Foto statt Stäbchen

Corona-Test per App statt unangenehmem Nasenabstrich – so geht‘s

Mediziner schiebt Stäbchen bei Corona-Schnelltest in die Nase eines Mannes
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Ein Corona-Test mit einem Abstrich ist für viele unangenehm. Eine App soll Abhilfe schaffen.

Erkennt man schon bald eine Corona-Infektion mit dem eigenen Handy? Eine neue App soll das möglich machen. Ärzte sind jedoch skeptisch.

Deutschland – Wer schon mal einen klassischen Corona-Test machen musste, der weiß: Die Prozedur ist alles andere als angenehm. Der kleine Stab wird sehr tief in die Nase und den Rachen geschoben. Mittlerweile kann man Corona-Tests auch schon in Drogeriemärkten kaufen. Eine neue Möglichkeit soll jetzt Abhilfe schaffen.

Corona-Test durch Handyfoto: Neue App statt Nasen-Abstrich?

Das bayrische Unternehmen Semic RF Electronic hat nun eine App entwickelt, die den PCR-Test ablösen könnte. Innerhalb von nur wenigen Minuten soll die App bereits das Ergebnis anzeigen. Doch dafür muss kein Speichel entnommen werden, wie beispielsweise bei einem Schnelltest. Ein einfaches Foto vom Auge soll dafür ausreichen.

Klingt erstmal nach einer wenig schmerzhaften Alternative zum normalen Corona-Test. Die Bedingung dabei: Man braucht mindestens eine 12 Megapixel-Kamera auf seinem Smartphone, also (je nach Marke) das neueste Modell, die gerne auch mal über 1.000 Euro kosten können. Bevor man mit seinem Handy das Foto vom rechten oder linken Auge macht, soll man vorher dreimal tief ein- und ausatmen, empfehlen die App-Entwickler.

Corona-App statt PCR: Bindehautentzündung soll Infektion nachweisen

So würde Lungenflüssigkeit ins Auge gelangen. Das Foto wird dann mit der speziellen App gemacht, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Anhand der Farbe der Lederhaut des Auges, die sogenannte Sklera, soll die App dann feststellen können, ob man sich mit dem Coronavirus infiziert habe.

Nach nur drei bis fünf Minuten soll die App dann schon das Ergebnis anzeigen. Der Hersteller verspricht, dass die Ergebnisse zu 97 Prozent korrekt seien. Doch die App soll nicht nur eine Infektion mit dem Coronavirus feststellen können. Die Applikation soll gleichzeitig noch den Blutdruck, den Puls und die Körpertemperatur überprüfen.

Corona-Infektion dank Handyfoto erkennen: Hersteller mit vielen Versprechen

Doch die App soll noch mehr können: So soll man gleichzeitig noch herausfinden, ob man bereits früher mit dem Coronavirus infiziert war und sogar mit welcher Mutation das passierte. Das Ergebnis könne dann direkt an das Gesundheitsamt oder an das Robert Koch-Institut übermittelt werden. Durch das vorher erfolgte Teilen des Standorts könne man auch direkt die Infektionskette nachvollziehen.

Ziemlich viele Versprechen, die der Hersteller erklärt. „Uns ist es gelungen, aus über zwei Millionen unterschiedlichen rosa Farbtönen den von Covid-19 zu isolieren“, erklärt Wolfgang Grober, Geschäftsführer von Semic RF Electronic, gegenüber Reuters. Die Augen sollen bei einer typischen Corona-Infektion leicht rosa verfärbt sein.

Infektion mit Coronavirus durch App erkennbar? Augenärzte sind skeptisch

Augenärzte haben jedoch erhebliche Zweifel an dieser Augenverfärbung bei einer Infektion. So soll diese „Corona-Bindehautentzündung“ nicht zu den häufigsten Symptomen zählen. Das ergibt auch eine chinesische Studie aus dem Jahr 2020 – nur fünf Prozent der Infizierten haben als Symptom eine Bindehautentzündung gezeigt.

Video: Mit diesem Trick wird der Corona-Test angenehmer

Die Studie stellt die Wirksamkeit des Herstellers, dass 97 Prozent der Corona-Fälle angezeigt werden, infrage. Auch der Berufsverband der Augenärzte Deutschland macht gegenüber RND klar: „Bisher sind uns keine wissenschaftlichen Studien bekannt, die Anlass zu der Annahme geben, anhand einer Augenuntersuchung könne man eine Infektion mit dem Virus nachweisen.“