Dritte Welle im Anmarsch

Experten schlagen Alarm: Lockerung der Maßnahmen kann zu Horror-Szenario führen

Die Angst vor der dritten Welle lähmt Deutschland. Experten warnen jetzt vor einer zu frühen Lockerung des Corona-Lockdowns – und geben einen Lichtblick.

Deutschland – Lockdown, Lockerungen, Mutation, Maskenpflicht: Das Coronavirus beherrscht Deutschland. Jetzt äußerten sich Fachärzte dazu, was frühe Lockerungen in Bezug auf die dritte Welle anrichten könnten. Die Prognosen sind schockierend.

Impfstoffe gegen CoronaBionTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca (Stand: 26. Februar 2021)
Arten des ImpfstoffsmRNA und nicht replizierender viraler Vektor
Start der Impfkampagne in Deutschland27. Dezember 2020

Coronavirus: Zu frühe Lockerungen rufen dritte Welle herbei – Experten mit schockierender Prognose

Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), forderte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (25. Februar), die Verlängerung des Corona-Lockdowns bis zum 1. April. „Sonst wird die dritte Welle nur noch sehr schwer oder überhaupt nicht beherrschbar sein“, so der Facharzt.

Nach Meinung des Experten müsse ein Strategiewechsel erfolgen hin zur R-Wert-gesteuerten Öffnungsstrategie. Nach dieser dürfte der R-Wert bezogen auf den Wildtyp, dem ursprünglichen Typ des Coronavirus, nicht über 1,2 steigen. Aktuell fährt Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Inzidenz-gesteuerte Strategie.

Coronavirus: Experten warnen vor Lockerungen – dritte Welle bahnt sich an

Lockerungen schon im März, wie beispielsweise das private Shopping als Corona-Lösung, hätten nach Ansicht der Divi-Mediziner dramatische Folgen für die Intensivbetten-Belegung. In Kombination mit einer langsamen Impfstrategie würde dies zu einer „erneuten Spitzenbelastung von 4000 Covid-19 Patienten auf Intensivstationen“ führen, zeigte Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter der Divi, anhand eines Prognosemodells.

Im ungünstigsten Fall könnten sogar bis zu 25.000 Betten mit Coronavirus-Patienten belegt werden. Der bisherige Spitzenwert in Deutschland waren am 3. Januar 5.745 Intensivbetten. Aktuell sind 2890 Intensivbetten (Stand 26. Februar) mit Covid-19-Patienten belegt, wie dem Intensivregister der Divi zu entnehmen ist.

Coronavirus: Extreme Belastungen nach Lockerungen – dritte Welle für Klinik-Personal „kaum verkraftbar“

Die Lage sei zwar „spürbar besser“ als noch am Anfang des Jahres, doch Entspannung herrsche dennoch keine in den Krankenhäusern. Zu frühe Lockerungen würden für Personal, Kliniken und Intensivstationen wieder starke Belastungen bedeuten.

Bei einer erneuten Spitzenbelegung würden wieder andere lebensnotwendige Operationen hinten angestellt werden müssen. Die erneute Belastung bei einer dritten Welle sei nach erster und zweiter Welle „für das Personal kaum noch zu verkraften“, warnte der ehemalige Divi-Präsident und Intensivmediziner Uwe Janssens.

Lockerungen der Corona-Maßnahmen: Experten warnen vor dritter Welle

Die Mediziner plädieren darauf die Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen in den April zu verlegen. Dadurch würden sich auch die Corona-Varianten, wie die gefährliche britische Mutation, drei Wochen später verbreiten.

Ebenfalls wichtig, um die dritte Corona-Welle einzudämmen, ist laut den Experten eine Impfbereitschaft von 80 Prozent.

Christian Karagiannidis erklärte, dass Deutschland mit „etwas späteren Öffnungsstrategien“ die Impfwelle der Infektionswelle vorauslaufen könnte. Was zur Eindämmung der dritten Welle führe.

Coronavirus und die dritte Welle: Ziel ist „kontrollierbares Infektionsgeschehen“.

Das Ziel muss ein „Kontrollierbares Infektionsgeschehen“ sein, betonte Präsident Gernot Marx. Der Experte gibt sogar einen Lichtblick: Mit einer geeigneten Impfstrategie, inzwischen gibt es Pläne für elektronische Impfpässe, einer Impfbereitschaft bei mindestens 80 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger und dem Abwarten mit den Lockerungen, könne die Corona-Pandemie bis Ende des dritten Quartals erfolgreich eingedämmt werden.

Diese Perspektive gelte es nun nicht zu verspielen. Es gelte - angesichts der als realistisch einzustufenden Berechnungen - ein Horrorszenario zu vermeiden, pflichtete Uwe Janssen bei.

Rubriklistenbild: © CDC/Sebastian Gollnow/dpa; Collage: RUHR24