Erfolgsquote von 80 Prozent

Neue App soll Corona-Infektion an der Stimme erkennen - doch es gibt ein Problem

Eine neue Corona-App soll die Infektion an der Stimme erkennen können. Das Projekt schreitet voran und könnte schon bald auf den Markt kommen.

NRW – Noch kann man eine Infektion mit dem Coronavirus nur durch einen Test sicher nachweisen. Doch das könnte sich schon bald ändern – jedenfalls wenn es nach einem Forschungsteam der Universität Augsburg geht. Schon seit Monaten feilen die Wissenschaftler rund um Leiter Björn Schuller an einer App, die den Erreger allein per Spracherkennung nachweisen soll.

ErregerCoronavirus
Erstes Auftreten in DeutschlandEnde Januar 2020
Gesamtzahl Infizierte in Deutschland668.114 (Stand 8. November)
SymptomeFieber, trockener Husten, Müdigkeit

App soll Corona-Infektion an der Stimme erkennen – so funktioniert es

„Die App könnte in Echtzeit Daten über Bewegungs- und Ausbreitungsmuster von Corona-Infizierten darlegen“, so Schuller. Bereits seit März würde das Forschungsteam an der App arbeiten – allerdings zunächst nur mit Daten aus dem chinesischen Wuhan, wo das Virus Ende 2019 zum ersten Mal aufgetreten war.

Augsburger Forscher arbeiten mit deutschen Probanden an der neuen Corona-App

Nachdem sich Corona auch in Deutschland weiter ausgebreitet hatte, fingen die Augsburger Forscher an, auch mit deutschen Probanden zu arbeiten. Dazu mussten die Testpersonen Texte mit vielen Vokabeln in ein Handy sprechen. Anschließend wurde das Gesagte mit Sprachmustern von Personen mit und ohne Corona verglichen. Dazu dienten tiefe neuronale Netze, die das Team um Schuller immer weiter auszuarbeiten versucht.

„Die Sprache ist hier quasi das neue Blut – wir verwenden es zur Analyse, brauchen es aber auch dringend als Spende, um unsere Systeme für Alle verbessern zu können“, so der Forschungsleiter.

Ein Forschungsteam aus Augsburg arbeitet an einer App, die eine Corona-Infektion nur anhand der Stimme erkennen soll.

Corona-Infektion an der Stimme erkennen – App liegt in 8 von 10 Fällen richtig

Nach Angaben der Universität Augsburg käme die Spracherkennungs-App derzeit auf eine Trefferquote von über 80 Prozent. Kein schlechter Wert, allerdings wolle man trotzdem noch weitere Daten sammeln. Ziel sei es, die Corona-App schon bald auf den Markt zu bringen. „Privatsphäre und ethische Aspekte stünden dabei natürlich an erster Stelle“, heißt es.

App kann in Deutschland vorerst nicht auf den Markt kommen – Problem liegt an den App-Stores

Bevor die App auf Smartphones genutzt werden kann, gilt es noch einige Hürden zu überwinden. Das aktuell größte Problem: Anbieter von App-Stores wie etwa Google Play würden nur eine offizielle Corona-App pro Land erlauben. In Deutschland gibt es bereits eine (alle News zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker bei RUHR24.de).

Schuller ist sich allerdings sicher, dass sein Team eine Möglichkeit finden wird, die App auf den Markt bringen zu können. „Entweder müssten wir es in der offiziellen App integrieren oder als allgemeinere Gesundheitsanalyse-Applikation bewerben.“

Forscher aus England tüfteln an ähnlicher App und suchen Freiwillige

Auch im englischen Cambridge forscht man derzeit an einer ähnlichen App wie der von Schuller. Bei der sogenannten „Covid-19 Sounds App“ können Freiwillige ihre Stimme sowie Husten und ihre Atmung aufnehmen. Gleichzeitig sei es möglich, seine Symptome zu schildern.

Studieninteressierte können die Test-App über den Google Play Store oder den App Store runterladen und mitmachen. Dabei ist ganz egal, ob man Corona hat oder nicht. Der Standort des Nutzers würde von der Applikation nicht verfolgt werden.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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