Virus-Mutante setzt sich durch

Corona-Mutation nicht zu stoppen: Infektionszahl mit britischer Variante schockiert

Viele Mediziner sehen die Öffnungen mit Sorge. Auch das RKI schlägt Alarm: Die Mutanten machen nach neuen Daten bereits fast die Hälfte der Neuinfektionen aus.

Deutschland – Die Bundesregierung plant den Weg raus aus dem Lockdown. Die schrittweisen Öffnungen sollen wieder mehr Normalität zulassen. Viele Mediziner warnen davor, dass die dritte Welle so unvermeidbar sei. Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts untermauern diese Befürchtungen. Demnach gehen rund die Hälfte aller Infektionen auf eine neue Variante des Coronavirus zurück.

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Neuer Bericht des RKI: Anteil der britischen Mutante an den Neuinfektionen bei 46 Prozent

Noch vor vier Wochen hatte die britische Coronavirus-Variante B.1.1.7 nach den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) lediglich einen Anteil von rund sechs Prozent. Vor zwei Wochen waren es bereits 22 Prozent der Neuinfektionen, die auf diese Variante zurückgingen.

Und ihr Anteil ist in den letzten beiden Wochen nochmals dramatisch gestiegen. Er liegt aktuell bei ca. 46 Prozent. Damit wird jetzt schon fast die Hälfte aller Infektionen von B.1.1.7 verursacht (mehr Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

RKI-Chef Wieler: Britische Mutation ist für alle Altersgruppen gefährlicher

Der entsprechende Bericht zu der Entwicklung der Mutanten in Deutschland ist auf der Webseite des RKI abrufbar. Für die Analyse wurden in Kalenderwoche acht 26.000 positive Proben ausgewertet.

Die britische Virusvariante wird deshalb von Medizinern mit Sorge betrachtet, weil sie deutlich ansteckender ist. Erste Studienergebnisse der britischen Forschergruppe NERVTAG deuten außerdem auch darauf hin, dass sie gefährlicher ist. Wie RKI-Chef Wieler betont, beträfe das „alle Altersgruppen“.

Corona-Varianten: Südafrikanische und brasilianische Mutationen nur gering verbreitet

Auch die Varianten B.1.351 aus Südafrika sowie die brasilianische Mutation P.1 wurden in Deutschland häufiger nachgewiesen. Beide gelten ebenfalls als deutlich ansteckender.

Ihr Gesamtanteil am Infektionsgeschehen liegt aber jeweils lediglich bei rund einem Prozent. Im Gegensatz zu B.1.1.7, die in einigen europäischen Ländern bereits vorherrscht, sind diese Varianten auch in anderen Europas nicht weit verbreitet.

Britische Mutation in einem Monat versiebenfacht: Anteil wird weiter ansteigen

Insgesamt kommt der RKI-Bericht aber zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Virusvarianten, die als Variants of Concern (VOCs) bezeichnet werden, weiter deutlich gestiegen ist. Der drastische Anstieg um das Siebenfache in nur vier Wochen zeigt, dass sich die britische Variante wohl auch weiter durchsetzen wird.

Mit einem deutlichen Anstieg sei zu rechnen, heißt es vonseiten des RKI. Eben dieses wäre zuvor auch in anderen europäischen Ländern beobachtet worden. In einigen Städten wie das stark von den Mutanten betroffene Flensburg oder auch in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf liegt der Anteil der britischen Mutante an den Neuinfektionen bereits jetzt bei mehr als 50 Prozent.

RKI-Chef sicher: Mutante aus Großbritannien wird die Oberhand gewinnen

Der Präsident des Robert Koch-Institut (RKI) Lothar Wieler (60) ist sich sicher, dass die britische Mutante auch insgesamt in Deutschland sogar die dominante Variante sein wird. Und das schon sehr bald.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) sagte er am Freitag: „Es ist absehbar, dass B.1.1.7 bald die vorherrschende Variante in Deutschland sein wird“. Und weiter: „Dann wird es noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten.“

Lockerungen trotz Anstieg der Mutationen: Mit Impfungen und Schnelltests aus dem Lockdown

Als positiv bewertet Lothar Wieler hingegen die Tatsache, dass die Impfungen bei den über 80-Jährigen bereits Wirkung zeigten. Auch die Schnelltests, die der Bevölkerung ab Montag als – wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) es ausdrückt – als „Bürgertest“ jedem Deutschen wöchentlich zur Verfügung stehen sollen, sollen helfen, Öffnungen trotz Anstieg der Inzidenzen zu ermöglichen.

Denn da die Bevölkerung zunehmend Pandemie-müde ist, will die Bundesregierung die schrittweisen Öffnungen angehen, obwohl die Mutanten auf dem Vormarsch sind. Bleibt zu hoffen, dass Tests und Impfungen die gewünschte Wirkung zeigen. Das stark von der Mutante B.1.1.7 gebeutelte Großbritannien hat es nur mit einem extrem harten Lockdown – inklusive Ausgangssperren – geschafft, die Virus-Variante einzudämmen. Ein solches Szenario kann sich zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland wohl niemand mehr vorstellen.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler