Psychologie erklärt Phänomen

Corona-Pandemie: 5 Gründe, warum wir die Krise immer weiter anheizen

Viele psychologische Ursachen können die Verbreitung des Coronavirus weiter anheizen.
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Viele psychologische Ursachen können die Verbreitung des Coronavirus weiter anheizen.

Die aktuellen Corona-Beschränkungen fallen vielen Menschen schwer. Die psychologischen Tücken der Pandemie könnten die Ausbreitung weiter anheizen.

NRW - Die aktuellen Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Coronavirus sorgen einerseits für Verwirrung, weil sie vielerorts nicht einheitlich geregelt sind. Doch auch aus psychologischer Sicht fällt die Umsetzung vielen schwer.

NameCovid-19/Coronavirus
SymptomeFieber, trockener Husten, Müdigkeit
Prävention u.a.Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen

1. Grund: Coronavirus-Maßnahmen schlagen bei vielen auf die Psyche

Kann man sich noch guten Gewissens mit Freunden treffen oder eine Reise unternehmen? Diese Fragen stellen sich während der Pandemie viele. Die richtige Wahl in Zeiten des Coronavirus treffen fällt nicht immer leicht. Wie die Zeit berichtet, liegt das vor allem an den psychologischen Tücken einer Pandemie.

Viele Menschen sind „pandemiemüde“. So nennt es die Weltgesundheitsorganisation (WHO), wenn Menschen das Risiko des Coronavirus nicht mehr so stark wahrnehmen, weniger bereit sind, sich zu informieren und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.

2. Grund: „Moralisches Konto“ ist im Kampf gegen das Coronavirus nur wenig sinnvoll

Von diesem Phänomen sind vor allem Menschen betroffen, die weniger Wissen und Vertrauen in Institutionen haben. Sie denken womöglich, dass die Pandemie ein medialer Hype und das Coronavirus in der Tat gar nicht so stark verbreitet sei. Wer „pandemiemüde“ ist, kann die Verbreitung unter Umständen weiter anheizen.

Ein weiteres Problem stellen Verhandlungen mit dem eigenen Gewissen dar. In der Psychologie nennt man das auch moralische Lizenzierung. Menschen führen dabei quasi ein innerliches, moralisches Konto, auf welches sie einzahlen, wenn eine gute Tat vollbracht wird. In Zeiten von Corona könnte das etwa der Verzicht auf einen Einkaufsbummel sein.

Diese „gute Tat“ wird aber ganz schnell wieder zunichte, wenn man am nächsten Tag eine Geburtstagsfeier besucht oder in der Supermarktschlange nicht auf den nötigen Abstand achtet. Ein Verhalten, dass in der Pandemie tückisch sein kann. Eigene Nachlässigkeiten durch gute Taten auszugleichen ist im Umgang mit dem Coronavirus nicht sinnvoll (mehr Hintergründe zum Coronavirus auf RUHR24.de).

3. Grund: Verdrängung rechtfertigt eigenes Verhalten während Coronavirus

Auch Verdrängung kann ein Grund sein, wieso das Coronavirus trotz Maßnahmen weiter angeheizt wird. Der Sommer mit vergleichsweise niedrigen Zahlen hat viele vergessen lassen, dass das Virus nicht einfach von selbst verschwinden wird. Allerdings steigen die Infektionen aktuell wieder rasanter.

In der Psychologie nennt man es kognitive Dissonanz, wenn sich zwei Erkenntnisse oder eine Erkenntnis und eine Verhaltensweise widersprechen. So etwa verhält es sich mit den Aussagen „Ich rauche“ und „Rauchen ist tödlich“. Um das eigene Handeln also zuzulassen, hilft Verdrängung. Frei dem Motto: „Es ist für andere tödlich, aber mich trifft es nicht.“

In Zeiten des Coronavirus verhalten sich viele ähnlich. Verteidigung und Verdrängung verleiten den ein oder anderen eben doch zu einem Kneipenbesuch, obwohl man sich bewusst ist, dass man sich vor Ort infizieren könnte (alle aktuellen Entwicklungen Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

4. Grund: Vertrauen gegenüber Freunden kann bei Coronavirus tückisch sein

Neben Verdrängung und Verteidigung ist auch zu großes Vertrauen ein Problem im Kampf gegen die Pandemie. Oftmals denkt man, man könne sich eher neben einer Fremden in der Bahn mit dem Coronavirus anstecken als bei einem Familienmitglied. Viele Menschen nehmen außerdem ein höheres Infektionsrisiko in Kauf, wenn sie mit Freunden zusammen sind.

Laut einer aktuellen Studie waren 45 Prozent der Befragten in den vergangenen vier Wochen bei einem privaten Treffen mit mehr als zehn Personen. Doch Intuition kann täuschen, das sollte man sich im Alltag bewusst machen. Das Virus schreckt auch nicht vor sympathischen Personen zurück.

5. Grund: Viele Menschen sind wegen des Coronavirus längst frustriert

Ein psychologisches Phänomen eint zurzeit wohl die meisten Menschen: Frustration. Als das Coronavirus Anfang des Jahres ausgebrochen ist, begann für viele der Verzicht. Reisen, Hochzeiten oder andere Feiern wurden verschoben oder abgesagt.

Jetzt steigen die Zahlen wieder und viele fragen sich: Haben die Maßnahmen und die persönlichen Lebensumstellungen nichts gebracht? Wie lange geht das noch so weiter? Worauf genau hoffen wir eigentlich? Und was ist die Lösung der Frustration?

Wie die Zeit berichtet, betont der Sozialpsychologe Ernst Lantermann, dass langfristige Verhaltensänderungen nur dann möglich sind, wenn Menschen selbstbestimmt handeln. Er schlägt für den Herbst Runde Tische vor, an denen sich Bürgergruppen und Experten treffen und gemeinsam eine Lösung überlegen. Wer gemeinsam einen Plan verfolgt, ist motiviert, ihn einzuhalten, durchzuhalten und so möglichst gut durch die Pandemie zu kommen. Auch, wenn sie noch etwas dauern sollte.