Mehr Menschen wollen die Impfung

Grippeimpfung in Corona-Zeiten begehrt: RKI hat dringenden Appell

Wegen des grassierenden Coronavirus ist die Grippeimpfung in diesem Herbst besonders begehrt. Das RKI ist deshalb besorgt.

Dortmund – In diesem Jahr bahnt sich in Deutschland ein regelrechter Run auf die Grippeschutzimpfung an. Laut Umfragen wollen sich wegen des Coronavirus (SARS-CoV-2) mehr Deutsche als üblich gegen Grippe impfen lassen. Auch Kinderärzte empfehlen die Grippeimpfung im Herbst für Kinder.

Grippeimpfung wegen des Coronavirus begehrt: Jens Spahn unterstützt Aufruf der Kinderärzte

Der Andrang auf den Grippeimpfstoff wurde zuletzt auch durch die Aussagen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verstärkt. Gegenüber der Welt am Sonntag betonte er die Wichtigkeit der Grippeimpfung angesichts der Coronavirus-Pandemie (alle Entwicklungen im NRW-Ticker). "Gleichzeitig eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften."

Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut, ist deshalb besorgt. Am Freitag (4. September) warnte er in den Sendern RTL und ntv vor drohenden Engpässen beim Grippeimpfstoff bei einer großen Nachfrage wegen Corona. Zudem verwies er auf die unsichere Datenlage.

"Nicht genug Grippeimpfstoff": RKI ist angesichts der großen Nachfrage wegen Corona besorgt

Die Stiko empfiehlt die Grippeimpfung ungeachtet der Covid-19-Pandemie deshalb weiterhin nur für Risikopatienten. Dazu zählen Ältere über 60 Jahre, chronisch Kranke mit Grundleiden wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, medizinisches Personal und Pflegekräfte sowie Schwangere.

"Wenn wir jetzt eine Impfung für die gesamte Bevölkerung empfehlen würden, dann würden wir sozusagen Impfstoff absaugen, und die Gruppe, die eigentlich geimpft werden soll, hätte nicht genug Impfstoff", so Thomas Mertens.

Grippeimpfung während der Corona-Pandemie: Schon jetzt reichen die Dosen in der Theorie nicht aus

Den hätte sie rein rechnerisch schon jetzt nicht. Denn würden sich all diese Gruppen in diesem Jahr gegen die Grippe impfen lassen, wären 40 Millionen Impfdosen nötig. Laut dem Stiko-Chef stünden aber nur ungefähr 25 Millionen Dosen zur Verfügung. "Wenn ein großer Run auf die Impfung entstehen würde, dann könnte es auch bei der bestehenden Stiko-Empfehlung knapp werden."

Ausschlaggebend sei folglich, wie viele Menschen sich wegen der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr tatsächlich impfen lassen. Mehrere Millionen Dosen Grippeimpfstoff könne man nicht ohne weiteres nachbestellen, weil der Impfstoff für die kommende Saison schon produziert sei.

Die Stiko am RKI hält an der bisherigen Empfehlung für Grippeimpfungen fest.

Dass die Stiko an ihrer bisherigen Empfehlung trotz Corona festhält, liegt aber nicht nur an den drohenden Engpässen. Laut Thomas Mertens fehlen die Daten darüber, wie sich eine Grippeimpfung auf den möglichen Verlauf einer gleichzeitigen Infektion mit dem Coronavirus auswirkt (alle Service-Artikel auf RUHR24).

Stiko will während Corona keine Impfempfehlung auf Basis von Vermutungen machen

Bislang seien es nur Vermutungen, dass eine zeitgleiche Infektion mit Influenza und SARS-CoV-2 zu einem besonders schweren Verlauf führt. Allein auf Basis von Vermutungen "kann und will" die Stiko aber keine Impfempfehlungen machen.

Grund zur Beunruhigung scheint indes nicht zu bestehen. Das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut mit Sitz in Langen (Hessen) erwartet keine Engpässe beim Grippeimpfstoff – auch nicht während der Coronavirus-Pandemie. Angesichts des Impfverhaltens der Bevölkerung in den vergangenen Jahren und der für diese Saison erwarteten mindestens 25 Millionen Impfdosen sei damit zu rechnen, dass die Grippeimpfstoffe ausreichen. Mit AFP-Material

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld, Christoph Schmidt/dpa; Collage: RUHR24