Studie mit weniger Risikopatienten

Corona-Mutation: Neueste Forschungsergebnisse – britische Variante ist tödlicher

Die Mutation B.1.1.7 aus Großbritannien ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Eine Studie der Universität Exeter zeigt jetzt erneut eine höhere Sterblichkeit.

Deutschland – Die britische Mutation macht hierzulande bereits rund die Hälfte aller Neuinfektionen aus. Das zeigen die neuesten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Forscher aus Großbritannien warnen jetzt erneut davor, dass diese Variante des Coronavirus auch gefährlicher ist. Nach einer aktuellen Studie ist sie 64 Prozent tödlicher als frühere Varianten des Virus. (mehr Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de)

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeFieber, Husten, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Britische Mutation: Neue Studie bestätigt höhere Sterblichkeit durch Mutante B.1.1.7

Im Dezember 2020 berichteten britische Behörden erstmals von der neuen Coronavirusvariante, die sich seit September 2020 in Großbritannien ausbreitete. Mittlerweile macht sie laut RKI auch in Deutschland rund die Hälfte aller Neuinfektionen aus. Das Hauptproblem bei dieser „besorgniserregenden“ Virusvariante: Sie ist noch leichter von Mensch zu Mensch übertragbar, sodass ihre Ausbreitung schwerer einzudämmen ist.

Bereits Ende 2020 hatte die britische Forschungsgruppe NERVTAG außerdem davor gewarnt, dass erste Erkenntnisse zeigten, dass diese Mutante auch gefährlicher sei. Diese Einschätzung wird von neuesten Studienergebnissen der Universität Exeter jetzt nochmals bestätigt.

Britische Studie zeigt höhere Sterblichkeit durch Mutante – so haben die Forscher getestet

Die entsprechende Studie wurde am Mittwoch (10. März 2021) in der Fachzeitschrift BMJ veröfentlicht. Ziel der Wissenschaftler war es, festzustellen, ob sich die Mortalität aufgrund einer Infektion mit einer neuen Variante von SARS-CoV- ändert. Dazu analysierten die Forscher Daten von rund 55.000 Studienteilnehmern.

Die Teilnehmer waren zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 positiv auf Covid-19 getestet worden. Sie wurden nach ihrem positiven Testergebnis 28 Tage lang von den Forschern beobachtet.

Entscheidende Neuheit: Studie analysiert insbesondere auch Nicht-Risikopatienten

Die britischen Wissenschaftler haben dabei gezielt auch solche Personen ausgewählt, die im privaten Umfeld auf das Coronavirus getestet wurden – und nicht im Krankenhaus. Zahlreiche vorherige Studien zur Sterblichkeit fokussieren insbesondere Krankenhauspatienten.

Der Anteil der Risikopatienten war dadurch in dieser Studie niedriger. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass B.1.1.7 auch hier gefährlicher ist.

Studie der Universität Exeter: Virus-Mutante 64 Prozent tödlicher – absolutes Risiko weiter gering

Insgesamt führte eine Infektion mit B.1.1.7 in 4,1 von 1000 Fällen zum Tod. Zum Vergleich: Bei früheren Coronavirus-Varianten liegt die Sterberate bei 2,5 von 1000 Fällen. Die britischen Wissenschaftler verweisen hier darauf, dass das absolute Todesrisiko damit insgesamt weiterhin gering sei.

Dennoch ist die britische Mutante nach diesen Daten um 64 Prozent tödlicher als vorherige Virusvarianten. Dabei waren etwas mehr der schwer Erkrankten männlich.

Britische Wissenschaftler: Zahl der Krankenhauspatienten könnte ansteigen

Bislang heißt es auf der Seite des RKI zur erhöhten Sterblichkeit durch B.1.1.7: „ Es gibt bei begrenzter Datenlage Hinweise darauf, dass sie mit einer erhöhten Fallsterblichkeit einhergehen könnte.“ Diese Einschätzung hat sich durch die aktuelle Studie nochmals verdichtet.

So kommen die Wissenschaftler zu der Schlussfolgerung: „Die besorgniserregende Variante scheint nicht nur übertragbarer zu sein, sondern auch tödlicher zu sein.“ Dieses impliziere, dass „die Rate der Patienten mit schwerwiegenden Infektionen, die stationär behandelt werden müssen, zunehmen wird.“ Dennoch sind weitere Studien nötig, um die Variante noch besser zu erforschen.

Neue Studienergebnisse aus Großbritannien: Hendrick Streeck warnt bei RTL vor B.1.1.7

So verweist auch Virologe Hendrik Streek im RTL-Interview vom 11. März darauf, dass die Datenlage insgesamt noch gering ist. Was aber aufhorchen lässt: Selbst Streeck, der eigentlich eher als Anhänger von Lockerungen gilt, und nicht als Mahner wie etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, warnt vor der neuen Virusvariante.

Warnt im RTL-Interview vor der britischen Mutation: Virologe Hendrik Streeck. (Symbolbild)

So räumt er ein, die Ergebnisse der Studie seien schon etwas, „das zunächst einmal ein wenig besorgniserregend“ klinge. Und weiter: „Man muss diese Variante ernst nehmen.“

Britische Virusvariante: Harte Corona-Maßnahmen haben in Großbritannien Wirkung gezeigt

Dementsprechend sei es wichtig, so Hendrik Streeck, dass sich die Menschen nochmal „am Riemen reißen“ – auch, „wenn es schwer fällt.“ Denn schließlich wäre auch diese Virusvariante mit den gleichen Maßnahmen einzudämmen wie der Wildtyp.

Das stark von B.1.1.7 betroffene Großbritannien hat es allerdings nur mit einem extrem harten Lockdown – inklusive Ausgangssperren – geschafft, die Variante einzudämmen. Eine erneute Verschärfung der Corona-Maßnahmen würde allerdings in Deutschland, wo immer mehr Menschen der Pandemie überdrüssig sind, wohl auf heftige Kritik stoßen.

Rubriklistenbild: © Niaid/dpa

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