Hoffen auf Ende der Pandemie

Corona-Impfstoff: Wie sicher ist die schnelle Entwicklung?

Viele Menschen hoffen auf einen Corona-Impfstoff, der das Ende der Pandemie bedeuten könnte. Andere sind besorgt, ob eine Impfungen Risiken birgt.

Dortmund – Die Nachrichten überhäufen sich in den letzten Tagen. Zuerst meldete Biontech einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes, dann Moderna. Außerdem soll derzeit laut der Weltgesundheitsorganisation noch an rund 50 weiteren Impfungen gegen den Erreger geforscht werden.

Corona-Impfstoff: Wie sicher ist die schnelle Entwicklung?

Selten wurde mit einem solchen Druck an der Entwicklung eines Impfstoffes gearbeitet. Es ist auch kein Wunder, denn viele Menschen hoffen, dass mit einer Corona-Impfung das Ende der Pandemie und damit auch der Einschränkungen einhergeht.

Und seit Biontech vor wenigen Tagen die Erfolgsmeldung mitteilte, ihr Impfstoff biete einen 95-prozentigen Schutz, geht plötzlich alles ganz schnell. So stellte das Unternehmen gemeinsam mit Pfizer am Freitag (20. November) eine Notfallgenehmigung. Eine Art Eilantrag zur Zulassung eines Impfstoffes, der aktuell nun geprüft wird.

Auch Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich bereits zuversichtlich und sprach von einer möglichen Zulassung einer Corona-Impfung noch im Dezember (alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Live-Ticker bei RUHR24.de). Die Jagd nach dem Corona-Impfstoff scheint sich einem Ende zu nähern. So hoffnungsvoll die Aussichten auch sind, bleiben für viele Menschen noch einige Fragen und Unsicherheiten offen.

Corona-Impfstoff: Ist eine Impfung im Eilverfahren sicher?

So werden Stimmen im Internet laut, die sich fragen, wie sicher ein solcher Impfstoff überhaupt ist, an dem mit Hochdruck gearbeitet und in beschleunigten Testverfahren geprüft wurde sowie zuletzt in einem Eilverfahren zugelassen werden soll. Die Bundesregierung hat darauf eine Antwort:

So werde in Deutschland ein Impfstoff nur dann zugelassen, wenn er alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden hat. Die Standards gelten bei allen Impfstoff-Entwicklungen – auch bei der Corona-Impfung. „Auch wenn die Impfstoffentwicklung dieses Mal deutlich schneller gelingen kann als bisher, geht damit kein Herabsenken der Standards für die Zulassung einher“, heißt es in einem FAQ der Bundesregierung.

Und weiter: Dass man bei der Corona-Impfung so schnell zu einem Ergebnis gekommen sei, liege nicht an geringen Standards, sondern daran, dass viel Geld investiert wurde. So konnten entsprechende Studien ohne Zeitverzögerung und im großen Stil durchgeführt werden.

Corona-Impfstoff: Mit welcher Sicherheit kann man Nebenwirkungen ausschließen?

Auch die Frage nach den Nebenwirkungen stellen sich viele Menschen. Biontech hat dazu, nach Abschluss der dritten Testphase des Corona-Impfstoffs, erste Ergebnisse geliefert. So konnte das Mainzer Biotechnologieunternehmen feststellen, dass bei rund 2 Prozent der Probanden Nebenwirkungen dritten Grades aufgetreten sind.

Dazu zählen Erschöpfung und Kopfschmerzen. Bei allen seien diese Erscheinungen aber nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Wie die Bundesregierung zudem mitteilt, soll aber auch nach der Marktzulassung der Corona-Impfung die Anwendung engmaschig und streng überwacht werden, um seltene Nebenwirkungen zu erfassen.

Unter seltenen Nebenwirkungen versteht das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das Impfstoffe bewertet und prüft, wenn ein Fall unter 10.000 Geimpften auftritt. Komplett ausschließen könne man Nebenwirkungen bei Impfungen allerdings nie. Diese können auch bei etablierten Mitteln auftreten, daher sei eine kontinuierliche Beobachtung und Beforschung wichtig.

Corona-Impfstoff: Können Langzeitfolgen auftreten?

Über mögliche Langzeitschäden kann man allerdings noch keine Aussage machen. Doch Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, hält eine Sorge für unbegründet. Man beschäftige sich seit Jahren mit dieser Art Impfstoffe. Es gebe keine Hinweise, dass diese Autoimmunkrankheiten auslösen könnten, so der Biochemiker im ZDF-Morgenmagazin.

Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, geht nicht von Langzeitschäden durch die Corona-Impfung aus.

Auch gebe es eine klare Datenlage, dass RNA-Impfstoffe das Erbgut von Menschen in keiner Form verändern können. Man habe bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffes außerdem von der Forschung zu anderen Mers-Impfstoffen profitiert. Mers ist eine Krankheit, die durch Coronaviren ausgelöst wird. Cichutek hat daher keine Bedenken hinsichtlich möglicher Langzeitfolgen.

Corona-Impfung: Wird es eine Impfpflicht geben?

Insbesondere im Zuge der zahlreichen Corona-Demos wurde die Frage schon häufig auf den Tisch gebracht, ob es eine Pflicht geben wird, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, sollte ein Impfstoff gefunden werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat zum aktuellen Zeitpunkt jedoch mehrfach versichert, dass die Corona-Impfung freiwillig bleiben werde. Es soll also keine Impfpflicht kommen.

Corona-Imfpung: Wer wird geimpft und wer nicht

Abschließend stellt sich die Frage, wer eine Impfung bekommen soll und wer nicht. So schlugen zahlreiche Politiker vor, vor allem zuerst ältere Menschen sowie Personen aus Risikogruppen und in bestimmten Berufen zu impfen. Dazu zählen unter anderem Ärzte oder Mitarbeiter in der Pflege. Nach und nach sollen alle Erwachsenen geimpft werden. Ein finaler Impfplan steht allerdings noch nicht fest.

Für Kinder wird es laut dem Robert-Koch-Institut allerdings zunächst keinen Impfstoff geben, „da er bei Kindern und Jugendlichen noch nicht genügend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht werden konnte.“ Das liegt unter anderem daran, dass Kinder nicht für frühe Testphasen vorgesehen sind. Man stellt zuerst sicher, dass bei Erwachsenen keine Nebenwirkungen auftreten, bevor ein Impfstoff auch für Kinder getestet wird.

Ob Personen, die an einer anderen Erkrankung leiden, oder ob Schwangere beispielsweise gegen das Coronavirus geimpft werden dürfen, lassen sich zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Aussagen finden. Generell gehe man jedoch davon aus, dass die gleichen Regeln wie auch bei anderen Impfungen gelten.

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