden.

Bei Essen mit rohen Eiern, wie beispielsweise Salat-Dressing oder Speiseeis, sollte darauf geachtet werden, dass diese immer gut und vor allem durchgängig gekühlt sind. Denn Salmonellen vermehren sich laut BfR besonders gut bei Temperaturen oberhalb von 7 Grad auf Lebensmitteln (mehr Lifehacks bei RUHR24).

Salmonellen-Gefahr nimmt zu: BfR gibt Tipps, um Infektionen

Um eine Infektion mit Salmonellen zu vermeiden, gibt das BfR den Verbrauchern einige grundlegende Tipps, die zu beachten sind:

  • Rohes Fleisch und andere Lebensmittel getrennt lagen, insbesondere wenn Letztere nicht erhitzt werden.
  • Frisches Fleisch bei maximal 4 Grad aufbewahren und rechtzeitig verarbeiten.
  • Tiefgefrorenes Geflügelfleisch ohne Verpackung im Kühlschrank auftauen und darauf achten, dass das Tauwasser nicht mit anderem Essen in Berührung kommt.
  • Geflügelfleisch nicht abwaschen, da durch das Spritzwasser Keime verteilt werden können. Das Fleisch sollte lieber mit einem Papiertuch abgetupft werden.
  • Küchengeräte und Oberflächen, die mit dem Fleisch in Berührung gekommen sind, sollten nach der Verwendung mit warmem Wasser und Spülmittel gereinigt werden.
  • Hände zwischen den einzelnen Zubereitungsschritten mit warmem Wasser und Seife gründlich waschen

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