Spahn gegen Lockdown für Geimpfte

Corona: Bundesweites Aus für die Inzidenz – neuer Faktor bald ausschlaggebend

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die 50er-Inzidenz als Richtwert streichen. Für Geimpfte und Genesene soll es im Herbst gar keinen Lockdown mehr geben.

Deutschland – Seit Montag (23. August) gilt bundesweit die 3G-Regel ab einer Inzidenz von 35. Konkret bedeutet das: Wer sich in öffentlichen Innenräumen trifft, muss geimpft, genesen oder aber getestet sein. Die zuvor für viele Einschränkungen relevante 50er-Inzidenz will Jens Spahn (CDU) hingegen aus dem Gesetz streichen. Stattdessen wird ein neuer Faktor ausschlaggebend sein, berichtet RUHR24.*

CoronavirusSars-Cov-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Bundesweit gilt die 3G-Regel – Bundesgesundheitsminister schließt Lockdown für Geimpfte aus

Die Testpflicht für Ungeimpfte ab einer Corona-Inzidenz von 35 gilt beispielsweise für den Besuch von Restaurants, beim Frisör oder in Schwimmbädern. Besonders betroffen davon ist aktuell Nordrhein-Westfalen. Denn hier liegt die Inzidenz überall über dem Wert von 35 – landesweit hat sie am Montag (23. August) sogar den kritischen Wert von 100 überschritten*. Wer geimpft oder genesen ist, ist hier im Alltag klar im Vorteil.

Auch bundesweit wird es für Geimpfte und Genesene keine massiven Einschränkungen mehr geben. So betonte der Bundesgesundheitsminister am Montag (23. August), dass er einen Lockdown für diese Personengruppen grundsätzlich ausschließe

Jens Spahn (CDU): 50er-Inzidenz hat als Corona-Richtwert ausgedient

Gegenüber den ARD-Tagesthemen äußerte der Minister seinen Standpunkt: „Mit der Delta-Variante kommen wir sicher durch Herbst und Winter, wenn sich viele impfen lassen und wir das 3G-Prinzip im Innenraum haben“.

Solange keine neue Virusvariante ausbreite, gegen die die Impfungen nicht wirkten – was sich derzeit nicht abzeichne – hätten Geimpfte und Genesene demnach keinen Lockdown zu erwarten. Klar sei außerdem, so Spahn weiter, dass die 50er-Inzidenz als Richtwert, wie sie aktuell im Gesetz stehe, ausgedient habe. Denn diese sei „ein Inzidenzwert für eine ungeimpfte Bevölkerung“ gewesen (weitere News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24).

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): Die 50er-Inzidenz hat ausgedient – kein Lockdown für Geimpfte und Genesene im Herbst.

Corona-Wende: Krankenhausbelegung wird neuer Maßstab

Die Gesetzesvorgabe, dass Behörden ab einer 50er-Inzidenz entsprechende Corona-Beschränkungen durchsetzen müssen, wird es folglich künftig nicht mehr geben. Nach Bild-Bericht hat sich das Corona-Kabinett sogar bereits darauf geeinigt, dass die bislang relevanten Inzidenzwerte (z. B. 35, 50, 100) bald komplett gestrichen werden sollen. Stattdessen wird die Krankenhausbelastung das Maß aller Dinge werden.

Dabei soll laut Aussage Spahns aber nicht die Belegung der Intensivstationen ausschlaggebender Faktor sein, sondern die Krankenhausbelegung insgesamt. Denn es lägen schließlich auch Covid-19-Patienten auf den normalen Stationen. Indem man die Patienten auf den Normalstationen mit berücksichtigt, könne man auch früher auf das Infektionsgeschehen reagieren.

Zuvor hatten mehrere Experten Bedenken geäußert, dass man mit der Belegung der Intensivstationen als Richtwert dem Infektionsgeschehen hinterherlaufen würde, da hohe Inzidenzen immer erst zwei Wochen später auch zu stärkerer Intensivbettenbelegung führten.

Hospitalisierung wird neuer Corona-Maßstab – Spahn bleibt aber unkonkret

Konkret bedeutet das Gesagte: Der neue Maßstab wird die Hospitalisierung, also die Zahl der neu ins Krankenhaus eingewiesenen Corona-Patienten. Dieses sei ein „Wert zwischen intensiv und Inzidenz“, erklärt Spahn.

Auf die Frage der ARD-Moderatorin Caren Miosga, wo denn konkret die Warnschwelle läge, also ab welcher Krankenhausbelastung es weitere Einschränkungen geben werde, antwortete der Minister ausweichend. So sollten Schulen beispielsweise gar nicht mehr schließen.

Das erklärte Ziel sei es hingegen, eine noch höhere Impfquote zu erreichen, um weitere Maßnahmen in Herbst und Winter gänzlich umgehen zu können. „Wir impfen Deutschland zurück in die Freiheit“, so Jens Spahn (CDU). *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michele Tantussi/Reuters/Pool/dpa

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