Deutschland ändert Strategie

Änderungen beim Corona-Test: Wer wann den Schnelltest bekommt

Seit dem 15. Oktober gilt die neue nationale Teststrategie in der Corona-Krise. Wir erklären, was es mit dem Schnelltest auf sich hat.

Nordrhein-Westfalen – Zurzeit steigt wieder die Anfrage nach Corona-Tests. Ein Grund sind die steigenden Neuinfektionen mit dem Virus. Ein anderer Grund ist sicherlich auch, dass viele Menschen einen negativen Test benötigen, um beispielsweise während den Herbstferien verreisen zu können.

InfektionskrankheitCovid-19
Krankheitsauslösender ErregerCoronavirus (Sars-CoV-2)
Häufigste Symptome:Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Erste Gesundheitsämter und Labore sind bereits deutlich überlastet. Eine neue, von der Bundesregierung beschlossene Teststrategie und eine andere Art von Tests soll bei diesem Problem nun Abhilfe schaffen und bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie unterstützen.

Coronavirus: Neue Teststrategie in Deutschland tritt in Kraft

Bereits im September kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einem Interview die Weiterentwicklung der bisherigen Teststrategie für Herbst und Winter an: „Präventive Reihentests werden in den sensiblen Bereichen wie zum Beispiel Pflegeheimen ein fester Bestandteil der Teststrategie.“

Außerdem sollen Antigen-Schnelltests Teil der neuen Regelung sein, so der Politiker. „Das wäre ein qualitativer Schritt nach vorne.“ Knapp vier Wochen nach diesen Aussagen tritt ab heute (15. Oktober) diese neue Teststrategie in Kraft. Wir erklären, was es damit auf sich hat und was sich ab sofort ändert.

Schnelltests zentraler Bestandteil der neuen Corona-Teststrategie

Neu bei der Teststrategie sind sogenannte Antigen-Tests. Sie liefern binnen weniger Minuten Ergebnisse, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert ist oder nicht. Die Schnelltests sind bereits seit einiger Zeit im Einsatz, nicht aber Teil der einheitlichen Strategie.

Ein Überblick über die neue nationale Teststrategie

Der Test wird über einen Abstrich im Nasenrachenraum vorgenommen – ebenso wie der bisher geläufige PCR-Test. Antigen-Tests reagieren allerdings auf die Hülle des Erregers und nicht auf das Erbmaterial von Sars-CoV-2. Dadurch ist das Ergebnis bereits nach einer Viertelstunde zu sehen.

Auch der Antigen-Test muss von geschultem medizinischen Personal vorgenommen werden, allerdings geht das direkt vor Ort in der Arztpraxis oder in einem Altenheim. Die Abstriche müssen nicht extra in einem Labor ausgewertet werden.

Neue Corona-Teststrategie: Für wen ist der neue Antigen-Test?

Aufgrund dessen soll der neue Corona-Test vor allem in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen zum Einsatz kommen. Auch Arztpraxen, Kitas, Schulen oder Asylbewerberheime haben Anspruch auf den Test, doch stehen sie nicht an erster Stelle.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verspricht neun Millionen der neuen Antigen-Tests zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

„Wir fangen vor allem mit dem Gesundheitswesen an“, sagte Jens Spahn. Es gehe darum, zuerst einmal die „Meistgefährdeten“, wie Pflegebedürftige, Patienten und auch Beschäftigte im Gesundheitswesen zu schützen. Dann werde man sehen, ob die Schnelltests in weiteren Lebensbereichen eine zusätzliche Sicherheit geben könnten, so der Gesundheitsminister.

Insgesamt sollen noch diesen Monat neun Millionen der neuen Antigen-Tests zur Verfügung stehen. Das hatte der CDU-Politiker zumindest versprochen. Das würde die gesamte Testkapazität ungefähr verdreifachen (die neusten Entwicklungen zur Corona-Krise im Live-Ticker bei RUHR24.de).

Coronavirus: Wie zuverlässig ist der neue Antigen-Test?

Wie das Robert Koch-Institut mitgeteilt hat, ist der Antigen-Test allerdings weniger präzise. Er sei deshalb nur unter bestimmten Voraussetzungen eine sinnvolle Ergänzung zu den anderen Maßnahmen, heißt es vonseiten der Behörde.

Der neue Test zeichnet sich durch seine geringere Sensitivität aus. Das heißt, er reagiert nur bei einer größeren Virusmenge. Fehler bei den Testergebnissen passieren folglich bei einer niedrigen Viruskonzentration. Dann gehe allerdings von der Person eine weitaus weniger große Gefahr für andere Menschen aus.

Laut RKI sollen daher nur Personen mit dem Antigen-Test auf das Virus getestet werden, bei denen ein falsches negatives Ergebnis nicht zu schwerwiegenden Konsequenzen führen kann. Außerdem solle man sich weiterhin an die üblichen Regeln wie Abstand halten, Maske tragen und Hände waschen halten.

Im medizinischen Bereich bleibt der PCR-Test deshalb weiterhin das bevorzugte Verfahren. Auch im Falle eines positiven Antigen-Tests muss dieser durch einen positiven PCR-Test noch einmal bestätigt werden.

Coronavirus: Welche Änderungen kommen noch mit der neuen Teststrategie?

Generell haben alle Menschen Anspruch auf den neuen Antigen-Corona-Schnelltest, die Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall hatten – zum Beispiel, wenn sie im gleichen Haushalt wie der Infizierte leben oder über die Corona-Warn-App gewarnt wurden. In solchen Fällen werden dann auch die Kosten von den meisten Krankenkassen übernommen.

Kein Anrecht mehr auf den kostenlosen Test haben per se Personen, die aus dem Ausland kommen. Die zur Reisesaison eingeführte Regelung, dass sich Rückkehrer aus einem ausländischen Risikogebiet testen lassen müssen und dies bezahlt bekommen, läuft mit der neuen Teststrategien zum 15. Oktober aus. Auch gilt ab dem 8. November nur noch eine 10-tägige Quarantänepflicht, und nicht mehr wie bisher eine zweiwöchige.

Ob ein negativer Antigen-Test ausreicht, um beispielsweise in einem Urlaubsgebiet zwecks des Beherbergungsverbots einen negativen Nachweis bringen zu können, ist bislang noch unklar – auch ob diese Regelungen noch angepasst werden. Aktuell bestehen die Länder in der Regel noch auf einen PCR-Test.

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