Furcht vor Kontrolle per Handy

Coronavirus-App: Darum ist der Favorit der Bundesregierung bei Experten umstritten

Um die Ausbreitung des Coronavirus nachzuvollziehen, will die Bundesregierung auf Kontrolle einer App setzen. Doch "Pepp-Pt" ist umstritten.

  • Die Bundesregierung möchte Ansteckungen mit dem Coronavirus per App besser nachvollziehen können.
  • Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich nun auf ein App-Modell festgelegt.
  • Die App Pepp-Pt steht allerdings massiv in der Kritik.

NRW - Um die Ausbreitung des Coronavirus* besser nachvollziehen zu können, will die Bundesregierung auf die freiwillige Nutzung von Tracking-Apps zurückgreifen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat für dieses geplante Vorgehen nun die App Pepp-Pt festgelegt.  Das Gesundheitsministerium hat am Mittwoch (23. April) im Bundestag mitgeteilt, dass es drei mögliche technische Plattformen geprüft und sich dann für Pepp-Pt entschieden hat, wie RUHR24.de* berichtet.

Coronavirus: Darum ist die App Pepp-Pt so umstritten

Zuletzt hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass im Zuge der Coronavirus-Krise neben Pepp-Pt (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing) auch den Konkurrenten Ansatz DP-3T (Decentralized Privacy Preserving Proximity Tracing) sowie die in Österreich eingesetzte Variante der Accenture GmbH getestet werden, wie das Handelsblatt berichtet.

Das nun festgelegte Pepp-Pt ist aber wegen seines Datenschutzkonzeptes stark in die Kritik geraten. Der Grund: Die Daten der Teilnehmer landen auf einem zentralen Speicherort. Rund 300 Experten unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie vor der Gefahr von Überwachung und Missbrauch durch so einen zentralen Speicherort warnen wollen. Sie unterstützen vor allem das DP-3T-Konzept, das vorsieht, die Daten nur dezentral, als auf den Smartphones selbst, abzulegen.

Gesundheitsministerium: Coronavirus-Daten sollen mit App Pepp-Pt zentral gespeichert werden

Das Gesundheitsministerium bevorzugt bei der Auswahl der App aber eine zentrale Speicherung der Nutzerdaten, wie ein Ministeriumssprecher laut Spiegel mitteilte. Das sei wichtig, um die Entwicklung und Verbreitung des Coronavirus besser verfolgen zu können.

Die Bundesregierung will mit Pepp-Pt die Ausbreitung des Coronavirus besser nachvollziehen. Die App steht allerdings in der  Kritik. 

Digitalpolitiker Tankred Schipanski (CDU) betonte gegenüber dem Handelsblatt, dass die zentrale Speicherung der Daten weder einen rechtlichen, noch einen politischen Hintergrund habe. "Es kommt mir weniger auf einen technologischen Schönheitswettbewerb an, sondern darauf, dass die App einen effektiven Beitrag dazu leistet, die Krise zu bewältigen", Schipanski. Es gehe bei der App nicht um personenbezogene Daten oder Standortverläufe, sondern um pseudonymisierte Daten.

Pepp-Pt: Kontrolle per App auf Kosten des Datenschutzes in Zeiten des Coronavirus?

Parallel zu den umstrittenen Methoden von Pepp-Pt warnen Kritiker nun vor einer absoluten Überwachung durch den Bund auf dem eigenen Smartphone, wie die dpa berichtet. Die Behauptung: Die Tracking-App, die die Ausbreitung des Coronavirus in NRW* und bundesweit nachvollziehbar machen soll, würde sich bei einem Update automatisch auf dem Endgerät installieren. Ein Überwachungsstaat sei die Folge.

Das trifft so nicht zu. Die App Pepp-Pt muss nach der Veröffentlichung wie jede andere aktiv vom Nutzer heruntergeladen werden. Allerdings arbeiten Betriebssystem-Ersteller wie Google und Apple daran, Apps dieser Art aktiv zu unterstützen. Die nötige Technologie wird per Software-Update auf die Geräte aufgespielt, muss vom Anwender aber ebenfalls erst aktiv freigegeben werden.

Coronavirus: So funktionieren Apps wie Pepp-Pt in der Theorie

Die Grundlage der verschiedenen Apps, zur Kontrolle der Ausbreitung des Coronavirus, ist immer ähnlich: Zunächst muss der Nutzer sich Pepp-Pt auf sein Smartphone laden und nach der Installation durchgehend Bluetooth aktivieren. Ab dann speichert und verschlüsselt das Smartphone lokal eine Liste der Handys, die:

  • ebenfalls die App installiert haben
  • mindestens für 15 Minuten Bluetooth eingeschaltet haben
  • weniger als 2 Meter entfernt sind

Nur die Daten der mit dem Coronavirus Infizierten sind für App Pepp-Pt interessant

Interessant werden die Daten für die Bundesregierung aber erst, sobald mit dem Coronavirus infizierte die App benutzen. Sobald der Arzt einen Patienten diagnostiziert hat, soll der Infizierte die Datennutzung bei Pepp-Pt freigeben - und sozusagen signalisieren: "Ich habe das Coronavirus". Kontakte des Handy-Nutzers und solche, die sich in dessen Nähe befunden haben und ebenfalls die App besitzen, werden nun benachrichtigt und können sich ebenfalls testen lassen.

Bis es so weit ist, dauert es voraussichtlich aber noch etwas. Denn die App soll erst Ende Mai auf den Markt kommen. Außerdem betont die Bundesregierung, dass sie eine Nutzung der App ausschließlich auf freiwilliger Basis in Betracht zieht. Modelle und digitale Anwendungen müssen den Vorgaben des Datenschutzrechts entsprechen, bei denen die Datenverarbeitung nach einer Einwilligung durch den Nutzer erfolgt. lez

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