Inzidenz in vier Wochen verdoppelt

Corona-Mutation doch gefährlicher für Kinder – Zahlen zeigen ein klares Bild

Die britische Mutante verbreitet sich besonders unter Kindern schnell. Was eigentlich seit Längerem aus Großbritannien bekannt war, zeigt sich jetzt auch hierzulande.

Deutschland – Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Institutes (RKI) zeigen ein deutliches Bild: Die britische Mutante B.1.1.7 ist für Kinder ansteckender als der Wildtyp des Coronavirus. In keiner Altersgruppe steigen die Fallzahlen aktuell so stark wie unter den 0-14-Jährigen (mehr News zum Coronavirus auf RUHR24.de).

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeFieber, Husten, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns; Bei Kindern auch: Übelkeit und Erbrechen

Corona bei Kindern: Deutlich mehr Ansteckungen in Schulen und Kitas

Die dritte Welle hat Deutschland mittlerweile fest im Griff. Am Donnerstag (25. März) meldet das RKI 22.657 Neuinfektionen – das sind 6800 mehr als noch am Vortag. Bayern Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach im Anschluss an den letzten Bund-Länder-Gipfel davon, dass es keine dritte Welle, sondern eine „ganz neue Pandemie“ sei.

Zumindest was die Ansteckungsgefahr für Kinder angeht, trifft diese Aussage zu. Denn waren unter 14-Jährige bislang weniger stark von Covid-19 betroffen, gibt es aktuell immer mehr Ansteckungen in Schulen und Kitas. Bereits vor einer Woche warnte der Präsident des RKI, Lothar Wieler davor, dass die Infektionen unter Kindern „rasant“ stiegen – und die Situation hat sich seitdem nochmals verschärft.

Covid-19 bei Kindern: Die Inzidenzen liegen über 100 – in allen Altersgruppen

Der Lagebericht des RKI von Dienstag (23. März) zeigt, dass die Inzidenz in allen Altersgruppen unter vierzehn Jahren mittlerweile über 100 liegt. Die Inzidenz der älteren Schüler (15 bis 19 Jahre) mit einem Wert von 139 sogar noch höher. Die 5-9-Jährigen liegen mit einer Inzidenz von 126 sogar über dem deutschlandweiten Schnitt, der aktuell (Stand 25. März) bei 113 liegt.

Insgesamt haben sich die 7-Tage-Inzidenzen bei Kindern laut RKI in den letzten vier Wochen mehr als verdoppelt. Alarmierend ist insbesondere die Zahl der infizierten Kinder in der Altersgruppe bis fünf Jahre. Den bisherigen Spitzenwert erreichten die Ansteckungen unter Kita-Kindern mit einer Inzidenz von 78 vor Weihnachten: Sie war dann aber wieder gesunken – lag sogar in der sechsten Kalenderwoche dieses Jahres nur noch bei 34.

Corona-Mutation grassiert in Schulen und Kitas – Lehrer warnen vor unüberlegten Schulöffnungen

Trotzdem die Schulen und Kitas mehr betroffen sind denn je, waren die Öffnungen bei den letzten Bund-Länder-Gesprächen kein Streitthema. In der Politik wird weiter festgehalten an der Regel: „Schulen und Kitas zuletzt schließen – und zuerst wieder öffnen.“ Der Deutsche Lehrerverband warnt dabei ebenso vor unüberlegten Öffnungen wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Gegenüber dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) mahnte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe jetzt, dass Schule und Kitas „zu Pandemietreibern“ würden, wenn sich nichts ändere. Auch mehrere Oberbürgermeister aus NRW haben diese Gefahr erkannt. Ebenso wie die Städte Düren und Duisburg spricht sich auch die Stadt Dortmund aktuell für Schulschließungen aus. Bislang hatten die Forderungen von Oberbürgermeister Thomas Westphal keinen Erfolg. Und das, obwohl derzeit mehrere Dortmunder Kitas von der britischen Mutante betroffen sind.

Corona-Mutation ist ansteckender für Kinder – Mediziner warnen bereits seit Jahresbeginn

Dass diese Mutante B.1.1.7 ansteckender und gefährlicher für Kinder ist, ist dabei seit Längerem bekannt. Das Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas darf daher zum jetzigen Zeitpunkt niemanden mehr überraschen.

So warnte der deutsche Virologe Christian Drosten bereits im Januar davor, in Großbritannien sei die zweite Welle, die das Land hart getroffen hat, insbesondere durch Schulöffnungen verursacht worden. Die Mutante B.1.1.7 sei quasi auf einer „Schulwelle gesegelt“, so Drosten. Die viel zitierte britische Forschergruppe NERVTAG erklärte sogar bereits Ende 2020, dass die damals neu entdeckte Mutante B.1.1.7 für Kinder ansteckender sei.

Covid-19 bei Kindern: So viele britische Schüler waren erkrankt

Dass die Mutation zu zahlreichen Infektionen britischer Kinder geführt hat, zeigen auch die Fallzahlen aus Großbritannien. Stand Mittwoch (24 März) waren in Großbritannien mehr als eine halbe Million britischer Kinder infiziert.

Zum Vergleich: In Deutschland gibt es (Stand 23. März) erst rund 210.000 registrierte Covid-19-Fälle bei den unter 14-Jährigen. Nun hat Großbritannien auch bereits insgesamt 4,3 Millionen Corona-Fälle, Deutschland erst 2,7 Millionen. Insgesamt sind daher auch in Großbritannien die älteren Bevölkerungsgruppen stärker davon betroffen als Kinder.

Corona-Mutation ist gefährlicher für Jüngere: Mehr Krankenhausaufnahmen von Kindern in Großbritannien

Dennoch zeigen die Zahlen aus dem Vereinigten Königreich klar den Einfluss der Mutante B.1.1.7. So sind in Großbritannien bislang rund 5.300 Kinder mit Covid-19 ins Krankenhaus gekommen – in Deutschland gab es bislang erst rund 1.100 stationäre Aufnahmen. Besorgniserregend ist dabei die zeitliche Verteilung in Großbritannien: Alleine im Dezember mussten mehr als 850 britische Kinder ins Krankenhaus – im Januar waren es sogar mehr als 1.200. Das berichtet die britische Elterninitiative „Long Covid Kids“ unter Berufung auf die offiziellen Daten der britischen Regierung. Fast 4.000 britische Kindern wurden demnach alleine in den letzten 130 Tagen stationär aufgenommen.

Die Elterninitiative Long Covid Kids, verleiht von Covid-19-Spätfolgen betroffenen Kindern eine Stimme. Durch Covid-19 bedingte Langzeitfolgen bei Kindern haben durch den Anstieg der Fallzahlen in Großbritannien deutlich zugenommen. Aktuell warnt beispielsweise auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Twitter vor Covid-19-Spätfolgen bei Jüngeren.

Corona-Mutation: Postvirales Covid-Syndrom bei britischen Kindern häufiger

Ein weiterer Grund für den Anstieg der stationären Aufnahmen britischer Kinder war dabei das Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) – mittlerweile auch unter der Bezeichnung als Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) bekannt. Rund 100 britische Kinder sind zu Jahresbeginn mit dieser Krankheit wöchentlich ins Krankenhaus gekommen. Diese Zahlen wurden Anfang Februar erstmalig von der britischen Zeitung The Guardian veröffentlicht.

Die Krankheit tritt etwa zwei bis vier Wochen nach der Infektion auf. In Großbritannien ist die Häufigkeit laut The Guardian im Vergleich zur ersten Welle der Pandemie durch die Mutante erheblich gestiegen – was insbesondere auf die höheren Fallzahlen zurückzuführen sei. Das entzündliche Syndrom führt zu Symptomen wie Fieber, Hautausschlag, Magen-Darm-Problemen, aber auch sehr schweren Herz-Kreislauf-Störungen.

Corona bei Kindern: Mutation ist Grund zur Vorsicht

Im Verhältnis zu älteren Bevölkerungsgruppen sind schwere Verläufe von Covid-19 aber bei Kindern weiterhin seltener. So kommen Mediziner bislang insgesamt zu dem Schluss, die Situation sei kein Grund zur Panik, aber zur Vorsicht auf jeden Fall.

Das Mantra, Schulen seien keine Treiber und Kinder seien nicht gefährdet, lässt sich mit Blick auf die Zahlen aus dem Vereinigten Königreich spätestens jetzt nicht länger aufrechterhalten. In Großbritannien zeigt sich derweil ein neues Problem: Obwohl die Gesamt-Inzidenz bei unter 60 liegt, steigen auch hier die Inzidenzen bei den 5- bis 14-Jährigen aktuell an. Das Land hatte am Montag (8. März) die Schulen nach rund zwei Monaten im Lockdown wieder geöffnet.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel

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