Modell schaut in die Zukunft

Corona bald so harmlos wie „ein leichter Schnupfen“? US-Forscher mit Prognose

Wird uns Corona weiter begleiten? Und wie wird die Covid-19-Erkrankung in Zukunft verlaufen? US-Forscher machen mit einem Modell erste Prognosen.

Deutschland – Dr. Jennie Lavine, eine Infektiologin der Emory University in Atlanta, und ihr Team haben ein Modell entwickelt, mit dem sich vorhersagen lässt, wie sich die Krankheit Covid-19 in den nächsten Jahren verändern könnte. Das Ergebnis ist überraschend optimistisch – allerdings gibt es eine wesentliche Einschränkung.

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
Häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn

Corona-Modell sagt „harmlosen Schnupfen“ voraus: Blick in die Zukunft auf Basis anderer Coronaviren

Die Forschungsergebnisse sind im Wissenschaftsmagazin Science erschienen. Die Forscher weisen hier grundlegend darauf hin, dass die Menschheit immer wieder mit schweren Infektionskrankheiten zu kämpfen hatte, die aber immer nur lokal verliefen – wie MERS oder Ebola. Hinweise auf „künftige Szenarien“ der aktuellen Corona-Pandemie könnten dabei die sechs weiteren Coronaviren mit bekannten menschlichen Übertragungsketten liefern.

Die Wissenschaftler erklären, es gebe darunter vier menschliche Coronaviren (HCoVs), die weltweit immer wieder lokal auftreten. Sie verursachten aber alle nur leichte Symptome und stellten kein Risiko für die öffentliche Gesundheit dar. Zwei weitere HCoV-Stämme, SARS CoV-1 und MERS, wiesen sogar höhere Sterblichkeitsraten als Covid-19 auf, hätten sich jedoch auch nie derart verbreitet. Sie gehen nun grundsätzlich von der Hypothese aus, dass gegen alle diese Coronaviren – und damit auch gegen Sars-CoV-2 – eine Immunität entsteht (alle Infos zum Coronavirus auf RUHR24.de).

Optimistische Modellergebnisse: Teilimmunität macht Corona zu einem „leichten Schnupfen“

Corona könnte sich demnach in der Folgezeit von einer Pandemie zu einer Endemie abschwächen, die nur noch lokal in der Bevölkerung zirkuliert – ebenso wie die anderen Coronaviren. Endemische Erreger sind solche, die dauerhaft in einer begrenzten Region oder einer bestimmten Population vorkommen. Mit endemischen Viren kommen Menschen dabei bereits im Kindesalter in Kontakt – nach Schätzungen der Forscher gemäß dem Modell zwischen drei und fünf Jahren. Infizierten sich Erwachsene erneut, könnte die Immunität zwar nachgelassen haben, sie sei aber nicht verloren, so die Forscher.

Coronavirus Sars-CoV-2: Bald ein harmloser Schnupfen-Erreger?

Demnach komme das Modell zu dem Ergebnis, dass Erstinfektionen fast ausschließlich bei Babys und Kleinkindern auftreten könnten, die im Fall von Covid-19 weniger schwere Verläufe zu befürchten hätten. Das Virus würde demnach in Zukunft nur noch „einen leichten Schnupfen“ verursachen. Das Modell sagt dabei voraus, dass sich auch älteren Menschen weiter häufig anstecken, diese dann aber bereits während ihrer Kindheit eine Teilimmunität erworben haben, die die Schwere der Covid-19-Erkrankung deutlich reduziert.

Zielzustand Corona-Endemie: Covid-19 im Modell harmloser als Grippe

„Daher sollten wir maximale Anstrengungen unternehmen, um die junge Pandemie auf den Weg zu einer Endemie zu bringen“, so Prof. Ottar Bjornstad. Denn bis es soweit ist, kann es nach Ansicht der Forscher noch einige Jahre bis einige Jahrzehnte dauern. Je nachdem, wie schnell sich der Erreger ausbreitet. Die Coronamaßnahmen wie auch die Impfungen könnten aber dazu beitragen, dass es schneller geht. Gleichzeitig verweisen die Wissenschaftler darauf, dass Massenimpfung in Zukunft möglicherweise nicht mehr erforderlich sei, um Leben zu retten.

Das Ergebnis dieser Studie gibt also Hoffnung. Denn Sars-CoV-2 könnte in Zukunft seinen Schrecken verlieren. Mehr noch: Covid-19 könnte in Zukunft sogar harmloser verlaufen als die Grippe. Prof. Ottar Bjornstad von der Penn State University, der zu Lavines Team gehört, erklärt dazu: „Immunologische Indikatoren deuten an, dass die Todesrate und der Bedarf an Impfungen in naher Zukunft stark abnehmen könnten.“

Hoffnungsvolles Corona-Zukunftsmodell – diese Einschränkungen gibt es

Allerdings gibt es eine Einschränkung, auf die die Wissenschaftler zu Beginn ihres Berichtes hinweisen. Und zwar geht das Modell davon aus, dass Kinder weiterhin keine schweren Verläufe ausbilden. Veränderungen am Virus, die zu schwereren Verläufen bei Kindern führen, würden zu anderen, viel kritischeren Prognosen führen.

Auch werden deutlich ansteckendere Mutationen, wie sie sich derzeit in einigen Ländern immer weiter ausbreiten, von den Forschern nicht benannt. Insbesondere wird nicht berücksichtigt, was passiert, wenn die Infektiösität bei Kindern deutlich zunimmt, wie es eventuell bei der britischen Virus-Variante der Fall ist. Sollte das Virus in Zukunft auch bei Kindern gefährlicher werden, wären, so die Forscher, Impfungen bei Kindern unumgänglich.

Rubriklistenbild: © Niaid-Rml/dpa

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