Überraschende Erkenntnis

Bahn fahren und Coronavirus: Experte klärt auf, wie gefährlich überfüllte Züge wirklich sind

Trotz Coronavirus reisen und pendeln immer noch viele Menschen mit dem Zug. Doch wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in der Bahn?

  • Trotz Pandemie reisen viele mit der Bahn.
  • Doch wie hoch ist die Ansteckungsgefahr, wenn fremde Menschen im gleichen Abteil sitzen?
  • Ein Experte lobt das Hygienekonzept der Bahn, aber warnt auch.

NRW - Weiterhin mit dem Zug zu reisen ist für viele unvermeidbar. Angesichts der wieder steigenden Corona-Infektionen, machen sich viele Pendler allerdings Sorgen um ihre Gesundheit. Doch wie gefährlich ist die Fahrt mit der Bahn aktuell wirklich?

Unternehmen

Deutsche Bahn

CEO

Richard Lutz

Zentrale

Berlin

Zug fahren trotz Corona: Abstand zu halten ist in der Bahn kaum möglich

Abstand halten gilt als eines der wichtigsten Präventionen gegen die Übertragung des Coronavirus: Mindestens 1,5 oder eher 2 Meter sollten es seien, um dem Krankheitserreger zu entgehen, der schon beim Sprechen durch die Luft geschleudert werden kann. Doch bei Fahrten mit der Bahn ist das einfacher gesagt als getan.

Nicht selten kommt es trotz Hygienemaßnahmen zu Situationen, in denen man Fremden im Zug sehr nahe kommt. Im besten Fall müssten die Züge dünner besetzt werden. "Alle Reisenden müssten einen freien Sitz neben sich haben", meint Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon-Hochschule in Berlin gegenüber Watson.

Bahn fahren trotz Coronavirus: Züge können die Viren nicht aus der Luft filtern, Flugzeuge schon

Grundsätzlich trägt der Mund-Nase-Schutz, der auch im Zug verpflichtend getragen werden muss, dazu bei, dass die Reisenden wegen Tröpfchen in ihre Umgebung abgeben. Im Gegensatz zu den Klimaanlagen in Flugzeugen kann die Bahn die Viren allerdings nicht aus der Luft filtern.

"Die Filteranlagen in ICE-Zügen sind in der Regel nicht virendicht", sagt Ulrichs. "Allerdings ist der Luftraum in Großraumwagen sehr viel größer als in Flugzeugkabinen, und auch die Verweildauer ist geringer als auf Flugreisen, sodass das Risiko kalkulierbar ist."

Zu Zeiten des Lockdowns waren die Bahnhöfe meistens leer. Mittlerweile sind viele wieder trotz Coronavirus auf die Bahn angewiesen. 

Experte: Corona-Maßnahmen müssen in der Bahn verstärkt kontrolliert werden

Allerdings würde das nicht gelten, wenn Züge voll besetzt sind. Dann steigt auch das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus. Die Grünen fordern deshalb, dass die Deutsche Bahn Wagons für Risikogruppen einrichtet (mehr Ratgeber auf RUHR24.de).

"Das dürfte sehr schwer umsetzbar sein", meint Ulrichs. Das Hygienekonzept der Bahn sei gut, würde aber unzureichend kontrolliert. "Sinnvoller wäre, das Maskentragen in den Zügen konsequent zu überprüfen und bei Zuwiderhandlung die Reisenden aus den Zügen zu entfernen, gegebenenfalls mithilfe der Bundespolizei."

Deutsche Bahn: "Züge sind wegen des Coronavirus nur bis zu 30 Prozent ausgelastet"

Der Experte rät aber vor allem dazu, als Fahrgast umsichtig und verantwortungsbewusst zu reisen. "Hier ist an die Vernunft der Reisenden zu appellieren, die Abstände einzuhalten und Masken zu tragen", so Ulrichs.

Die Deutsche Bahn selbst verfolgt eine technische Lösung, um die Abstände zwischen den Reisenden wegen des Coronavirus möglichst einzuhalten. Laut einem Sprecher seien die ICE- und IC-Züge derzeit nur zu 20 bis 30 Prozent ausgelastet.

Die Bahn achte bereits im Buchungsprozess verstärkt darauf, dass die Züge möglichst gleichmäßig besetzt sind und halten im ganzen Zug ausreichend Sitzplätze ohne Reservierungen bereit.

Reisen bei Coronavirus: Deutsche Bahn setzt auch Eigenverantwortung der Kunden

Dass nicht neben jedem reservierten Sitzplatz ein Platz freigehalten wird, die Ulrichs und andere Experten vorschlagen, soll laut Bahn einen Grund haben. Jeder Kunde solle trotz Coronavirus die Möglichkeit haben, sich seinen Wunschsitzplatz reservieren zu können.

Auch hier ist der Reisende für sich selbst verantwortlich. Die Deutsche Bahn hat eine Auslastungsanzeige bei der Ticket-Buchung eingeführt. Kunden können dann sehen, wenn ein Zug zu mehr als 50 % ausgelastet ist und sich daraufhin für andere Züge entscheiden.

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