Hat es sich ausgetanzt?

Düstere Zukunft für Clubs: Experte erklärt, warum Discos die reinen Hotspots für das Coronavirus sind

Täglich kommen neue Lockerungen der Coronavirus-Beschränkungen. Clubs bleiben aber erstmal außen vor. Das ist auch gut so, sagt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

  • Clubs und Bars sind derzeit noch von den Lockerungen der Coronavirus-Beschränkungen ausgenommen.
  • In Discos finde das Coronavirus* auch perfekte Bedingungen, um sich zu verbreiten, so ein Experte.
  • Er rät daher, dass Tanzen erst wieder in vielen Monaten möglich sein soll.

Hamburg - Geht es nach Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, hat es sich erst einmal ausgetanzt. Er prophezeit der deutschen Partyszene eine düstere Zukunft, erfuhr RUHR24.de*. Das Problem: Das Coronavirus kann sich in Clubs, Bars und Diskotheken besonders gut verbreiten.

Name:

Jonas Schmidt-Chanasit

Beruf:

Virologe und Hochschullehrer an der Uni Hamburg

Geboren:

25. März 1979

Studium:

Humanmedizin an der Charité Berlin

Bücher: 

Zika Virus

Dass seine Meinung nicht von ungefähr kommt, bestätigten bereits auch einige Beispiele aus Berlin und Südkorea.

Coronavirus: Sind Bars, Discos und Kneipen wahre Coronavirus-Hotspots?

Ähnlich wie in Deutschland kamen auch in Südkorea im Mai immer mehr Lockerungen der Coronavirus-Beschränkungen. Fitnessstudios, Restaurants und eben auch Clubs durften wieder öffnen. In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul soll dann ein 29-Jähriger, der mit dem Covid-19 infiziert war, bei einem nächtlichen Streifzug durch die Bars eine neue Infektionswelle ausgelöst haben. 

Laut Berichten der Deutschen Presseagentur (dpa) sollen rund 200 Coronavirus-Fälle mit dem Partygänger in Verbindung gebracht worden sein, mehr als 65.000 Menschen mussten sich testen lassen. Schneller als erhofft war die Angst vor dem Virus in Südkorea wieder präsent. 

Infektionswelle mit Covid-19 hing in Berlin möglicherweise mit Club-Besuchen zusammen

Und auch in Berlin geht man davon aus, dass von den ersten 263 bestätigten Coronavirus-Fällen, sich mindestens 42 bei einem Club-Besuch in der Hauptstadt infiziert haben.

Pamela Schobeß, Vorstand vom Verband der Berliner Clubveranstalter, hatte daher bereits zu Beginn der Corona-Pandemie eine düstere Vorausahnung: "Wir waren die ersten, die zugemacht haben, und werden wohl die letzten sein, die wieder aufmachen können."

Clubs bieten das perfekte Szenario für das Coronavirus, um sich auszubreiten

Geht es nach dem Experten Jonas Schmidt-Chanasit sollte diese Prophezeiung auch bestenfalls eintreten. Nicht etwa, weil er ein Partymuffel oder ein Spaßverderber sein will, sondern weil er Clubs und Bars als wahre Viren-Hotspots attestiert.

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit beschäftigt sich seit Jahren mit neu auftretenden Infektionskrankheiten. 

Es sei eng, man schwitze und schreit einander mit geringem Abstand ins Ohr: "Das ist genau dieses Szenario, bei denen es in anderen Ländern bereits zu massenhaften Ansteckungen gekommen ist", so der Virologe.

Clubs und Bars: "Schlimmster Zustand für den Menschen"

Hinzu komme noch die schlechte Luft in den Discos. Die mache es dem Coronavirus noch leichter, sich zu verbreiten. Die meisten Belüftungsanlagen würden die Luft in den Räumen nur umwälzen. Bestenfalls ein bisschen verblasen. 

Und das sei der beste Zustand, den Jonas Schmidt-Chanasit sich für einen Erreger, der über die Tröpfcheninfektion verbreitet wird, vorstellen könne. "Also der schlimmste Zustand für den Menschen. Insgesamt ist die Situation einfach ideal, um sich dort infizieren zu können."

Zeichen stehen schlecht für die Club-Betreiber wegen des Coronavirus

Hinzu komme noch, dass die meisten Partygäste sich im Zuge eines steigenden Alkoholpegels im Laufe des Abends nicht mehr an die wichtigen Coronavirus-Regeln halten würden.*

Alles in allem stehen die Zeichen laut dem Experten Jonas Schmidt-Chanasit also alles andere als gut für die deutsche Club-Landschaft. Aber welche Lösung schlägt er den Bar- und Disco-Besitzern vor, die zunehmend um ein Massensterben der Partyszene aufgrund von Corona bangen*?

Coronavirus: Für viele Bars, Clubs und Disos ist die Party möglicherweise vorbei

Das Sinnvollste wäre es laut dem Virologen, in einen Club für sonst hundert Besucher nur fünf Gäste zu lassen. "Aber das will keiner und das macht auch keinen Sinn." Auch Tanzen mit einer Mundschutzmaske sei keine Option. Sie sei zwar ein wichtiges Hilfsmittel. Abstand und Hygiene seien aber im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus viel wichtiger, so Jonas Schmidt-Chanasit. 

Er geht deshalb davon aus, dass die Clubs, Discos und Bars erst dann wieder öffnen können, wenn es entweder einen Impfstoff gibt, die Pandemie vorbei ist oder die Immunität in der Bevölkerung weiter angestiegen ist. Was das im Ernstfall für die Club-Betreiber in Deutschland bedeuten würde, will man sich lieber nicht ausmalen. Möglicherweise hat es sich bis dahin bei vielen für immer ausgetanzt. 

In einigen NRW-Städten will man das aber nicht einfach so hinnehmen. In Dortmund steht bereits die erste Auto-Disco* an. Tanzen und Feiern - aber bitte mit Abstand!

Für die Clubs und Bars in Dortmund, die unter der Coronavirus-Krise leiden, gibt es nun eine Hilfsaktion auf Facebook. Die Betreiber bitten um Spenden für die Fixkosten und als Unterstützung in der schweren Zeit.

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Rubriklistenbild: © dpa, Britta Pedersen / dpa, Collage: RUHR24

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