Diagnose via Smartphone

Corona-Infektion am Husten erkennen: US-Forscher tüfteln an kurioser App

MIT Cambridge Schnelltest Corona
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Forscher am MIT arbeiten an einem ungewöhnlichen Corona-Schnelltest.

Eine Infektion mit dem Coronavirus am Husten erkennen? US-Forscher entwickeln derzeit eine App, die das können soll. So funktioniert sie.

Boston - Um eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus festzustellen, ist gegenwärtig noch immer der PCR-Test State of the Art. Ganz unproblematisch ist das Verfahren allerdings nicht. Zwischen Abstrich und Ergebnis können mitunter mehrere Tage liegen. Noch dazu sind die Kapazitäten in den Laboren nicht unbegrenzt.

UniversitätMassachusetts Institute of Technology (MIT)
MottoMens et Manus (Geist und Hand)
Gründung1861, eröffnet 1865
OrtCambridge, Massachusetts

Coronavirus am Husten erkennen: MIT-Forscher arbeiten an einer Künstlichen Intelligenz

Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Bostoner Vorort Cambridge, eine der weltweit führenden Spitzenuniversitäten, arbeiten deshalb an einer Künstlichen Intelligenz (KI), die Corona-Infizierte am Klang ihres Hustens erkennen soll. Ergebnisse der aktuellen Studie sind vielversprechend.

Freiwillige Probanden übermittelten den Forschern zehntausende Audioaufnahmen hustender Menschen. Die Software identifizierte 98,5 Prozent der bereits positiv auf das Coronavirus getesteten Personen zuverlässig. Gesunde Probanden erkannte die Intelligenz sogar zu 100 Prozent richtig.

Laut den Forschern klinge das Husten einer infizierten Person anders als das einer Person, deren Lunge schon unter dem Einfluss einer Infektion mit dem Coronavirus gelitten hat. Das sei selbst dann der Fall, wenn die Person das Husten für den Test erzwingt (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Corona-Infektion am Husten erkennen: App würde PCR-Test nicht ersetzen

Wozu bedarf es dann einer künstlichen Intelligenz oder gar einer App? Für das menschliche Ohr seien die Unterschiede kaum wahrnehmbar. Die entwickelte Software, die auf dem Ansatz des maschinellen Lernens basiert, könne die leichten Veränderungen im Hustengeräusch jedoch eindeutig erkennen.

Sollte die am MIT entwickelte Software in Form einer App tatsächlich behördlich zugelassen werden, könne sie den Forschern zufolge ein kostenloses und effektives Werkzeug zur Unterstützung bei der Feststellung einer Coronavirus-Infektion darstellen. Ein Ende der PCR-Tests würde sie aber keineswegs bedeuten.

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge

Vielmehr könnte die App bei der Entscheidung darüber helfen, ob ein PCR-Test wirklich notwendig ist. Die Forscher schlagen außerdem vor, das Diagnosewerkzeug beispielsweise vor dem Unterricht, am Eingang der Fabrik oder eines Restaurants einzusetzen - ähnlich der stellenweise durchgeführten Temperaturmessung.

Coronavirus am Husten erkennen: Kritik an Studie von MIT-Forschern

Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt derweil ein Forschungsteam der Universität Augsburg. Bei dem Projekt soll eine Corona-Infektion an der Stimme erkannt werden*. Nach Angaben der Universität Augsburg käme die Spracherkennungs-App derzeit auf eine Trefferquote von über 80 Prozent. Kein schlechter Wert, allerdings wolle man trotzdem noch weitere Daten sammeln.

Der Ansatz der MIT-Forscher, eine Infektion mit dem Coronavirus mittels KI am Husten zu erkennen, stößt allerdings auch auf Kritik. Neben dem noch geringen Datensatz wird so beispielsweise auch die Freiwilligkeit der Probanden und die Übermittlung der Daten über das Internet kritisiert. Ob die Testpersonen wirklich mit SARS-CoV-2 infiziert waren, könne nicht überprüft werden.

Schnelltests im Kampf gegen das Coronavirus: Hilfreich und dennoch nicht unproblematisch

Unklar ist zudem, mit vielen falsch-positiven Ergebnissen zu rechnen ist. Die Forscher selbst wollen mit der App keineswegs den Gang zum Arzt oder die zuverlässigeren PCR-Tests ersetzen. Viel mehr sehen sie in ihrer Software eine Art „Schnelltest“, der beispielsweise bei der Einlasskontrolle eingesetzt werden könnte.

Die intensive Suche nach zuverlässigen Schnelltests ist nachvollziehbar. Besonders für das Personal, Besucher sowie Patienten und Bewohner von Pflegeheimen und Krankenhäusern sollen Antigen-Schnelltests regelmäßig eingesetzt werden, wie das Bundesgesundheitsministerium schreibt. Allerdings ist Vorsicht geboten.

Video: Materialschlacht gegen Covid: Slowakei testet 3,6 Millionen Menschen in zwei Tagen

„Das heißt aber nicht, dass die nicht am nächsten Tag positiv sein können. Das ist eine Momentaufnahme, um zu sehen, wie steht es jetzt gerade um uns. Und um die Dunkelziffer zu erfassen“, gibt Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum mit Blick auf die fünf Millionen durchgeführten Schnelltests in der Slowakei Ende Oktober gegenüber dem MDR zu bedenken.

Sollte die derzeit am MIT entwickelte App zur Erkennung einer Corona-Infektion am Husten tatsächlich auf den Markt gebracht werden, wäre sie deshalb wohl - wie auch die Antigen-Schnelltests - mehr ein weiteres kleines Werkzeug, denn eine revolutionäre Strategie bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie.

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