Geteilte Meinung unter Experten

Virologin zeichnet düsteres Corona-Bild: Sterben hunderte Kinder in Deutschland?

Kinder bei einer Einschulung
+
Eine Virologin warnt aktuell vor dem Tod hunderter Kinder – wie gefährlich ist Corona wirklich? (Symbolbild)

Aktuell werden immer mehr Kinder positiv auf das Coronavirus getestet. Aber wie gefährlich ist eine Infektion wirklich? Eine Virologin zeichnet ein düsteres Bild.

Dortmund – Die vierte Corona-Welle rollt bereits. Das ist nicht nur problematisch für die ältere Bevölkerung, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Eine Virologin befürchtet sogar den Tod hunderter Kinder durch die vierte Coronavirus-Welle.

CoronavirusSars-CoV-2
KrankheitCovid-19
Symptome (unter anderem)Husten, Fieber, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn

Corona bei Kindern: Durchseuchung hat begonnen – wie gefährlich ist das?

Der Schulstart nach den Sommerferien und die vierte Corona-Welle krachten geradezu ineinander. In NRW waren zeitweise über 30.000 Kinder in Quarantäne. Laut Schulministerium Yvonne Gebauer (FDP) sei in dieser Gruppe bei etwa 0,35 Prozent – 6561 Kindern und Jugendlichen – tatsächlich eine Corona-Infektion nachgewiesen worden (mehr News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

„Die Durchseuchung der Kinder mit dem Coronavirus hat begonnen“, erklärt auch Immunologe Prof. Reinhold Förster. Das Landeszentrum Gesundheit in NRW teilt Ende August eine 7-Tage-Inzidenz von 328,4 bei den Fünf- bis Neunjährigen, bzw. 384,8 bei den Zehn- bis 14-Jährigen mit. Aber wie gefährlich ist eine Infektion bei Kindern wirklich?

Corona: Virologin befürchtet den Tod hunderter Kinder in Deutschland

Die Virologin Melanie Brinkmann zumindest rechnet in einem Zeit-Interview mit vielen Todesfällen unter Kindern. Wie die WAZ aus dem Interview zitiert, erklärt die Expertin, dass laut eines US-Reports 0,1 bis 1,9 aller positiv getesteten Kinder im Krankenhaus behandelt würden. „Von diesen Kindern sterben bis zu drei Prozent“, sagte Brinkmann.

Bei mehreren Millionen ungeimpften Kindern im Land sei das laut Brinkmann sehr viel. „Es könnten in Deutschland also mehrere Hundert Kinder und Jugendliche im kommenden Winter ihr Leben verlieren, wenn die nicht geimpften Kinder und Jugendlichen durchseucht würden, was ich persönlich für vollkommen falsch hielte.“

Corona-Infektion bei Kindern: Experten sind geteilter Meinung zur aktuellen Gefahr

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte bereits vor einer Corona-Durchseuchung bei Kindern. Dabei verwies der Wissenschaftler laut Redaktionsnetzwerk Deutschland auf Großbritannien, wo derzeit viele Kinder mit Covid-19 in den Kliniken behandelt werden müssten.

Doch gibt es auch Experten, die die Alarmbereitschaft von Brinkmann und Lauterbach nicht zu teilen scheinen. Auf eine Anfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland teilt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit: „Nach den jetzigen Erkenntnissen scheint auch die Delta-Variante in ihren Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche bezüglich schwerer Erkrankungen relativ harmlos zu sein.“

Viele Kinder werden positiv auf das Coronavirus getestet, doch nicht alle erkranken auch an Covid-19.

Tödliche Corona-Verläufe bei Kindern: Studien lassen sich nicht immer übertragen

„An Covid-19 schwer erkrankte Säuglinge und Kleinkinder sind in Deutschland eine Seltenheit“, erklärt auch Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Universitäts-Kinderklinik Leipzig, gegenüber der Apotheken Umschau. Im gleichen Interview mit der Zeitschrift erklärt Jakob Maske, Kinderarzt und Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, dass nicht jede Studie auf Deutschland anwendbar sei.

Video: Coronavirus-Pandemie – alle Fakten rund um das neue Virus

Oft handele es sich um Studien aus anderen Ländern mit völlig anderen Begebenheiten. In den USA beispielsweise sei Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen deutlich ausgeprägter als in Deutschland. Auch das sei ein Risikofaktor für schwere und tödliche Verläufe. „Das drücken auch die dramatisch hohen Zahlen dort aus. Dennoch lassen sich diese nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen“, erklärt der Kinderarzt.

Mehr zum Thema