Weitere Maßnahmen geplant

„Großes Risiko“ – Söder und Merkel warnen vor Virus-Mutation

Überraschung auf der gestrigen Pressekonferenz: Im Anschluss an das Bund-Länder-Treffen gab es ein klares Hauptthema – die Gefahr durch die Virus-Mutation.

Deutschland – Die Bund-Länder-Gespräche sowie die damit verbundenen neuen Corona-Beschlüsse wurden bereist im Vorfeld von unzähligen Deutschen mit Spannung erwartet. Auf der anschließenden Pressekonferenz stellten Angela Merkel, Markus Söder und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller klar: Lockerungen wird es erstmal nicht geben. Für viele überraschend eindringlich warnten Kanzlerin und Minister dabei vor einer potenziellen Gefahr durch die neue Virus-Mutation aus Großbritannien. (Alle NRW-News zum Coronavirus im Liveticker auf RUHR24.de.)

Angela MerkelBundeskanzlerin seit 2005
ParteiCDU
Geboren17. Juni 1954

Verlängerte und verschärfte Corona-Regeln – neue Mutante macht Politikern große Sorge

In der Pressekonferenz machte Angela Merkel deutlich: Das erklärte Ziel der nächsten Zeit ist es, dass die 7-Tage-Inzidenz auf unter 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner sinkt. Der Grund: Die Infektionswege müssen wieder nachverfolgbar sein.

Neben einer Verlängerung aller im Dezember beschlossenen Maßnahmen bis zum 31. Januar, wurden daher sogar noch verschärfte Regeln beschlossen. Bei weiter hohen Fall- und Todeszahlen ist es vor allem die Situation in den Krankenhäusern – insbesondere Intensivstationen, die den Politikern aktuell Sorge bereitet.

Wer die Pressekonferenz verfolgt hat, dem wurde aber auch schnell deutlich, dass darüber hinaus die Virus-Mutation des Coronavirus Sars-CoV-2 bei den Entscheidungen eine wesentliche Rolle spielte. Sowohl Angela Merkel selbst als auch Söder und Müller verwiesen immer wieder auf diese unbekannte Gefahr. Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer warnte zuvor im Einzelinterview vor der neuen Virus-Variante.

„Neue und besondere Lage“ – Aussagen der Politiker zum Risiko durch Corona-Mutante

Im Verlauf der PK wurde mehr als deutlich: Die Politiker sind sehr besorgt, dass die neue Virus-Mutante die Situation in Deutschland noch verschärfen könnte. So sprach Merkel davon, dass wir eine „neuen und besondere Lage“ hätten und „besonders vorsichtig“ sein müssten. Auch Söder hat „große Sorge“ und befürchtet, es käme vielleicht „noch einiges auf uns zu“.

Zugleich stellen die Politiker aber auch klar, dass es sich um verschärfte Vorsichtsmaßnahmen handele und es noch keine eindeutigen Ergebnisse zur Gefahr durch die Mutante gäbe. Die Expertenanhörung im Vorfeld der Bund-Länder-Gespräche hat aber wohl berechtigten Grund zur Besorgnis gegeben.

So verweist Merkel unter anderem auf ein Gespräch mit Virologe Christian Drosten. Die Befürchtung sei demnach, dass die neue Virus-Variante sich deutlich schneller ausbreiten und gegen andere Virenstämme durchsetzen könnte.

Eben das ist auch die Hauptbefürchtung vieler Experten: Die Virus-Mutante könnte den Pandemie-Verlauf verschärfen, da sie sich noch leichter von Mensch zu Mensch übertragen könnte. (mehr News zum Coronavirus auf RUHR24.de)

Keine Schulschließungen: Virus-Mutation Gefahr für Kinder?

Eltern bereitet außerdem eine Aussage Söders Sorge. Der Bayerische Ministerpräsident gab an, die Schulen könnten „eine zentrale Rolle“ bei der Ausbreitung des neuen Virus spielen.

Es ist aber bereits bekannt, dass der neue Erreger eventuell auch leichter durch Kinder übertragen wird. Dementsprechend blieb wohl auch bei den Schul- und Kitaschließungen kein Spielraum für Lockerungen.

Video: Britische Mutation erstmals ihn Deutschland nachgewiesen

Neues Corona-Virus ist auf dem Vormarsch: Was Forscher wissen

Mitte Dezember entdeckten britische Forscher erstmals eine mutierte Form des Coronavirus. Die neue Variante B.1.1.7 wurde mittlerweile schon in den USA, Brasilien sowie in der EU, insbesondere Dänemark nachgewiesen. Auch in Deutschland und Österreich sind erste Fälle bekannt.

Die gute Nachricht: Bislang gibt es keine Hinweise dafür, dass diese Variante einen schwereren Krankheitsverlauf oder eine höhere Mortalität (Sterberate) verursacht. Was die Virus-Mutante so gefährlich macht, ist vielmehr ihre höhere Übertragungsrate. Die von dieser Mutation ausgelöste Krankheit ist dementsprechend – nach jetzigen Erkenntnissen – wahrscheinlich deutlich ansteckender.

Virus-Mutante: Worin die große Gefahr besteht

Gleichzeitig könnte sie sich gegen die anderen Virenstämme durchsetzen. Virologin Isabella Eckerle aus Genf sagte gegenüber Zeit Online: „Ich mache mir ehrlich gesagt große Sorgen“. Denn die Mutation werde sich in anderen Ländern wahrscheinlich „ebenso durchsetzen wie in Großbritannien.“

In einer Studie stellten britische Forscher Ende Dezember fest, dass die Mutante hier bereits die vorherrschende Variante ist. Die damit verbundene Befürchtung, die auch die deutschen Politiker nervös macht: Durch die höhere Ansteckungsrate könnte es insgesamt deutlich mehr Fälle – und damit auch mehr schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle geben.

Grafik: Mutationen können für Viren vorteilhaft sein

Coronavirus Mutation

Gefahr durch Corona-Mutation – keine abschließende Klarheit

Dabei gilt: Sämtliche der Erkenntnisse sind vorläufig. Welche Gefahr wirklich vom neuen Virenstamm B.1.1.7 ausgeht und wie er sich auf den Verlauf der Pandemie auswirkt, bedarf weiterer Studien. 

Drosten schätzt aktuell, dass es noch bis Ostern dauern könnte, bis Mediziner die Gefahr durch die Virus-Variante besser einschätzen können. Das teilte er am Dienstag in seinem Podcast „Corona aktuell“ mit.

Harte Maßnahmen gegen die Virus-Mutante B.1.1.7 – Einreisekontrollen, Sequenzierung

Sämtliche Forschungsergebnisse, die bislang international gewonnen wurde, sind aber scheinbar so beunruhigend, dass sie keine weiteren Lockerungen der Corona-Maßnahmen zulassen. Mit den Maßnahmen zu eingeschränkten Bewegungsfreiheit von 15 Kilometern und der Kontaktbeschränkung auf eine Person außerhalb des eigenen Hausstands kommen sogar noch Verschärfungen hinzu.

Außerdem will die Bundesregierung auf Basis des dritten Bevölkerungsschutzgesetzes eine Verordnung zur verstärkten Sequenzierung erlassen, um die Mutationen in Deutschland zu entdecken und nachzuverfolgen. Denn, um eine Mutation festzustellen, werden die RNA-Sequenzen im Labor untersucht und anschließend mit dem Referenzgenom des Coronavirus vergleichen.

Darüber hinaus gab Merkel auf Anfrage eines Reporters an, dass auch die Einreisekontrollen weiter verschärft würden, um zu vermeiden, dass das neue Virus nach Deutschland gelangt. Dazu heißt es im neuen Beschluss: „Bei nicht vermeidbaren Einreisen aus Gebieten, in denen solche mutierten Virusvarianten vorkommen, wird die Bundespolizei die Einhaltung der besonderen Einreisebestimmungen verstärkt kontrollieren.“

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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