Drei Anbieter am Markt

Corona-Schnelltests für zu Hause: So geht es jetzt in Deutschland weiter

Der Bundesgesundheitsminister überrascht nach scharfer Kritik mit Ankündigung: Die ersten Corona-Selbsttests werden heute zugelassen.

Update, Mittwoch (24. Februar), 9.30 Uhr: Überraschende Wendung bei den Corona-Selbsttests: Wie der WDR und das ZDF berichten, hat Gesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) in einem Interview im ZDF-Morgenmagazin angekündigt, die ersten drei Produkte würden am heutigen Mittwoch zugelassen. „Wir werden heute die ersten drei Selbsttests genehmigen“, sagte Spahn gegenüber dem ZDF. Diese wären dann „in den nächsten Tagen“ im Handel, zum Beispiel in Discountern, erhältlich.

CoronavirusSARS-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Die Corona-Selbsttests sind so konzipiert, dass sie auch von Laien durchgeführt werden können, sind allerdings nicht so genau wie PCR-Tests. In Österreich kommen sie beispielsweise schon in den Schulen zum Einsatz. Kommende Woche würden weitere Selbsttests genehmigt, so Spahn.

Der Bundesgesundheitsminister war zuvor stark in die Kritik geraten, da die angekündigten kostenlosen Schnelltestes, die durch medizinisches Personal durchgeführt werden sollten, wohl noch nicht ab März starten können. Die Opposition hatte bereits von „Fiasko“ und „Versagen“ gesprochen. Über das weitere Vorgehen in diesem Punkt wird bei den nächsten Bund-Länder-Gesprächen beraten.

Erstmeldung, Dienstag (16. Februar): Deutschland – Von den Schnelltests für zu Hause erhoffen sich viele Experten, dass sie dazu beitragen könnten, mehr Öffnungen und Normalität zuzulassen. Neben den Impfungen gelten solche Tests daher als neue Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Doch ebenso wie bei den Impfstoffen könnte auch hier die Verfügbarkeit zum Problem werden (alle Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Corona-Schnelltests für den Eigengebrauch – seit Februar erlaubt, aber nicht zugelassen

Mit der Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) entschieden, dass Corona-Selbsttests nun auch an Privatpersonen abgegeben werden dürfen. Seit Februar ist es also grundsätzlich erlaubt, dass man einen Schnelltest selbst zu Hause durchführt. Zuvor war dieses nur geschultem Personal erlaubt.

Von der Abgabebeschränkung befreit werden dabei nur solche Antigen-Tests, die speziell für die Eigenanwendung konzipiert sind. Als Selbsttests müssen sie zuverlässig durch einen Laien angewendet werden können. 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) erklärt dazu: „Sobald wirkungsvolle Heim- oder Selbsttests für den Privatverbrauch verfügbar sind, sollen sie auch genutzt werden können.“ Das Problem ist derzeit allerdings noch, dass sie eben noch nicht verfügbar sind – denn es ist noch keiner der Schnelltests für den Privatgebrauch zugelassen.

Corona-Schnelltests zur Selbstanwendung: erste Sonderzulassungen Anfang März erwartet

Das soll sich allerdings bald ändern. Erste SARS-CoV-2-Schnelltests zur Eigenanwendung könnten bereits ab März verfügbar sein. Ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Aktuell gehen wir auf Basis der bislang vorliegenden Antragsunterlagen davon aus, dass wir die ersten Sonderzulassungen Anfang März erteilen können“.

Hersteller von rund 30 verschiedener Schnelltests hätten aktuell entsprechende Anträge gestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) und die Ministerpräsidenten hatten zuvor betont, Schnelltests zur Selbstanwendung seien „ein weiteres geeignetes Mittel zur Steigerung der Testkapazitäten in Deutschland“.

Corona-Tests in Bildungseinrichtungen: „Game-Changer“ zum sicheren Öffnen von Schulen?

Sie sollten dabei auch vermehrt in Bildungseinrichtungen zum Einsatz kommen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (42, SPD) bezeichnete Selbsttests für Schulen und Kitas sogar als „Game-Changer“. Solche Tests, die einfach und weniger unangenehm anzuwenden sind als bisherige Coronatests, könnten zur sicheren Öffnung von Schulen und Kitas beitragen. Auch WA.de berichtet über die neuen Corona-Schnelltests, die ein „Game-Changer“ in der Pandemie sein können.

Diese Meinung vertritt auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock (40). Wie tagesschau.de berichtet spricht sie sich dafür aus, dass sich Lehrer und Schüler jeden zweiten Tag mit Gurgel- oder Spucktests selbst testen sollten. In NRW hat sich Bildungsministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) allerdings aus Finanz- und Kapazitätsgründen schon gegen Schnelltests für Schüler ausgesprochen.

Video: „Chance für Öffnungsstrategien“ an Schulen: Giffey drängt auf Schnelltests

Schnelltests für die Eigenanwendung: Verfügbarkeit könnte zum Problem werden

FDP-Chef Christian Lindner betont ebenfalls, Selbsttests seien eine Chance auf mehr Freiheit, sie seien eine Art „Impfausweis für einen Tag“. Daran geknüpft ist die Hoffnung, mehr Öffnungen zuzulassen. Allerdings hat die Sache einen Haken: Den schnellen Weg in die Normalität wird es wohl auch mit den Corona-Tests für den Privatgebrauch nicht geben. Denn ebenso wie bei den Impfungen könnte auch hier die Verfügbarkeit ein Problem werden.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärt gegenüber dem WDR das Dilemma. Seiner Ansicht nach könnte die Pandemie mit Selbsttests sogar gestoppt werden, das hätten Studien gezeigt. Dazu seien allerdings 160 Millionen Tests pro Woche nötig, derzeit wäre aber nur mit einem Kontingent von 45 Millionen pro Monat zu rechnen.

Corona-Test: Begrenzte Kapazitäten machen Einsatz zunächst in öffentlichen Einrichtungen wahrscheinlich

Dass sich jeder Deutsche – wie vom SPD-Politiker gefordert – wöchentlich zweimal testet, scheint recht hoch gegriffen. Bei 45 Millionen Tests pro Monat könnte sich jeder nur alle zwei Monate testen, was deutlich zu wenig ist, um Sicherheit zu bieten.

Es ist daher davon auszugehen, dass Test für die Eigenanwendung zuerst beispielsweise in öffentlichen Einrichtungen, bei ambulanten Pflegediensten oder an Arbeitsplätzen vorhanden sein werden. Ebenso in Schulen, wo sie gemäß einer Studie Ausbrüche um 50 Prozent senken könnten.

Ein Mann hält einen Corona-Selbsttest in der Hand. Bei den «Anterio-Nasal-Tests» liegt ein Ergebnis nach 15 Minuten vor.

SARS-CoV-2-Test selber anwenden: Chance oder Risiko?

Bei den Schnelltests wird zwischen Stäbchen- oder Abstrichtest, Spuck- oder Lutschtests und Gurgeltests unterschieden. Welche Art von Test zuerst die Zulassung für den Privatgebrauch erhält, ist noch nicht sicher. Karl Lauterbach (SPD) betont aber, dass solche Tests einfach anwendbar und zuverlässig seien.

Damit widerspricht er den Bedenken von Gesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU). Dieser war bislang recht zögerlich, wenn es um die Zulassung von Tests geht. Denn er sieht „darin auch ein Risiko“. Wenn die Tests nicht zuverlässig seien, würden sie die Gefahr bergen, dass Infizierte in falscher Annahme, nicht infiziert zu sein, andere anstecken könnten.

Corona-Tests für die Eigenanwendung schneller zulassen – Gesundheitsminister gerät unter Druck

Mit seinem zögerlichen Vorgehen geriet der Bundesgesundheitsminister allerdings zunehmend unter Druck. Von mehreren Seiten wurden Forderungen laut, schneller zu handeln und staatliche Abnahmegarantien zu gewährleisten.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, kritisiert beispielsweise Grünen-Chef Robert Habeck (51), aus den „nicht glücklich gelaufenen“ Impfstoffbeschaffungen müssten jetzt Lehren gezogen werden. Auch FDP-Chef Linder bemerkt, er habe den Eindruck, dass sich „die Schläfrigkeit, die es beim Impfen gegeben hat, jetzt gerade wiederholt“.

Jens Spahn (40, CDU) plant neben Schnelltests auch Selbsttest für die Eigenanwendung ab März

Mittlerweile ist auch Jens Spahn (40, CDU) vorgeprescht, wie das Redaktions Netzwerks Deutschland (RND) berichtet. Sein konkreter Plan sieht zunächst vor, dass jeder Bürger ab dem 1. März ein Anrecht auf kostenlose Corona-Schnelltests von geschultem Personal haben soll. Aber auch die Kapazitäten an Tests für den Privatgebrauch sollen erweitert werden. Spahns Ministerium soll dazu bereits in Verhandlungen mit verschiedenen Herstellern stehen.

Unklar ist allerdings noch, wie genau die Tests für den Eigengebrauch dann verteilt werden. Auch welcher Tests als Erstes zugelassen wird, ist offen. Ebenso steht der Preis noch nicht fest – die Rede ist von einer „geringen Eigenbeteiligung von einem Euro“.

Rubriklistenbild: © Oliver Mueller/Imago

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