Bei Anzeichen testen lassen

Corona: Delta-Variante ruft bei Infizierten offenbar andere Symptome hervor

In Großbritannien ist sie bereits die vorherrschende Corona-Variante und auch in Deutschland werden immer wieder Fälle bekannt: die Delta-Variante. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

Dortmund – Seit über einem Jahr ist das Coronavirus Thema Nummer eins. Wir sind alle zu kleinen Experten geworden und wissen scheinbar alles über die Verbreitungswege von Viren, über Ansteckungsmöglichkeiten und natürlich darüber welche Symptome auf eine Covid-19-Erkrankung hinweisen können. Doch in einem Punkt müssen wir wohl bald umdenken. Denn die Delta-Variante des Coronavirus äußert sich mit ganz anderen Symptomen.

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
Häufige SymptomeHusten, Schnupfen, Fieber, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Coronavirus B.1.617.2. breitet sich aus: Forscher beobachten Delta-Variante genau

Die Delta-Variante B.1.617.2. des Coronavirus wurde erstmals in Indien entdeckt und wird daher auch oft die indische Variante oder auch Doppelmutante genannt. Die Bezeichnung Doppelmutante geht dabei auf zwei Mutationen an einem Oberflächenprotein zurück, die diese Variante trägt.

Bereits seit Auftreten der Mutation beobachten Forscher und Forscherinnen die Ausbreitung mit Sorge. Denn die Variante soll ansteckender sein und häufiger zu schweren Verläufen führen. Das Robert Koch-Institut schreibt (Stand: 9. Juni): „B.1.617.2 zeichnet sich durch Mutationen aus, die mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht werden, und durch Mutationen, die die Übertragbarkeit des Virus erhöhen könnten.“

Impfungen könnten weniger vor der Indischen Corona-Mutation schützen

Zudem sollen erste Laborexperimente gezeigt haben, dass die Impfstoffwirksamkeit nach vollständiger Impfung geringfügig unterhalb der Wirksamkeit gegenüber B.1.1.7 (der britischen Mutation) liegt. Aktuell ist allerdings nicht klar, wie sehr die Impfwirksamkeit bei der Delta-Variante sinkt. Dazu gibt es aktuell zwei Studien aus Großbritannien.

Eine in dem Fachblatt „Lancet“ veröffentlichte Untersuchung schottischer Forscher geht davon aus, dass der Impfstoff von Biontech und Pfizer zu 79 Prozent vor der Delta-Variante schützen kann. Im Vergleich dazu: Der Schutz gegen die in Großbritannien nachgewiesene Alpha-Variante liegt bei 92 Prozent. Bei Astrazeneca liege der Schutz bei 60 Prozent nach der zweiten Impfdosis im Vergleich zu 73 Prozent.

Allerdings kommt eine englische Studie laut der Tagesschau zu einem anderen Ergebnis. Demnach sei der Schutz vor schweren Verläufen im Vergleich mit dem Schutz vor schweren Verläufen durch die Alpha-Varianten vergleichbar hoch. Das wären vor allem für Großbritannien gute Nachrichten, immerhin macht die indische Corona-Variante inzwischen 90 Prozent der Fälle dort aus. Erst in dieser Woche (14. Juni) hat Premier Boris Johnson angekündigt, die für Montag (21. Juni) geplanten Lockerungen um einen Monat zu verschieben. 

Hat die geplanten Lockerungen um einen Monat verschoben: Premierminister Boris Johnson

Symptome der Delta-Corona-Variante unterscheiden sich vom ursprünglichen Coronavirus

Und auch in Deutschland ist die Variante inzwischen angekommen. Zwar noch in geringem Ausmaß, doch Experten rechnen damit, dass Corona-Varianten generell Ende des Jahres Überhand nehmen werden. Der Virologe Christian Drosten sagte im NDR-Podcast Coronavirus-Update, dass Delta oder ähnliche Varianten „sicherlich bis zum Herbst hier auch das Feld dominieren“ (mehr News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Umso wichtiger kann es werden das Virus frühzeitig zu erkennen – und das könnte zum Problem werden. Denn die Symptome der indischen Doppelmutante unterscheiden sich vom ursprünglichen Coronavirus und den anderen Virus-Varianten. Zu den häufigsten Symptomen zählen: Kopfschmerzen, eine laufende Nase und eine raue Kehle. Das hatten betroffene in einer britischen App zur Erfassung von Covid-19-Symptomen angegeben.

Neue Variante – neue Symptome: Typische Corona-Symptome traten kaum noch auf

Tim Spector vom King’s College London, der die Zoe Covid Symptoms-Studie leitet und die gemeldeten Symptome auswertet, sagte dem Sender BBC: „Seit Anfang Mai haben wir uns die häufigsten Symptome der App-Nutzer angeschaut – und sie sind nicht mehr dieselben wie zuvor.“ Zeitlich würde sich das mit dem Auftreten der indischen Mutante decken.

Anhand der Zoe Covid Symptoms-Studie hat Spector auch auf das Phänomen der Covid-Nails aufmerksam gemacht, anhand der Fingernägel sollen Betroffene erkennen können, ob sie in der Vergangenheit an Covid-19 erkrankt sind. Ebenfalls waren er und sein Team es, die das Phänomen der Covid-Zunge in der Symptom-App entdeckt hatte. Dabei treten Schwellungen/Geschwüre oder Beläge der Zunge auf.

Indische Corona-Variante zeigt andere Symptome – Geschmacksverlust kaum noch gängig

Doch Fieber gehöre wie auch bei den anderen Corona-Varianten weiterhin zu den Symptomen. Allerdings wurde laut Spector der sonst sehr charakteristische Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn im Zusammenhang mit der indischen Variante weniger gängig.

Für einige jüngere Menschen könne sich Covid-19 somit stärker als eine einfache Erkältung anfühlen, sagte Spector – und rief Betroffene auf, sich in jedem Fall testen zu lassen.

Rubriklistenbild: © Fotomontage: Christian Ohde/Imago

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