Haare schneiden wieder erlaubt

Friseure haben wieder geöffnet - so läuft ein Termin unter Coronavirus-Maßnahmen ab

Friseure öffnen ab Montag trotz der Coronavirus-Pandemie wieder in Deutschland. Doch es gibt strenge Hygiene-Regeln. So laufen Termine künftig ab.

  • Nach sechs Wochen ungehemmten Haarwachstums öffnen endlich wieder die Friseure.
  • Am 4. Mai ist es so weit und der Gang zum Friseur ist trotz Coronavirus wieder möglich.
  • Aber wie können im Salon die Hygienemaßnahmen eingehalten werden?

Nordrhein-Westfalen - Nach sechs Wochen ohne Friseur dürfen die Haar-Künstler heute (4. Mai) endlich wieder öffnen, Kunden empfangen und verschönern. Aber unter Auflagen. Denn Hygienemaßnahmen sollen die Friseure auch zwischen Shampoo, Spülung und Haarkur einhalten müssen.

Friseure dürfen öffnen und müssen Coronavirus-Frisuren richten

Neben geschlossenen Geschäften, abgesagten Veranstaltungen und mangelnden Möglichkeiten der Freizeitgestaltung war es für viele wohl am schlimmsten, auf den Friseur-Besuch zu verzichten. Nicht wenige sind auf die glorreiche Idee gekommen, kurzerhand selbst die Schere an die heilige Matte anzulegen.

Das allerdings war vielleicht nicht immer der beste Einfall. Obwohl es einige Tipps zum Haare selber schneiden gibt - mit einem Besuch beim Haar-Profi im Friseur-Salon ist das Ergebnis wohl kaum zu vergleichen. Aber nicht nur missglückte "Corona-Frisuren" müssen die Friseure in den nächsten Monaten wieder richten, auch einfache Termine zum Waschen, schneiden, legen müssen abgearbeitet werden.

Friseure dürfen trotz Coronavirus wieder öffnen: Es ist ein Ansturm zu erwarten

Es ist ein regelrechter Ansturm auf die Friseur-Salons zu erwarten. Auf eine watson-Anfrage hat die Online-Plattform Treatwell, über die Menschen Termine bei Friseur- und Kosmetik-Salons machen können, einen enormen Anstieg der Terminbuchungen gemeldet.

Demnach sind in einer Woche 128.667 Friseurtermine in Deutschland gemacht worden. Damit hat die Plattform einen Anstieg bei den Anfragen um 1064 Prozent verzeichnet.

Trotz Öffnung der Friseur-Salon: Es ist mit Mindereinnahmen zu rechnen

Während sich die einen bereits auf den Termin freuen und im Vorhinein schon wilde neue Frisuren überlegen, müssen die Friseure sich ein Hygiene-Konzept ausdenken, das eingehalten werden kann. Aber wie sollen die Hygienemaßnahmen beim Friseur umgesetzt werden, wo gerade in den Salons ein Mindestabstand nicht eingehalten werden kann? 

Das News-Portal watson hat eine Anfrage an Klier Hair Group gestellt, dem laut eigener Aussage größten Friseurdienstleistungskonzern in Europa. Der Haarkonzern gibt zu bedenken, dass trotz Wiedereröffnung der Friseur-Salons das Geschäft zwar wieder laufe, aber durch die notwendigen Hygienemaßnahmen mit Mindereinnahmen zu rechnen sei. 

Friseur-Besuch in der Coronavirus-Zeit: weniger Kunden gleichzeitig

Das Konzept, das Klier ab Mai erprobt, ist auch für andere Friseur-Salons denkbar. Demnach plane der Haar-Gigant, jeden zweiten Platz in den Salons unbesetzt zu lassen, um die Abstandsregeln zumindest zwischen den Kunden gewährleisten zu können.

Das allerdings hat Folgen: Kunden müssen durch die geringe Salon-Kapazität länger auf einen Termin warten. Den langen Wartezeiten will Klier mit ausgedehnten Öffnungszeiten entgegensteuern.

Übrigens: Jetzt kommt in fast ganz Deutschland die Maskenpflicht. Hier kommen Menschen in Zeiten der Coronavirus-Krise noch an Masken. Denn es gibt Alternativen

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Wenn Anfang Mai die Friseurbetriebe wieder öffnen dürfen, bedarf es aus Sicht der Branche verstärkter Sicherheitsmaßnahmen. „Die Herausforderung wird natürlich sein, einen Mundschutz für Friseure und für Kunden bereitzustellen“, sagte Jörg Müller Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Viele Kunden brächten sicherlich einen mit, aber die meisten Betriebe würden eigene Masken anbieten. „Wir werden außerdem sehen, dass Haarschnitte und andere Dienstleistungen nur am gewaschenen Haar durchgeführt werden können.“ Offen sei noch, ob zwischen den einzelnen Plätzen jeweils ein Stuhl frei bleiben müsse. Zu dieser Frage liefen noch die Abstimmungen innerhalb der Branche und mit den Gesundheitsbehörden, sagte Müller. Den Betrieben empfiehlt er, die Mitarbeiter so einzuteilen, dass ein Schichtbetrieb möglich ist und die Öffnungszeiten gestreckt werden können. „Man fängt dann früh morgens an und macht abends etwas länger“, sagte Müller. Auf diese Weise könne der Andrang besser über den Tag verteilt werden. Für die Kunden wiederum bestehe die Herausforderung, Termine einzuhalten. „Auch das ist ein Steuerungsinstrument“, sagte Müller. Er empfehle allen Kunden, einen Termin zu machen. Für die Tage nach der Öffnung rechnet das Handwerk mit einem Kundenansturm. „Das Streben nach Schönheit ist was ganz Menschliches und gerade in Zeiten der Pandemie möchte man sich diesen kleinen Luxus sicherlich gönnen“, sagte Müller. Die Nachfrage werde hoch sein. Bund und Länder hatten am Mittwoch unter anderem beschlossen, dass Friseurbetriebe trotz der Corona-Krise ab dem 4. Mai wieder öffnen können – „unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen sowie unter Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung“, wie es in dem Beschluss heißt. #Friseur #Haare #Corona #WirvsVirus #tagesschau

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Mundschutz und Handschutz für die Friseure - Haare schneiden nur mit Termin

Um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu minimieren, sollen alle Friseure einen Mundschutz und Handschuhe tragen, zudem soll es an jedem Platz Handdesinfektion geben. Kranke Kunden sollen erst gar nicht bedient werden.

Auch auf Laufkundschaft will das Unternehmen verzichten, die Kunden sollen einen Termin vereinbaren, um sich die Haare schneiden zu lassen. Einen Wartebereich in den Salon soll es auch nicht mehr geben - hier würden sich die Kunden zu nahe kommen.

70.000 Friseur-Salons bereiten sich auf die Wiedereröffnung in der Coronavirus-Krise vor

Zu guter Letzt sollen die Friseur-Salons von Klier auf bestimmte Dienstleistungen verzichten. Bartpflege, Wimpern- und Augenbrauenfärben sind erst einmal nicht vorgesehen. Dazu müssten die Friseure zu nah an den Kunden arbeiten - das erhöht das Infektionsrisiko

Aber nicht nur die Filialen von Klier werden im Mai wieder eröffnen. Insgesamt bereiten sich in Deutschland 70.000 Salons auf den Re-Start vor, teilt der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks mit. 

Der künftige Friseur-Besuch könnte so aussehen.

Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks gibt Orientierung in der Coronavirus-Krise

"Unseren Fokus haben wir eigentlich seit der Schließung der Salons am 23. März auf die jetzt terminierte Wiedereröffnung gelenkt", sagt Harald Esser, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks

In enger Abstimmung mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat der Zentralverband rechtliche Grundlagen zur Ausübung von Friseurdienstleistungen während der bestehenden Coronavirus-Pandemie dargestellt. Die Positionspapiere des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks sind zwar keine bindenden Hygiene-Konzepte, aber die dargestellten Schutzmaßnahmen dienen als Orientierung.

Zentralverband empfiehlt auch Kunden einen Mundschutz zu tragen

Auch der Zentralverband empfiehlt das Tragen eines Mundschutzes, geht sogar so weit, dass auch Kunden im Salon einen Mundschutz tragen sollten. Ebenso Handdesinfektionsmittel für Kunden und Angestellte sieht der Zentralverband als sinnvoll an. Auch sollten die Geräte regelmäßig desinfiziert werden.

Wie viele Kunden gleichzeitig im Friseur-Salon sein dürfen, ist in dem Positionspapier allerdings nicht geregelt. "Dabei spielen die Flächenaufteilung und konkreten Gegebenheiten im Salon eine große Rolle", heißt es im Papier. Auch Taxis und Uber verstärken ihre Schutzmaßnahmen für ihre Kunden. Durchsichtige Trennwände sollen eine stärkere Sicherheit gewährleisten.

In Dortmund warnen Experten nun vor Friseure, die sich während der Corona-Pandemie nicht an die Hygieneregeln halten. Es könnte beim Haareschneiden zu Infektionen mit Sars-CoV-2 kommen.

Rubriklistenbild: © Dan Peled/dpa