Ende der Pandemie

Coronavirus: Immunität nach erster Infektion – neue Studie könnte Durchbruch liefern

Ob und wie lange Menschen nach einer Corona-Infektion immun gegen den Erreger sein könnten, gilt als eine der spannendsten Fragen im Kampf gegen die Pandemie. Nun will einem Forscherteam ein Durchbruch gelungen sein.

USA - Lange nahm man an, dass Menschen nach einer überstandenen Corona-Infektion keine oder eine nur sehr geringe Immunität gegen das Virus entwickeln würden. Fälle, bei denen sich Personen binnen kürzester Zeit zweimal mit Sars-CoV-2 ansteckten, bestätigten diese Theorie. Manche Patienten entwickelten sogar gar keine Antikörper.

ErregerCoronavirus/Sars-CoV-2
UrsprungWuhan (China)
KrankheitCovid-19
SymptomeFieber, trockener Husten, Verlust der Riech- und Geschmacksfunktion

Immunität gegen Corona: Forscher machen unterschiedliche Entdeckungen

Eine Studie aus Großbritannien kam sogar zu einem ganz neuen Entschluss: So würde die Anzahl der Antikörper in den Folgemonaten nach einer Corona-Infektion rapide absinken. Auch Forscher der chinesischen Universität Chongqing kamen zu dem Ergebnis, dass Antikörper nach zwei bis drei Monaten fast gänzlich aus dem Körper verschwunden sein könnten.

Doch es gab auch Entwarnung: So betonten Experten, dass es nach einer Infektion völlig normal sei, dass der Antikörperspiegel im Blut abnimmt. Außerdem würde die Anzahl der Antikörper nichts über die Immunität gegenüber eines Erregers aussagen, sondern vielmehr das „Gedächtnis“ des Immunsystems. (alle Nachrichten zum Coronavirus in NRW bei RUHR24.de).

Immunsystem spielt eine große Rolle bei der Immunität gegen das Coronavirus

Ob dieses „Gedächtnis“ im Zusammenhang mit dem Coronavirus gut funktioniert, darüber machten sich Forscher des La Jolla Institute for Immunology in Kalifornien Gedanken. Und kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Denn offenbar funktioniere das Gedächtnis des Immunsystems im Falle des Erregers Sars-CoV-2 viel besser als bisher angenommen.

Bei einer Studie mit 185 Testpersonen, die Covid-19 bereits überstanden hatten, fanden sie heraus, dass die Mehrheit von ihnen selbst acht Monate nach der Infektion noch genug immune Zellen hätten, um eine erneute Ansteckung abzuwehren.

Studie aus Kalifornien steckt noch in den Kinderschuhen - Immunität gegen Corona ist noch unsicher

„Dieses Ausmaß an Gedächtnis schützt wahrscheinlich die überwiegende Mehrheit der Menschen für viele Jahre davor, schwer zu erkranken“, sagte Shane Crotty, einer der Leiter der Studie, gegenüber der New York Times.

Einziger Wermutstropfen: Die Studie aus Kalifornien wurde bisher von keinen anderen Forschern überprüft oder gar widerlegt.

Wie lange sind Betroffene nach einer Corona-Infektion immun? Eine neue Studie könnte jetzt neue Antworten geben.

Sars-Studie macht Hoffnung auf Immunität gegen Corona

Doch die Hoffnung auf Immunität weckt auch eine andere Studie, die bereits im Sommer dieses Jahres veröffentlicht wurde. Dabei untersuchten Forscher mehrere Personen, die vor 17 Jahren an Sars erkrankt waren und fanden eindeutige Hinweise auf eine mögliche Immunität.

So hatten die Genesenen knapp zwei Jahrzehnte nach der Infektion noch immer ausreichend Gedächtniszellen gegen den damaligen Erreger Sars-CoV, der 2002 und 2003 die erste globale Pandemie des 21. Jahrhunderts verursachte.

Sars-CoV und Sars-CoV-2 gehören beide derselben Virengruppe an, die „schwere akute Atemwegssyndrome“ auslösen können. Bei der Sars-Pandemie gab es weltweit 8096 bestätigte Infizierte.

Infektionskrankheiten funktionieren alle gleich - auch das Coronavirus

Experten sehen die Studien über Corona-Immunität als Beweise dafür, dass das menschliche Immunsystem bei Sars-CoV-2 nicht anders funktioniere als bei anderen Infektionskrankheiten.

So sagte die Immunologin Akiko Iwasaki der New York Times, dass sie „nicht überrascht“ sei, dass der Körper nach überstandener Infektion eine Abwehr gegen das Coronavirus aufbaut. Es handele sich dabei um einen ganz normalen Vorgang, der „passieren soll“. Und doch seien es - so der O-Ton der Immunologin - „aufregende Neuigkeiten“.

Studie über Corona-Immunität macht Hoffnung auf Wirksamkeit von Impfstoffen

Die Erkenntnisse über eine mögliche Immunität gegen das Coronavirus treiben auch die Hoffnung auf Wirksamkeit möglicher Impfstoffe in die Höhe. Denn Impfstoffe, so Experten, seien für das menschliche Immunsystem noch viel besser als eine reguläre Infektion. Im Normalfall bieten sie einen jahrelang andauernden Schutz - wie bei vielen bereits bekannte Impfstoffen gegen Tetanus, Masern oder Mumps.

Ein Corona-Impfstoff gilt als die große Hoffnung für das Ende der anhaltenden Pandemie.

Schlüsselpunkt einer Haltbarkeit von Impfstoffen sind erneut die Gedächtniszellen des Immunsystems. „Während die natürliche Infektion zu einem schlechten Immungedächtnis führen kann, das möglicherweise nicht von Dauer ist, gibt Ihnen der Impfstoff ein starkes dauerhaftes Gedächtnis“, erläutert Immunologe Danny Altmann vom Imperial College London.

Sollte dies auch im Falle des Coronavirus funktionieren, dann könnte ein Impfstoff - wie bereits von vielen erhofft - tatsächlich das Ende der Covid-19-Pandemie sein.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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