Virologe zeigte sich beunruhigt

Corona-Mutation: Britische Studie besorgt Drosten – das sind die ersten Erkenntnisse

In seinem aktuellen Tweet zeigt sich Top-Virologe Christian Drosten besorgt über die neuartige Virus-Mutation: „Das sieht leider nicht gut aus“.

Berlin – Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, bezieht sich bei seinem Tweet auf eine aktuelle Studie aus Großbritannien zum Coronavirus-Stamm B.1.1.7. In der „Untersuchung der neuartigen Sars-CoV-2-Variante“ haben britische Experten die Eigenschaften dieser „bedenklichen“ Mutante des Corona-Virus untersucht.

Christian Drosten Virologe
Geboren: 12. Juni 1972
Arbeitgeber: Charité Berlin
Auszeichnungen: Deutscher Radiopreis, Sonderpreis des Beirats

Corona-Mutation: Drosten besorgt über Studien-Ergebnisse zur Virus-Variante aus England

Bereits zuvor hatten mehrere Experten, wie SPD-Politiker Karl Lauterbach darüber Bedenken geäußert, dass die neue Virusmutation wahrscheinlich besonders ansteckend ist. Drosten selbst hatte gegenüber dem Deutschlandfunk sogar Vermutungen geäußert, dass die Mutation bereits in Deutschland angekommen sei.

Zugleich hatte er aber klargestellt, dass er nicht „übermäßig besorgt sei“ und noch nicht bewertet werden könne, ob die Variante ansteckender ist. Dazu seien mehr Informationen aus Großbritannien nötig, denn die Datenlage sei unklar. Genau solche Informationen liegen mit der aktuellen Studie nun vor – und scheinen jetzt doch Anlass zur Sorge zu geben.

Corona-Mutation – höhere Ansteckungs-Gefahr nach britischen Erkenntnisse sehr wahrscheinlich

Ist die Mutation also ansteckender als andere Varianten? Die Studie, auf die Drosten sich mit seiner besorgniserregenden Aussage bezieht, wurde von der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) veröffentlicht. Sie bestätigt die Befürchtungen zur Ansteckung. In der Zusammenfassung des Expertenberichts heißt es:

  • „Es wurde eine neuartige Variante identifiziert, die sich in Großbritannien schnell verbreitet hat. Wir haben bewertet, dass diese Variante die Übertragbarkeit mit hoher Sicherheit wesentlich erhöht hat.“

Neben der leichteren Übertragbarkeit haben Andrew Rambaut von der University of Edinburgh und seine Kollegen mit ihrer Studie noch weitere wichtige Erkenntnisse über die Mutation gewonnen. So konnten beispielsweise Schlussfolgerungen zur Sterberate oder zur Wirksamkeit des Impfstoffes gezogen werden.

Wie gefährlich ist die neue Corona-Mutation? Aktuelle Erkenntnisse – das sagen die Forscher

Welche Gefahr geht von der Mutante aus und was sind weitere Studienerkenntnisse? So äußert sich die Expertengruppe:

  • Die Rückverfolgung anhand der genetischen Beweise lege nahe, dass diese Variante im September 2020 entstanden ist und dann bis Mitte November in sehr geringen Mengen in der britischen Bevölkerung verbreitet wurde.
  • Die Zunahme der mit der neuen Variante verbundenen Fälle sei erstmals Ende November bekannt geworden, als die PHE untersuchte, warum die Infektionsraten in Kent trotz nationaler Beschränkungen nicht sanken.
  • Die B.1.1.7.-Linie besäße mehr genetische Veränderungen als bislang üblich.
  • Die Evidenz zeige, dass die Infektionsraten in geografischen Gebieten, in denen diese bestimmte Variante im Umlauf war, schneller als erwartet gestiegen sind. Es habe sich gezeigt, dass diese Mutation eine höhere Übertragungsrate aufweise als andere Varianten.
  • Am 18. Dezember sei den britischen Ministern der Nachweis einer erhöhten Übertragbarkeit erbracht worden.
  • Die Forscher hätten aber keine Beweise dafür, dass diese Variante eine schwerere Krankheit oder eine höhere Mortalität (Sterberate) verursacht. Das werde jedoch noch weiter untersucht.
  • Es gebe ebenfalls keine Hinweise darauf, dass der Pfizer-Impfstoff unwirksam sei.
  • Den Laboren würden außerdem Anleitungen erteilt, um sicherzustellen, dass PCR-Tests diese Variante erkennen können.

Neue Virus-Variante – Grund zur Vorsicht, aber nicht zur Panik

Fakt ist: All diese Ergebnisse sind vorläufige Erkenntnisse. Welche Gefahr wirklich vom neuen Virenstamm B.1.1.7 ausgeht und wie er sich auf den Pandemieverlauf auswirken wird, bedarf weiterer Studien. Die britischen Experten um Rambaut geben an, eben diese seien im Gange und es würden weitere Informationen veröffentlicht werden.

Christian Drosten kann den britischen Studienergebnissen aber auch etwas Positives entnehmen. Er verweist darauf, dass die Mutation sich nur in Gebieten rasch verbreitete, in denen die Gesamtinzidenz hoch war. Die entscheidende Erkenntnis des Virologen, die wir uns zu Herzen nehmen sollten: „Kontaktreduktion wirkt also auch gegen die Verbreitung der Mutante.“

Rubriklistenbild: © Wolfgang Kumm/dpa

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