Inzidenzen bei Kindern steigen

Corona-Herbstwelle: RKI erwartet Anstieg der Infektionszahlen

RKI-Präsident Lothar Wieler
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RKI-Präsident Lothar Wieler: Das RKI geht von steigenden Corona-Zahlen im Herbst aus. (Symbolbild)

Die Corona-Welle könnte im Herbst – ähnlich wie im letzten Jahr – wieder Fahrt aufnehmen. Das RKI erwartet steigende Zahlen in den kommenden Wochen.

Deutschland – Ende der Homeoffice-Pflicht, normaler Schulalltag und auch Restaurants haben wieder geöffnet: Nach monatelangem Lockdown fühlt sich das Leben aktuell schon (fast) wieder wie früher an. Die Corona-Lage hat sich merklich entspannt. Das Robert Koch-Institut (RKI) dämpft in seinem aktuellen Wochenbericht vom 30. September (Donnerstag) allerdings die Hoffnung auf einen baldigen „Freedom Day“ in Deutschland (weitere Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Corona im Herbst 2021: Virologe Christian Drosten hält Impfquote für unzureichend

Die Ausgangslage ist im Herbst 2021 eine ganz andere als sie es noch im Herbst 2020 war: Schließlich sind rund 65 Prozent der deutschen Bevölkerung mittlerweile geimpft (Stand: 2. Oktober). Im Vergleich zu 2020 infizieren sich zudem weniger ältere Menschen, deren Risiko, schwer zu erkranken, höher ist. Demnach ist auch die Gefahr einer Überlastung des Gesundheitssystems weniger groß als noch in letztem Jahr.

Dennoch mahnte der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, bereits Anfang September in seinem Podcast „Das Corona-Update“ von NDR Info, dass sich die Lage im Herbst wieder verschärfen werde. Denn die erforderlichen Impfquoten, um eine vierte Welle abzumildern, seien nichts als „Utopie“.

Der Berliner Charité-Virologe Christian Drosten ist pessimistisch, dass Deutschland durch Impfangebote eine akzeptable Impfquote erreichen kann.

Zu Erinnerung: Nach einer Modellierung des RKI aus Juli 2021 müssten mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, um die vierte Welle flach zu halten.

Corona: Das RKI warnt im aktuellen Wochenbericht vor steigenden Zahlen im Herbst

In seinem aktuellen Wochenbericht von Donnerstag (30. September) erklärt jetzt auch das RKI, man gehe von wieder steigenden Corona-Zahlen aus. Und das, obwohl die Zahlen aktuell in den meisten Bundesländern sinken – in NRW beispielsweise von 75 in der Vorwoche auf jetzt 59 (Stand 30.9.).

Die derzeitige positive Entwicklung führt das RKI auf verschiedene Faktoren zurück, wie den Rückgang des Sommerreiseverkehrs oder die Einführung der 2G- bzw. 3G-Regeln bei Fortbestehen der AHA+L-Regeln in vielen Bereichen.

Die Werte seien zwar innerhalb der letzten drei Wochen leicht zurückgegangen, so das RKI, dennoch erwarte man wieder mehr Infektionen:

Ein Anstieg der Infektionszahlen im Herbst und Winter ist zu erwarten. Gründe dafür sind insbesondere die noch immer große Zahl ungeimpfter Personen und mehr Kontakte in Innenräumen

RKI wöchentlicher Lagebericht 30.9.2021

Droht 2021 eine Herbst-Welle? Bereits mehr Infektionen als im Vorjahr – vor allem unter Kindern

Bereits jetzt seien die Fallzahlen „deutlich höher“ als im Vorjahr. Zum Vergleich: Die deutschlandweite 7-Tage-Inzidenz liegt laut RKI-Bericht in Meldewoche 38/ 2021 bei 64, am 30.9.2020 lag die Inzidenz laut damaligem Situationsbericht bei nur 14,5.

Besonders hoch sind die Inzidenzen aktuell bei Kindern und Jugendlichen. So liegt die Inzidenz in der Altersgruppe von 5 bis 9 Jahren bei 139 und bei Zehn- bis Vierzehnjährigen sogar bei 168.

Herbst-Beschränkungen oder Freedom Day? Die Experten sind uneinig

Trotz dieser Entwicklung wurden zuletzt Stimmen gegen die Maskenpflicht für Schüler laut. So erklärt der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Ich halte eine generelle Fortsetzung einer Maskenpflicht in Schulen für unangemessen“.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hatte kürzlich sogar die Aufhebung aller Corona-Beschränkungen zum 30. Oktober gefordert. Ein solcher „Freedom Day“ nach britischem Vorbild könnte auch noch mehr Menschen dazu animieren, sich impfen zu lassen, so Gassen.

Andere wie Virologin Dr. Jana Schroeder warnen hingegen vor dem Aufheben aller Maßnahmen. Ein „Freedom Day“ sei jetzt im Herbst aus infektiologisch-virologischer Sicht „wirklich nicht sinnvoll“, bemerkt Frau Dr. Schroeder gegenüber t-online. Als Grund nennt die Virologin dabei auch die RS-Viren bei Kindern sowie eine drohende Grippewelle – was beides die Situation in den Krankenhäusern noch zusätzlich verschärfen könnte.

Video – Corona im Herbst: Diese Bundesländer haben 2G-Regeln eingeführt

Virologin: Ende der Corona-Pandemie voraussichtlich im Frühling 2022

Einen solchen „Freedom Day“ lege man daher besser ins kommende Frühjahr, meint Dr. Jana Schroeder laut dem Bericht von t-online. Denn im nächsten Frühjahr sei die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass die Pandemie dem Ende entgegengehe. Ähnlich hatte sich kürzlich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zum Ende der Pandemie geäußert. Auch Spahn geht davon aus, dass wir im nächsten Frühling „zur Normalität“ zurückkehren können.

Mit dem Ende der Pandemie gebe es dann ein ganz neues 3G, erklärt die Virologin gegenüber t-online: nämlich genesen, geimpft oder gestorben. Eines sei schließlich sicher: Ohne Immunität werde es keine Normalität geben. Und Immunität sei eben nur über Infektion oder über Impfung zu erreichen.

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