Ansteckungen steigen rasant

„Fühlen uns an März erinnert“: Die Corona-Situation spitzt sich weiter zu - eine Hoffnung bleibt

Das Coronavirus breitet sich nicht nur in NRW rasant aus. Das Infektionsgeschehen ist diffus, die Behörden sind besorgt. Mancherorts fühlt man sich an die Zustände im März erinnert. Eine Hoffnung bleibt.

Nordrhein-Westfalen - Dass das Landeskabinett von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am heutigen Sonntag zu einer Sondersitzung per Videoschalte zusammenkommt, zeigt wie ernst die Situation rund um das Coronavirus in Nordrhein-Westfalen ist. Kein anderes Flächenland verzeichnete in den letzten Tagen eine höhere Ansteckungsrate.

Coronavirus: Nicht nur in NRW spitzt sich die Corona-Lage zu

Nach der Millionenmetropole Köln liegt auch Essen, die viertgrößte Stadt des Bundeslandes, über der kritischen Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Sorgen bereitet, dass die Infektionen mit dem Coronavirus nicht mehr auf einige wenige Superspreader-Events zurückzuführen sind.

Das Infektionsgeschehen ist vielerorts diffus, klassische Hotspots gibt es nicht. „Die Menschen stecken sich unter anderem in den Familien, bei privaten Feiern und in Sportvereinen an“, sagte ein Sprecher der Stadt Solingen, wo die 50er-Grenze ebenfalls überschritten wurde. Ein exklusives NRW-Problem ist das gewiss nicht.

Coronavirus: Stuttgart-OB Kuhn fühlt sich an die Corona-Situation im März erinnert

Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) schlägt Alarm. „Wir fühlen uns stark an die Situation im März erinnert. Immer mehr Fälle werden registriert, das Infektionsgeschehen wird diffuser. Das bereitet uns Sorgen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Bislang entscheiden die Kreise und Städte in Abstimmung mit den Landesbehörden noch selbst über entsprechende Gegenmaßnahmen, um das Coronavirus einzudämmen. Zwar tauschten sich die Oberbürgermeister der elf größten deutschen Städte am Freitag (9. Oktober) in einer Schalte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus. Die Rufe nach einheitlichen Regelungen werden dennoch lauter.

Corona-Situation spitzt sich zu - erwarten uns wieder Zustände wie im März?

Eric Schweitzer (55), Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, beklagt gegenüber der Funke Mediengruppe Rechtsunsicherheiten für bundesweit aktive Unternehmen in Folge unterschiedlicher Corona-Regeln. Der Passauer Neuen Presse sagte DEHOGA-Geschäftsführerin Ingrid Hartges, das Fehlen einheitlicher Regelwerke sei „völlig unbefriedigend“.

Christian Drosten (48), Chefvirologe der Berliner Charité, sieht Deutschland gegenwärtig in einer Übergangsphase. „Das Virus wird sich immer gleichmäßiger verteilen. Wir werden mehr und mehr in eine Situation kommen, wo man besser pauschal reguliert.“ Auch das erinnert an die Corona-Situation im März.

Charité-Virologe Christian Drosten rät zu pauschalen Corona-Regeln.

Ein erneuter radikaler Lockdown wie zu Beginn des Jahres erscheint trotz steigender Ansteckungen mit dem Coronavirus unwahrscheinlich. Er würde wohl auch auf deutlich größeren Widerstand treffen. Laut einer Forsa-Umfrage, die RTL in Auftrag gegeben hat, lehnt die Mehrheit der Deutschen Beschränkungen wie im Frühjahr ab.

Coronavirus: Das Warten auf den Impfstoff geht weiter - Drosten macht Hoffnung

Selbst wenn es nicht zu einem Lockdown à la März kommen sollte, sind Einschränkungen des öffentlichen Lebens angesichts der aktuellen Corona-Entwicklung in Deutschland und NRW aber wohl alternativlos. In der Zwischenzeit geht das Warten auf einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 weiter - die größte Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie.

„Ein Impfstoff ist wohl die entscheidende Säule der Strategie in allen westlichen Ländern“, so Christian Drosten in einem Videointerview gegenüber mehreren Medienvertretern. Die neun laufenden Phase-III-Studien seien vielversprechend, man höre gute Meldungen.

„Es ist nicht so ganz schwierig, gegen Coronaviren Impfstoffe zu machen. Das wissen wir aus der Veterinärmedizin mit reichlicher Erfahrung.“ Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus sei nicht zu vergleichen mit dem jahrzehntelangen Rennen um einen HIV-Impfstoff oder schwer zu beimpfenden Erkrankungen.

„Es ist eine Atemwegserkrankung, da werden wir schon einen Impfstoff finden. Dass der perfekt steril immunisiert, - also eine Impfung und ich bin lebenslang immun - würde ich momentan nicht erwarten. Das ist aber auch nicht das, was wir im Moment brauchen.“

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