Konsequenzen für Urlauber

Urlaubs-Regeln für Corona-Risikogebieten, Hochinzidenzgebieten und Virusvariantengebieten

Spanien ist Risikogebiet, Portugal wurde vom Virusvarianten- zum Hochinzidenzgebiet heruntergestuft. Doch was ist eigentlich der Unterschied der Einstufungen?

Dortmund – Erst am Freitag (9. Juli) hatte die deutsche Bundesregierung Spanien erneut zum Risikogebiet eingestuft. Grund dafür sind die steigenden Infektionszahlen – vermutlich aufgrund der Delta-Variante. Was bedeutet das nun für die Urlauber? Und was ist der Unterschied, ob ein Land ein Hochinzidenz- oder ein Virusvariantengebiet ist?

Leitforschungseinrichtung der deutschen BundesregierungRobert Koch-Institut (RKI)
Hauptsitz Berlin
LeiterProfessor Dr. Lothar H. Wieler (seit 1. März 2015)

Spanien ist Risikogebiet: Was ist der Unterschied zu Virusvarianten- und Hochinzidenzgebieten?

Meldungen wie diese gab es in den letzten Wochen viele. Mal wurde ein Land zum Hochinzidenzgebiet erklärt, mal zum Virusvariantengebiet. Ein anderes Mal wurde die Einstufung vom Auswärtigen Amt und vom Robert Koch-Institut zurückgenommen oder geändert – wie zuletzt in Großbritannien oder Portugal.

Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet – Begriffe, die zwar im Zuge der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen haben und plötzlich in aller Munde sind, aber zugleich sind es auch Begriffe, die nicht ganz einfach einzuordnen sind. Viele Urlauber sind inzwischen verunsichert und wissen nicht mehr genau, welche Einstufung nun welche Konsequenzen mit sich bringt. RUHR24 hat sich deshalb die Regelung einmal im Detail angesehen und bringt Licht in den Begriffsdschungel.

Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet: Das bedeutet die Einstufung

Zunächst einmal gilt: Ob ein Land als Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet einzustufen ist, entscheidet das Robert Koch-Institut (RKI). Doch das macht die Behörde nicht alleine, sondern in der Regel in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt oder Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Alle betroffenen Länder werden dann in einer Liste auf der Internetseite des RKI aufgeführt und kontinuierlich aktualisiert. Die gesetzliche Grundlage dafür wird in Deutschland in der Coronavirus-Einreiseverordnung (CoronaEinreiseV) festgesetzt. Diese Länder sind aktuell in Europa jeweils als Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet eingestuft:

Je nach Einstufung unterscheiden sich für Urlauber die Regeln bei der Einreise, bei der Rückkehr sowie bei der Quarantänepflicht. Auch der sogenannte 3G-Nachweis hat inzwischen an Bedeutung gewonnen, also der Nachweis, ob man geimpft, genesen oder getestet ist. Das sind die Regeln für Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete im Überblick:

Einstufung als Risikogebiet: Was Urlauber jetzt wissen müssen

Das RKI versteht unter einem Risikogebiet Länder und Regionen, in denen ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Gründe für die Einstufung können hohe Fallzahlen, eine geringe Informationslage oder unzureichende Maßnahmen vor Ort sein. Fährt man trotz allem in ein Risikogebiet oder möglicherweise ändert sich die Einstufung während des Urlaubs, müssen folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Wer aus einem Risikogebiet einreist, muss sich zwingend auf das Coronavirus testen lassen. Dabei werden PCR-Tests oder auch Antigen-Tests anerkannt. Der Test kann durch den Nachweis einer vollständigen Impfung oder einer Genesung ersetzt werden.
  • Der Nachweis muss spätestens 48 Stunden nach der Einreise aus einem Risikogebiet über das Einreiseportal unter www.einreiseanmeldung.de hochgeladen werden. Unabhängig davon muss man sich auf dem Portal ohnehin für die Einreise nach Deutschland registrieren.
  • Wird kein negativer Test, ein Impf- oder Genesenen-Nachweis vorgelegt, gilt eine zehntägige Quarantänepflicht. Diese kann aber jederzeit durch den Corona-Test verkürzt werden.
  • Die Regeln entfallen, wenn man sich weniger als 72 Stunden in dem Risikogebiet aufgehalten hat.

RTL-Reiseexperte Ralf Benkö beruhigt die Reisenden, die ihren Urlaub 2021 möglicherweise in einem Risikogebiet gebucht haben und nun vor der Frage stehen, ob sie ihre Reise umbuchen oder gar stornieren sollten. Die Erklärung zum Risikogebiet hat „keine allzu großen Auswirkungen auf die Rückreise der Urlauber. Testen lassen muss man sich sowieso, wenn man nicht geimpft oder genesen ist, und mit dem negativen Testergebnis kann man die Quarantäne bei einem Risikogebiet vermeiden, also hätte das auch keine gravierenden Auswirkungen“, erklärt Benkö bei RTL.

Hochinzidenzgebiet: Welche Regeln Urlauber jetzt beachten müssen

Hochinzidenzgebiete sind Regionen mit besonders hohen Fallzahlen und folglich mit deutlich erhöhter Ansteckungsgefahr. In der Regel werden Länder zum Hochinzidenzgebiet erklärt, deren Inzidenz über 200 liegt. Für Urlauber bedeutet das ähnlich wie bei Risikogebieten, dass sie sich bei der Einreise nach Deutschland auf dem Portal www.einreiseanmeldung.de anmelden müssen.

Diese Anmeldung sollten Reisende mit sich führen, da sie gegebenenfalls bei Fluggesellschaften, Busunternehmen oder bei einer Grenzkontrolle vorgezeigt werden muss. Ebenso ist der 3G-Nachweis zwingend erforderlich. Im Gegensatz zur Einreise aus einem Risikogebiet muss dieser laut dem Auswärtigen Amt allerdings bereits bei Rückkehr vorliegen und kann nicht nachgereicht werden

Wer aus einem Hochinzidenzgebiet nach Deutschland einreist, muss 10 Tage in Quarantäne. Mit einem negativen Test kann die Dauer verkürzt werden.

Für Hochinzidenzgebiete gilt außerdem: Bei der Rückkehr muss man sich zehn Tage lang in häusliche Quarantäne begeben. Laut RKI kann die Dauer frühestens fünf Tage nach der Einreise durch einen negativen Test verkürzt werden. Ausnahmen bestehen für diejenigen, die vollständig geimpft oder genesen sind und das über das Einreiseportal übermittelt haben.

Ein Land ist ein Virusvariantengebiet: Was heißt das?

Für Länder, die als Virusvariantengebiet eingestuft werden, gelten mitunter die strengsten Regeln. Die Erklärung erfolgt immer dann, wenn sich in Risikogebieten, eine Variante des Coronavirus – so wie derzeit die Delta-Mutation – ausbreitet, die zeitgleich aber noch nicht in Deutschland dominierend auftritt.

Ist das der Fall, ist folgendes bei der Rückkehr nach Deutschland zu beachten:

  • Nach Aufenthalt in Virusvariantengebieten dauert die Quarantäne 14 Tage. Sie kann nicht vorzeitig durch einen entsprechenden Nachweis verkürzt werden.
  • Reisende aus einem Virusvariantengebiet müssen grundsätzlich bereits bei Einreise einen negativen Testnachweis mit sich führen. Dieser darf höchstens 24 Stunden alt sein.
  • Zusätzlich kann der Nachweis einer Impfung oder Genesung vorgezeigt werden – er ersetzt aber nicht die Testpflicht.
  • Generell gilt jedoch: Für Virusvariantengebiete besteht ein Beförderungsverbot. Beförderungsunternehmen, wie unter anderem Flug- oder Bahngesellschaften dürfen keine Personen aus diesen Ländern nach Deutschland befördern. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel für Personen mit Wohnsitz in Deutschland.

Das RKI passt auch die Liste der Virusvariantengebiete in regelmäßigen Abständen an. Derzeit sind unter anderem Brasilien, Südafrika oder Namibia als solches eingestuft. Prinzipiell ist das Reisen in die betroffenen Regionen nicht verboten, doch das Auswärtige Amt spricht eine Reisewarnung für die Länder aus, die als Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet eingestuft sind. Heißt: Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen wird gewarnt.

Risiko-, Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiet: Was bei Verstoß gegen die Regeln droht

Allerdings sollten Urlauber auch wissen, dass laut Infektionsschutzgesetz Strafen drohen, wenn man sich nicht an die Maßnahmen hält. Beispielsweise ist bei einem Verstoß gegen die Quarantäneregeln Bußgeld oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Wer die Auflagen verletzt und dabei weitere Personen ansteckt, muss sogar mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Reiserückkehrer sind laut Businessinsider dazu verpflichtet, bei Nachfrage Auskunft über ihre Identität oder ihre Urlaubsroute anzugeben. Gibt man falsche Daten an oder weigert sich, begeht man eine Ordnungswidrigkeit – und die kann teilweise ein Bußgeld mit bis zu 25.000 Euro bedeuten.

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner

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