Einzelhandel im Lockdown

Private Shopping – Einkaufen mit Terminvergabe als Corona-Lösung?

Click & Collect war gestern. Die neue Lösung in der Corona-Krise könnte Private Shopping sein. Was es damit auf sich hat.

Nordrhein-Westfalen – Noch immer befinden sich der Einzelhandel und viele andere Branchen im Corona-Lockdown. Langsam sinkende Infektionszahlen, Frühlingswetter und die zunehmende finanzielle Notlage der Unternehmer lassen die Forderung nach Lockerungen immer lauter werden. Könnte sogenanntes Private Shopping ein erster möglicher Schritt in Richtung Normalität werden?

PersonMalu Dreyer
ParteiSPD
Amt:Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz (seit 2013)

Einzelhandel im Corona-Lockdown: Kommt bald die Öffnung der Geschäfte

Auch die Regierung will nun einen Plan erarbeiten, der stufenweise Lockerungen in Deutschland ermöglichen soll. Bis zum 3. März soll ein Konzept stehen, denn dann findet die nächste Bund-Länder-Konferenz statt. Einige Bundesländer überlegen sich indessen eigene Möglichkeiten, die Öffnung des Einzelhandels anzugehen.

So auch Rheinland-Pfalz. Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte am Dienstag (23. Februar) verkündet, dass zum 1. März hin deutlich mehr Geschäfte und Einrichtungen öffnen dürfen als Friseursalons. Darunter fallen die Außenanlagen von Zoos, Fußpflege, Blumenläden – und Läden wie beispielsweise Bekleidungsgeschäfte. Allerdings mit Einschränkungen (alle Entwicklungen zur Corona-Pandemie bei RUHR24.de).

Private Shopping wegen Corona: Erstes Bundesland will Lockerung ermöglichen

Die rheinland-pfälzische Regierung erhofft sich mit der Idee des „Private Shoppings“ dem Einzelhandel eine coronakonforme Lockerung zu ermöglichen. Aber wie genau funktioniert das?

Gänzlich neu ist die Idee nicht. So bieten Firmen im hochpreisigen Segment das individuelle Einkaufserlebnis schon lange an. Auch bekannte Schmuckhersteller wie Thomas Sabo haben entsprechende Konzepte erarbeitet.

So stellte sich Thomas Sabo das „Private Shopping“ vor – allerdings noch vor Corona.

„Wir werden den direkten Kundenkontakt auf ein neues Niveau heben und ermöglichen das Entdecken eines der persönlichsten Luxusgüter der Welt in einer entspannten und privaten Atmosphäre. Das hebt den emotionalen Wert unserer Schmuckkollektionen auf eine ganz neue Art und Weise hervor“, erläuterte Firmengründer Thomas Sabo 2019 bei der Einführung des neuen Angebots.

Private Shopping: So funktioniert das coronakonforme Einkaufserlebnis

Ähnliche Worte waren auch von dem Fashion-Startup Martha in Love zu hören, die sich bereits im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 mit der privatisierten Einkaufsidee durch die Krise halfen. Per Mail oder Anruf konnten die Kunden einen exklusiven Termin buchen, um dann eine individuelle Style- und Modeberatung zu buchen.

Mit dem Vorschlag aus Rheinland-Pfalz könnte dieses Konzept jetzt aus der Nische geholt werden. SPD-Politikerin Malu Dreyer stellt sich das so vor: Läden dürfen nach vorheriger Terminvergabe zudem auch einzelne Kunden in ihre Räume lassen, um beispielsweise Kleidung anzuprobieren.

Private Shopping: Corona-Bedingungen müssen erfüllt werden

Diese Regelung könne beispielsweise für Brautmode-Geschäfte von Interesse sein, so die Ministerpräsidentin aus Rheinland-Pfalz. Bedingung für das Private-Shopping-Erlebnis sollen ein Hygienekonzept und eine vorherige Terminvereinbarung sein. Auch muss zwischen den einzelnen Terminen mindestens eine 15-minütige Pause eingeplant werden, damit ausreichend gelüftet und desinfiziert werden kann.

Damit grenzt sich Rheinland-Pfalz eindeutig von dem Stufenplan der Bundesregierung ab, die eine Öffnung des Einzelhandels erst ab einer Inzidenz von 35 erlauben will. Ob nun andere Bundesländer wie NRW dem Beispiel von Malu Dreyer folgen werden, bleibt abzuwarten. Der Einzelhandel würde es sicherlich begrüßen, obwohl für große Einzelhandelsketten wie etwa H&M, Zara und Co. das Konzept sicherlich schwieriger umzusetzen wäre, als für eine inhabergeführte Boutique.

Rubriklistenbild: © Dirk Waem/dpa

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