Corona-Pandemie

Experte fordert Urlaubs-Verbot: „Ohne Impfung keine Freiheiten“

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz fordert massive Freiheitseinschränkungen für Corona-Ungeimpfte. Urlaubsreisen dürften ihnen nicht gestattet werden.

Dortmund – Es sind harte Forderungen die Peter Heinz, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Kassenärztlichen Vereinigung stellt: Für Nicht-Geimpfte dürfe es keine Freiheiten zurückgeben. Ungeimpften sollte es weder gestattet sein, ins Stadion zu gehen, noch ins Schwimmbad und erst Recht nicht in den Urlaub zu fahren, berichtet RUHR24*. Auch nicht, wenn ein negativer Corona-Test vorliegt – denn anders als eine Impfung „schütze das Freitesten ja nicht“.

VirusCoronavirus/SARS-CoV-2
Impfstoffe vonBiontech/Pfizer, Johnson & Johnson, Moderna, AstraZeneca (u.a.)
Impfquote Deutschland41,5 %

Reise-Verbot für Ungeimpfte: Freitesten schützt nicht vor einer Infektion

In einem Interview mit der Rhein-Zeitung brachte der Kassenarztchef seine Forderungen auf den Punkt: „Ungeimpfte dürfen nicht mehr reisen“. Selbst mit einem negativen Test, mit dem man bisher auch als Ungeimpfter fast alle Freiheiten wie ein Geimpfter genoss*, nicht. Denn der schütze den Reisenden und die Gesamtgesellschaft in Deutschland nicht. Laut SWR soll Heinz dazu erklärt haben: Wer mit negativem PCR-Test auf eine Insel in den Urlaub fährt, könne sich dort sehr wohl mit Corona anstecken. Anschließend käme der Urlauber wieder nach Hause und bringe das Virus mit. Er betont: „Das Freitesten schützt nicht!“

Für den Kassenarztchef steht außer Frage, dass es ohne eine vollständige Impfung keine Freiheiten wie für Geimpfte geben könne. Zudem sieht er den Impffortschritt in Deutschland in Gefahr, wenn nun auch Ungeimpfte ihre Freiheiten zurückerhielten. „Wer Ungeimpften Freiheiten zurückgibt, verspielt die Chance, alle Menschen mit der Impfung zu erreichen“, so Heinz laut einem Bericht des SWR. Ungeimpfte seien eine Gefahr für die Gesellschaft. Daher dürften sie auch nicht die gleichen Freiheiten wie Corona-Geimpfte bekommen.

Urlaub nur mit Impfung: Impfunwillige schwer zu erreichen

In Deutschland sind nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit inzwischen 41,5 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft (Stand 8. Juli). NRW liegt im Bundesdurchschnitt dabei weit vorne: 44,9 Prozent der Menschen in NRW* sind vollständig geimpft. Besser sieht es nur im Saarland aus, hier sind 46,2 Prozent der Menschen geimpft. Rheinland-Pfalz, dem Bundesland in dem Peter Heinz Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung ist, kommt auf 40,6 Prozent.

Der Nachweis, gegen Corona-Geimpft zu sein, bringt schon jetzt viele Freiheiten mit sich.

Ein Blick in die Länder zeigt jedoch: Je mehr Menschen vollständig geimpft sind, desto schwieriger wird es, auch den Rest der Bevölkerung zu erreichen. Das Impftempo nimmt ab, die Appelle der Bundesregierung werden lauter, die angebotenen Impftermine doch bitte auch wahrzunehmen.

Der aktuell gute Impffortschritt in Deutschland könnte also in Kürze ins Stocken geraten – der Weg zu Herdenimmunität, welche erst angenommen werden kann, wenn 85 Prozent der Deutschen zwischen 12 und 59 Jahren geimpft sind, wird immer länger. Denn übrig bleiben die, die zögern, skeptisch gegenüber der Impfung sind oder sich mit den Worten des Weltärztebund-Vorsitzenden Frank Ulrich Montgomery „ums Verrecken nicht impfen lassen wollen“.

Verbot für Nicht-Geimpfte im Ausland Urlaub zu machen? Kassenarztchef mit harter Forderung

Eine Impfpflicht lehnt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Peter Heinz jedoch ab. Auch Impfprämien hält Heinz für „absurd“. Druck müssen trotzdem auf alle ausgeübt werden, die sich nicht impfen lassen wollen. Ohne diesen könne man Menschen nicht überzeugen. Ein Reise-Verbot für Ungeimpfte dürfte jedenfalls massiven Druck auf Impfunwillige ausüben.

Ein Verbot, Urlaub im Ausland zu machen, ist vonseiten der Bundesregierung bislang nicht angedacht, doch auch so gibt es bereits Einschränkungen. Zuletzt entschied Malta nur noch Geimpfte ins Land zu lassen. Spanien wurde erneut zum Risikogebiet*erklärt. Die Einstufung bringt vor allem für Ungeimpfte neue Einschränkungen mit sich.

Dass seine Forderungen einer versteckten Impfpflicht gleichkäme, sieht Peter Heinz allerdings nicht so. Stattdessen bezeichnet er die massiven Freiheitsbeschränkungen für Nicht-Geimpfte als eine „zwangsläufige Schlussfolgerung aus einer pandemischen Lage“. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © John-Patrick Morarescu/dpa

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