Entscheidung in NRW ist gefallen

Corona: NRW-Schulen öffnen im Februar – Lehrerverband kritisiert Beschlüsse

Der Lehrerverband warnt vor einer dritten Welle der Corona-Pandemie. Trotzdem wollen viele Bundesländer schon bald wieder die Schulen öffnen – auch NRW.

Update, Donnerstag (11. Februar), 15.45 Uhr: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (59, CDU) hat den Landtag am 11. Februar über die Beschlüsse aus den Bund-Länder-Gesprächen informiert. Die Schulöffnungen waren dabei ein zentrales Thema. In NRW soll es konkret ab dem 22. Februar „Schritt für Schritt“ wieder losgehen.

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Schulen in NRW öffnen schrittweise im Februar: Ministerpräsident Armin Laschet zu den Beschlüssen

Armin Laschet (59, CDU) betonte dabei, dass man Kinder nicht weiter ausschließlich am Computer lernen lassen könne, denn Kinder bräuchten auch andere Kinder. Konkret sollen zunächst die Grundschulen und die Förderschulen sowie alle Abschlussklassen ab dem 22. Februar im Wechselunterricht unterrichtet werden.

Er betonte zugleich, dass es noch mehr FFP2-Masken für Lehrer geben werde und verstärkt auf Lüftungssysteme gesetzt würde. Zudem soll es in Zukunft mehr Corona-Tests an NRW-Schulen geben.

Yvonne Gebauer: Präsenzunterricht für alle ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) schlug am Mittwochabend in Düsseldorf ähnliche Töne an. Auch die Politikerin erklärte, dass die Grundschulen, Abschlussklassen und Förderschulen in Nordrhein-Westfalen ab dem 22. Februar mit einem Unterricht in Wechselmodellen starten, wie auch msl24.de* berichtet. Eine entsprechende Infomail an die Schulen wurde am 11. Februar verschickt.

Gebauer ließ zudem verlauten, dass es landesweit wieder Präsenzunterricht für alle Schüler geben solle. Sie nannte als Voraussetzung dafür allerdings, dass die Inzidenzzahl auf 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen sinkt.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat sich für eine Öffnung der Grundschulen ab dem 22. Februar ausgesprochen.

Update, Mittwoch (10. Februar), 21.45 Uhr: Bonn/NRW - Nach dem großen Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch (10. Februar) ist klar: Es wird auch in den kommenden Wochen keine einheitliche Lösung geben, wenn es um die Öffnung von Schulen und Kitas in Deutschland geht.

Öffnung von Schulen und Kitas in Deutschland: Entscheidung bleibt Länder-Sache

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich vorab eine gemeinsame Lösung gewünscht – und den 1. März als ein mögliches Datum vorgeschlagen. Doch die Entscheidung darüber bleibt weiterhin in den Händen der Bundesländer. Im Föderalismus gebe es tief verankerte Länderzuständigkeiten und das seien Schule und Kita, so Merkel auf der Pressekonferenz nach dem Corona-Gipfel.

„Und da ist es ganz einfach nicht möglich, dass ich als Bundeskanzlerin mich so durchsetzen kann, als hätte ich da ein Vetorecht“, sagte die Kanzlerin weiter.

Schul-Öffnung in NRW und Hessen: Planungen ab dem 22. Februar

So findet in Niedersachsen bereits seit Januar in Grundschulen Unterricht in eingeschränkter Form statt. Sachsen hatte bereits am Dienstag (9. Februar) beschlossen, in der nächsten Woche den Grundschul- und Kita-Betrieb wieder aufzunehmen.

Bundesländer wie Hessen und Nordrhein-Westfalen wollen nun folgen. „Wir werden ab dem 22. Februar Grundschulen und Klassen 5 und 6 im Wechselunterricht öffnen“, so Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Auch Kitas könnten ab dann wieder in einen eingeschränkten Regelbetrieb gehen.

Beschlüsse von Bund und Ländern sorgen für Kritik vonseiten des Lehrerverbands

Der Deutsche Lehrerverband hingegen kritisierte die Beschlüsse von Bund und Ländern zur Öffnung der Schulen. „Es muss endlich Schluss sein mit den Alleingängen der Bundesländer beim Schulbetrieb“, so Präsident Heinz-Peter Meidinger gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Schulöffnungen mit Präsenzunterricht im Wechselbetrieb dürften erst dann erfolgen, wenn in der jeweiligen Region die Sieben-Tage-Inzidenz unter dem Wert von 50 liege. „Das sollte eine bundesweit einheitliche Regelung sein“, so Meidinger weiter.

Ursprungsmeldung, Mittwoch (10. Februar), 12.26 Uhr: Die Schulen bleiben in Zeiten von Corona weiterhin ein Streitthema. Die Positionen scheinen dabei extrem verhärtet. Während nicht nur viele Mediziner, sondern auch der Lehrerverband vor zu schnellen Öffnungen warnen, spricht sich die Kultusministerkonferenz (KMK) jetzt für einen Schulstart bereits ab Montag (15. Februar) aus. Auch NRW-Politiker äußerten sich vor den Bund-Länder-Gesprächen zu möglichen Schulöffnungen.

Corona: Streit um Schulen in Deutschland und NRW – Intensivmediziner warnen vor Öffnung

Die Intensivmediziner warnen aktuell vor der Öffnung von Schulen und Kitas vor März. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, warnt der Präsident der Deutsche Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) Gernot Marx: „Wir sehen die Gefahr, dass sich durch die Mutationen unbemerkt eine dritte Welle aufbaut.“

Gernot Marx betont gegen über dem RND, man müsse den Lockdown noch bis mindestens Anfang März verlängern und „auch der Präsenzunterricht an den Schulen sollte bis dahin weiter ausgesetzt und Kitas geschlossen bleiben.”

Von wegen „keine Treiber“: Laut Divi-Präsident tragen Schulen in großem Maße zur Virus-Verbreitung bei

Dass sich der Divi-Präsident in seiner Position für einen vorsichtigen Weg und damit für die Lockdown-Verlängerungen ausspricht, verwundert nicht. Schließlich bekommen gerade die Intensivmediziner die Folgen der Krankheit Covid-19 zu spüren.

Was allerdings an seinen Aussagen verwundert, ist, dass er betont, Schulen und Kitas trügen „in großem Maße zur Verbreitung des Virus bei, was durch die Mutationen noch verschärft wird.“ Das, so Gernot Marx, habe man bereits in Großbritannien gesehen. Von deutschen Politikern wurde dagegen bis vor einigen Wochen immer wieder betont, Schulen seien „keine Treiber der Pandemie“.

Corona-Ansteckungsgefahr in Schulen: Besserer Infektionsschutz ist notwendig

Wer die Medien aufmerksam verfolgt, hat aber vielleicht auch schon gemerkt, dass davon im öffentlichen Diskurs mittlerweile niemand mehr spricht. So haben nicht nur diverse Studien, sondern auch der Alltag gezeigt, dass es auch in Schulen immer wieder zu Ansteckungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kommen kann.

Die Frage, die in der Politik diskutiert wird, ist daher derzeit, was schlimmer ist: die Ansteckungen zu riskieren oder aber zuzulassen, dass unsere Kinder „nicht lesen und schreiben lernen können“, wie es NRW-Familienminister Joachim Stamp (50, FDP) in einem Interview bemängelt. Um besser mit dem Virus umgehen zu können und Schulen auch in Pandemiezeiten zu öffnen, hat Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (49, CDU) daher jetzt eine Leitlinie mit bundeseinheitlichen Empfehlungen zu Hygienemaßnahmen in Schulen vorgelegt.

Schulen öffnen oder nicht? Lehrerverband warnt vor dritter Welle

Der deutsche Lehrerverband warnt dennoch, ebenso wie viele Mediziner, vor zu schnellen Öffnungen. So sagte Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger (66) dem Fernsehsender Welt am Montag (8. Februar) in einem Interview, man solle „lieber noch ein paar Tage warten“.

Denn auch der Lehrerverband sieht die Gefahr einer dritten Welle. Würden im Zuge dieser die Schulen dann erneut geschlossen, wäre das fatal, so Heinz-Peter Meidinger. Auch der Präsident des Lehrerverbandes warnt in diesem Zusammenhang vor der Gefahr durch die Mutationen.

Schulen in NRW: keine Öffnungen vor März? Das sagen führende Politiker zum Thema

In NRW scheint man sich ebenfalls wegen der Virusmutationen für eine Lockdownverlängerung auszusprechen. Wie der WDR berichtet, erklärte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (59, CDU), weitere Öffnungen seien „noch nicht denkbar“. Er appellierte zugleich an das Verständnis der Bürger: „Lassen Sie uns diese letzten Wochen im Wettlauf mit dem mutierten Virus jetzt noch einmal zusammen gehen.“ (alle Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de)

Armin Laschet betonte laut WDR aber, dass Schulen und Kitas „der Kern“ seien, über den bei den Bund-Länder-Gesprächen beraten werde. Sie müssten als Erstes öffnen. Er sprach sich in diesem Zusammenhang für ein bundeseinheitliches Vorgehen aus. Joachim Stamp (50, FDP), NRW-Vize-Ministerpräsident und Familienminister, spricht sich zugleich für eine baldige Öffnung von Schulen und Kitas aus. Auf ein konkretes Datum wollte er sich im Interview mit dem Fernsehsender Welt nicht festlegen, der 15. Februar sei aber aus organisatorischen Gründen sicherlich zu früh, so Joachim Stamp.

Schulen und Kitas in der Pandemie: KMK spricht sich für schrittweise Öffnungen ab Montag aus

Das sieht die Kultusministerkonferenz (KMK) anders. In einem gemeinsamen Beschluss zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs vom 9. Februar sprechen sich die Kultusminister dafür aus, die Schulen bereits ab dem 15. Februar nach und nach wieder zu öffnen. So heißt es im Beschluss, „dass über die Abschlussklassen hinaus auch die unteren Jahrgänge, beginnend ab dem 15. Februar 2021, in den eingeschränkten Regelbetrieb gemäß den Vorschriften des jeweiligen Landes, z.B. in den Wechsel- oder Präsenzunterricht gehen dürfen.“

Spricht sich für schrittweise Schulöffnungen ab dem 15. Februar aus: KMK-Präsidentin Britta Ernst (59, SPD).

Um die Öffnungen der Schulen nicht zu gefährden, stellt die KMK zudem folgende Forderungen an die Bundesregierung:

  • umfangreiche Schnelltestungen und eine verbindliche Teststrategie an Schulen,
  • innerhalb der Gruppe drei der Impfstrategie soll schulisches Personal vorrangig geimpft werden,
  • zusätzliche Investitionen für besseren Infektionsschutz an Schulen,
  • zusätzliche Schulbusse, um die Ansteckungsgefahr auf dem Schulweg zu minimieren,
  • dauerhafte Übernahme von Kosten für die digitale Ausstattung von Schülern im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaket.

Schul- und Kita-Öffnungen trotz Corona: bessere Schutzmaßnahmen wichtig

Interessant ist, dass die KMK mit ihren Forderungen über die Leitlinien der Bundesbildungsministerin hinaus geht. Wenn sich die Politik der Tatsache stellt, dass die Infektionsgefahr auch an Schulen gegeben ist, sind verschärfte Maßnahmen zum Infektionsschutz wohl tatsächlich dringend notwendig. Solche besseren Schutzmaßnahmen wurden vom RKI schon lange gefordert, aber bislang ignoriert.

Da es nach den Schulöffnungen immer wieder auch zu Wechselunterricht kommen kann, ist es außerdem wichtig, die Digitalisierung der Schulen weiter voranzubringen. Denn, wenn man den Medizinern Glauben schenkt, scheint es absehbar, dass wir noch eine ganze Weile mit dem Virus leben müssen – insbesondere auch aufgrund der Verbreitung der Mutationen in Deutschland.

Schulöffnungen in der Pandemie: Alltag wird für Lehrer, Schüler und Eltern eine Herausforderung werden

Statt die Ansteckungsgefahr in Schulen kleinzureden, müssten die Entscheidungsträger daher auf alltagstaugliche Konzepte setzen, um Schulen trotz Pandemie zu öffnen - so zumindest die Forderung der KMK. Erste Grundsteine dafür sind mit den KMK-Forderungen und der Leitlinie der Bundesbildungsministerin gelegt.

Die konkrete Umsetzung solcher Schutzmaßnahmen im Schulalltag wird Lehrer, Schüler und Eltern sicher noch einige Nerven kosten. Auch unter den Eltern gibt es dabei zwei Lager: Während sich die meisten vor allem um die fehlende Bildung und die fehlenden Sozialkontakte der Kinder sorgen, gibt es auch solche, die Respekt vor dem Virus haben. Bessere Schutzvorkehrungen scheinen daher derzeit die sinnvollste Möglichkeit zu sein: Denn es ist weder tragbar, die Ansteckungsgefahr in Schulen zu ignorieren, noch ist es vertretbar, die Schulen weiter wochenlang geschlossen zu lassen. *RUHR24.de und msl24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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