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Experte deckt Mythos von „schwarzen Würmern“ in Corona-Tests und FFP2-Masken auf

Tummeln sich auf Corona-Tests etwa Parasiten? Ein Experte klärt auf.
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Tummeln sich auf Corona-Tests etwa Parasiten? Ein Experte klärt auf.

Es kursiert die Meldung, auf Corona-Tests würden sich „schwarze Würmer“ tummeln. Ein Experte hat sich das Phänomen nun genauer angesehen und deckt auf, was hinter den vermeintlichen Parasiten steckt.

NRW – Kaum hatte das Coronavirus im vergangenen Jahr begonnen, sich weltweit auszubreiten, kursierten nahezu im gleichen Ausmaß die ersten Verschwörungstheorien rund um die Entstehung des Coronavirus. Seit einigen Tagen geistern erneut zahlreiche Videos in den sozialen Netzwerken über vermeintlich schwarze Würmer in den Corona-Tests umher. Was steckt dahinter?

NameDr. Mark Benecke
PromotionUniversität Köln
ForschungsgebietForensik und Entomologie

Corona-Test und FFP2-Maske: Was steckt hinter den „schwarzen Würmern“?

Die Videos und Bilder zeigen Ausschnitte von Corona-Teststäbchen unter einem Mikroskop. Auf den weißen Tupfern sind dann dunkle Fäden zu sehen. Die Nachrichten und Vermutungen, um was es sich bei den „schwarzen Würmern“ handeln könnte, überschlagen sich regelrecht.

Die Sprache ist von Parasiten, Robotern, Metallfäden mit Widerhaken, tödlichem Ethylenoxid oder sogenannten Morgellons – eine Bezeichnung für eine selbst diagnostizierte Hauterkrankung, die Fasern auf oder unter der Haut als Ursache hat. Es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Hinweise auf eine solche Krankheit.

Parasiten im Corona-Test? Das ist an der Verschwörungstheorie dran

Was steckt hinter diesem Phänomen? Handelt sich dabei tatsächlich um einen Fremdkörper, der sich in den Corona-Tests oder in den FFP2-Masken befindet? Oder ist es ein weiteres Märchen von Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern?

Die Videos zeigen, wie auf einer FFP2-Maske oder einem Corona-Test unterm Mikroskop betrachtet, kleine schwarze wurmartige Gebilde auftauchen. Sie scheinen sich außerdem zu bewegen. Wurden die Corona-Utensilien etwa nicht steril verpackt und sind verunreinigt?

Andere vermuten hinter den „schwarzen Würmern“ auch Rückstände des Pflanzenschutzmittels Ethylenoxid. Damit sollen die Corona-Tests zur Sterilisation behandelt worden sein. Die Substanz steht im Verdacht krebserregend zu sein, weshalb der Mythos im Raum steht, die Menschheit solle mit den Tests ausgelöscht werden.

Schwarze Fäden im Corona-Test und der FFP2-Maske: Ein Experte klärt auf

Inzwischen haben sich auch einige Experten die dunkeln Fäden genauer angesehen und schnell eine Erklärung für die vermeintlichen Lebewesen oder Metallfäden im Corona-Test gefunden. Der Hintergrund ist überraschend unspektakulär.

Wie Correctiv in Rücksprache mit Herstellern und Behörden und nach eigener Überprüfung im Labor herausgefunden hat, handelt es sich bei den „schwarzen Würmern“ lediglich um Stofffasern. Es geht keinerlei Gesundheitsgefahr von den dunkeln Fäden aus. Unter dem Mikroskop bewegen sie sich aufgrund von elektrostatischer Aufladung oder durch einen Luftzug beim Ausatmen.

Video: Corona: Wie geht man mit Verschwörungstheoretiker um?

Corona-Test verunreinigt? Schwarze Würmer sind vermutlich Stofffasern

Aber wie gelangen die Fasern auf die Corona-Abstriche? Correctiv hat dafür mit dem Forensiker und Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke gesprochen, der eine simple Erklärung für das Phänomen hat. „Es könnte zum Beispiel eine Faser sein, die in der Fabrik, in der die Tupfer produziert werden, herumfliegt und sich zum Beispiel von der Arbeitskleidung der Angestellten dort gelöst hat“, sagt Benecke. 

Auch wenn nicht hundertprozentig gesagt werden kann, wie und warum die Faser auf den Corona-Abstrich gekommen ist, ist sich der Experte sich: Es handelt sich keineswegs um parasitäre Lebewesen. Und auch Stofffasern sind für den Menschen völlig ungefährlich. „Wir atmen den ganzen Tag Fasern ein. Der Schleim unserer Schleimhäute und die Härchen in der Lunge transportieren diese wieder ab.“

Und weiter: „Das einzige, was in einer staubfreien Umgebung hergestellt wird, sind Computerchips. Die Umgebung, in der die Stäbchen hergestellt werden, muss weder staubfrei, noch fusselfrei, noch steril sein. Das ist überhaupt nicht notwendig.“ 

Verschwörungstheorien über Corona-Tests: So funktioniert die Sterilisation wirklich

Die Corona-Tests werden nämlich erst nach der Herstellung sterilisiert. Und dafür wird laut Benecke tatsächlich unter anderem Ethylenoxid verwendet. Die Menge des Gases, die allerdings genutzt wird, um Keime, Viren oder Bakterien abzutöten, sei so gering, dass davon keine Gefahr ausgeht, erklärt der Experte in einem YouTube-Video.

Der Forensiker und Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke hat sich den Mythos über die Corona-Tests genauer angesehen.

Bevor ein Medizinprodukt auf den Markt kommt, muss es ein Prüfverfahren durchlaufen. Dabei wird nachgewiesen, dass ein Produkt sicher ist sowie die technischen und medizinischen Leistungen erfüllt, erklärte eine Pressesprecherin des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gegenüber Correctiv.

Ethylenoxid im Corona-Test: Ein Besuch an der Tankstelle ist gefährlicher

Das heißt konkret: Werden Grenzwerte mit Ethylenoxid überschritten, kommt das Produkt nicht in den Warenumlauf oder wird wieder aus dem Verkehr genommen. Das ist zum Beispiel häufig der Grund für Rückrufe von Lebensmitteln. Insbesondere bei Sesam werden häufig Rückstände von Ethylenoxid nachgewiesen, die über dem in der EU zugelassenen Grenzwert liegen.

Der Forensiker gibt für die Corona-Tests also Entwarnung. Der Sterilisationsprozess wird extrem streng kontrolliert, um sicherzustellen, dass alle verbleibenden Rückstände ungefährlich für den Menschen sind. Er vergleicht die Gefahr daher mit dem Besuch einer Tankstelle: „Das, was man dort an giftigen Stoffen einatmet, ist das Vielfache davon.“

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