Ende der Corona-Pandemie

Epidemiologe wagt Corona-Prognose: Wann wieder „absolute Normalität“ herrschen soll

Der Epidemiologe Klaus Stöhr geht davon aus, dass die Corona-Pandemie bald endet. Doch bis dahin infiziere sich jeder, der nicht geimpft ist. Der Winter könnte noch dramatisch werden.

Dortmund – „Zum Pandemieende trifft es die Ungeimpften“, twittert der Epidemiologe Klaus Stöhr. In dem Satz des Mediziners elektrisieren gleich zwei enthaltene Botschaften: Der Experte spricht vom Ende der Pandemie. Und: Bis es soweit ist, scheint klar, dass Ungeimpfte einer Infektion nicht entkommen.

ErregerCoronavirus/Sars-Cov-2
ErkrankungCovid-19
SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geschmacks-/Geruchssinns, Pneumonie

Ende der Corona-Pandemie im Frühjahr 2022: Epidemiologe stellt Prognose

„Ab dem Frühjahr 2022 werden wir eine dramatische Entspannung der Situation erleben“, erklärte Stöhr in einem Interview mit dem Merkur*. Die Pandemie sei dann vorbei. Bis dahin müssen sich vor allem Ungeimpfte aber noch auf einiges gefasst machen. Vor allem um die ungeimpften über 60-Jährigen macht sich der Virologe Sorgen. „Die sind für das Virus voll empfänglich“, so Stöhr.

Doch auch unter den Jüngeren erwartete er einen Anstieg der Inzidenz auf 700 oder mehr, wenngleich der Virologe die Gefahren für diese Altersgruppe für mit der saisonalen Influenza vergleichbar hält. Dennoch reiche das aus, um im Winter für eine dramatische Zunahme von schweren Verläufen und Einweisungen in die Krankenhäuser zu sorgen. Kliniken im ganzen Land könnte der Winter demnach noch einmal auf eine harte Probe stellen.

In der aktuellen Situation sei eine steigende Inzidenz jedoch weniger problematisch. Gegenüber der Welt erklärte er: „Jetzt eine niedrige Inzidenz zu wollen, heißt, die Winter-Welle zu verstärken.“

Virologe: Bevor Corona-Pandemie endet infiziert sich jeder Ungeimpfte mit dem Virus

Um sich bestmöglich auf den Herbst vorzubereiten, plädiert Stöhr dafür, die Impfquote weiter zu erhöhen. Denn auch für Jüngere berge eine Infektion ein höheres Risiko als die Impfung. Und es sei eine höhere Impfquote, die den Weg zur Normalität verkürze – auch wenn Geimpfte nicht völlig vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gefeit seien.

Doch es gäbe eben einen eklatanten Unterschied im Krankheitsverlauf zwischen Geimpften und Ungeimpften: „Wer ungeimpft sterben würde, kommt geimpft vielleicht ins Krankenhaus für einige Tage“, so der Mediziner gegenüber dem Merkur.

Bevor die Corona-Pandemie endet, könnte es in den Krankenhäusern noch einmal dramatisch werden. (Symbolbild)

Zudem hebt der Mediziner hervor, dass jeder, der sich gegen eine Impfung entscheide, sich aktiv für eine Corona-Infektion entschieden hätte. Selbiges hatte auch der Virologe Christian Drosten im Mai gegenüber dem ZDF verlauten lassen. Drosten sagte damals: „Wer sich jetzt aktiv dagegen entscheidet, sich impfen zu lassen, der wird sich unweigerlich infizieren.“ Drosten betonte, dass er diese Einschätzung „ohne jede Wertung“ abgebe. Die Impfung sei eine freie Entscheidung.

Dennoch: Ungeimpfte müssen inzwischen viele Einschränkungen, besonders in ihrer Freizeitgestaltung hinnehmen. Hamburg entschied, dass seit Samstag (28. August) Gastronomiebetriebe oder Veranstalter Ungeimpften den Zutritt verwehren dürfen.

Corona-Pandemie endet: Absolute Normalität im Sommer erwartet

Auch Klaus Stöhr findet: Es ergibt Sinn, Getestete auszuschließen. Denn die Aussagekraft von Schnelltests bei symptomlosen Personen liege „offensichtlich ganz nah beim Würfeln“. Die 2G-Regel (Geimpft, Genesen) wird auch für NRW gefordert - wenngleich Gesundheitsminister Laumann dieser Forderung zuletzt eine Absage erteilte.

Für den Sommer 2022 erwartet der Virologe aber, dass keiner mehr nach dem Impfpass fragen wird. Werden die 2G oder 3G-Regeln dann obsolet sein? Ja, so Stöhr im Interview mit dem Merkur. Denn dann haben alle eine Infektion oder Impfung hinter sich. *Merkur ist wie RUHR24 Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Klaus Stöhr

Rund 15 Jahre arbeite der Virologe und Epidemiologe für die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dann wechselte er in die Impfstoffentwicklung der Pharmaindustrie, die er 2018 allerdings hinter sich ließ. Heute arbeitet er als freier Berater. Seit Ausbruch der Pandemie wurde Stöhr immer wieder als Experte zurate gezogen. Zuletzt äußerte er sich kritisch dazu, die 7-Tages-Inzidenz als alleinigen Maßstab zu definieren.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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