Experten sind skeptisch

Ende der Corona-Krise: Rechner nennt Datum, wann es vorbei ist

Das Ende der Corona-Pandemie sehnen alle herbei. Glaubt man der Prognose eines neuen Rechners, ist allerdings noch etwas Geduld angesagt.

Dortmund - Mindestens genauso lange wie die Corona-Pandemie selbst im Umlauf ist, beschäftigt die Menschen die Frage, wann sie endlich wieder vorbei sein wird. Die Entwicklung eines Impfstoffs und die im Dezember gestartete Impfkampagne haben die Frage nach dem Pandemie-Ende nun noch einmal auf ein neues Level gehoben.

Begriff der EpidemiologieHerdenimmunität
DefinitionIndirekte Form des Schutzes vor einer Krankheit, der entsteht, wenn viele Menschen bereits immun geworden sind
Durchimpfungsrate bei CoronaVermutlich bei 60 - 70 Prozent

Ende der Corona-Pandemie: Experten dämpfen Hoffnung

Experten, wie Christian Drosten oder Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der deutschen Arzneimittelkommission, werden immer wieder nach dem Ende der Pandemie gefragt. Mit ihren Prognosen dämpfen sie jedoch in der Regel die Hoffnung auf ein baldiges Ende. Aufgrund der Corona-Mutationen geht Virologe Drosten beispielsweise davon aus, dass frühstens im Herbst mit einer Besserung zu rechnen ist.

Und auch Ludwig prognostiziert, dass die Pandemie 2021 noch nicht vollständig beseitigt sein wird. Das hänge auch davon ab, wie schnell eine Herdenimmunität erreicht werden kann. Das heißt, wenn zwei Drittel der Bevölkerung immun und oder geimpft sind, könnte die Pandemie zum Stillstand kommen, so der deutsche Arzt in der ORF-Sendung „Im Zentrum“.

Pandemie-Ende: Kurioser Rechner nennt konkretes Datum

Ein neues Tool will nun aber eine mögliche Antwort auf die Frage aller Fragen liefern. Die Betreiber der privaten Statistikseite pandemieende.de errechnen anhand der täglichen Impfquote und der aktuellen Corona-Fallzahlen ein hypothetisches Ende der Corona-Pandemie.

Das Datum, das die Webseite am Mittwoch (3. Februar) ausspuckt, wird vielen allerdings nicht gefallen: So soll die Corona-Pandemie am 9.Juni 2024 vorbei sein. Das heißt wir müssen noch 1222 Tage durchhalten.

Die Webseite pandemieende.de errechnet anhand der Impf- und Coronafallzahlen ein hypothetisches Ende der Corona-Pandemie.

Ende der Corona-Pandemie: Erst in 1222 Tagen soweit?

Erst dann könnte eine bundesweite Herdenimmunität von 70 Prozent erreicht sein, heißt es auf der Webseite. Das angegebene Datum errechne sich außerdem „aus der Durchimpfung und der bereits genesenen Personen“. Es wird jeden Tag gegen 12 Uhr aktualisiert und auf Basis der aktuellen Impfquote und Fallzahlen angepasst.

Das heißt, geht es mit der Impfung schneller voran, wird das Datum runtergerechnet. Also ein Funke Hoffnung besteht doch noch. Aber wie realistisch sind solche Prognosen, wie die Statistik-Webseite pandemieende.de sie ausspuckt überhaupt? Kann man den Verlauf einer Pandemie überhaupt berechnen?

Datum für Pandemie-Ende bekannt: Experte bewertet Berechnung

Bild hat erneut bei dem Mathematiker und Zufalls-Experten Christian Hesse von der Universität Stuttgart nachgefragt, wie sicher sich das Ende einer Pandemie überhaupt berechnen lässt. Und der hat eine klare Antwort: „Pandemie-Prognose ist komplizierter als Wetter-Prognose. Es ist nicht möglich, das Ende der Pandemie punktgenau vorherzusagen.“

Doch ganz daneben liege das von pandemieende.de errechnete Datum nicht. Auch Hesse geht davon aus, dass bei dem aktuellen Tempo der Corona-Impfungen erst in drei Jahren eine Herdenimmunität von 70 Prozent erreicht werden könnte.

Das Problem: Man könne außerdem zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie lange die Immunität nach der Impfung anhält. Bei einer Grippeimpfung ist das zum Beispiel nur ein Jahr, dann muss sie aufgefrischt werden. Wäre das auch bei der Corona-Impfung der Fall, würde sich das Pandemie-Ende noch weiter verzögern.

Christian Hesse, Mathematiker an der Universität Stuttgart: „Pandemie-Prognose ist komplizierter als Wetter-Prognose.“

Ende der Corona-Krise: Mangelnde Datenlage erschwert Berechnung

Eine weitere Hürde für eine mögliche Prognose über das Ende der Corona-Pandemie sei die Datenlage. So gibt es in Deutschland kein offenes Online-Portal, in dem alle relevanten Zahlen in den Bundesländern genau und zeitnah erfasst und dann auch ausgewertet werden können. Die Zahlen des RKI hinken immer 24 Stunden hinterher.

Doch umso aktueller die Zahlen sind, desto besser lasse sich die weitere Entwicklung einer Pandemie vorhersagen, erklärte James Daniell, Mitbegründer der Risklayer GmbH, die gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie daran forscht, ob man das Ende der Corona-Krise vorhersagen kann (mehr aktuelle Entwicklungen zur Coronavirus-Krise bei RUHR24.de).

Wann ist die Corona-Pandemie vorbei: Weltweit forschen Experten daran

Die privat betriebene Webseite pandemieende.de ist also nicht die einzige Instanz, die versucht eine Antwort auf die drängende Frage „Wann die Corona-Krise vorbei ist“ zu finden. Zahlreiche wissenschaftliche Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel das Forschungszentrum Jülich oder Mathematiker der TU Kaiserslautern, gehen der Frage nach.

Sie alle versuchen anhand von mathematischen Modellen die Dynamik und somit auch das Ende der Corona-Pandemie vorherzusagen. Zum Leid vieler ist es allerdings noch keinem der Wissenschaftler gelungen. Und so müssen sich die Menschen noch etwas in Geduld üben und anhand von Maske tragen, Kontaktreduzierung und Abstandsregeln selbst zum Ende der Pandemie beitragen.

Rubriklistenbild: © pandemieende.de (Screenshot, 3. Februar), Dennis Liedschulte, Collage: RUHR24.de

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