„Dann haben wir ein Problem“

Coronavirus-Variante aus Brasilien: Ärzte fürchten neuen Effekt der Mutation

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Großbritannien, Südafrika und jetzt Brasilien: Die Meldungen über ansteckende Corona-Mutationen reißen nicht ab. Die neueste ist wohl besonders tückisch.

Deutschland – Viele Mediziner sprechen derzeit davon, dass wir uns im Wettlauf gegen die Mutanten befinden. Einerseits verspricht der Corona-Impfstoff Hoffnung, andererseits gibt es immer wieder Meldungen über neue Mutationen. Die Variante aus Großbritannien ist den bisherigen Erkenntnissen zufolge bereits ansteckender als andere Coronaviren. Besondere Gefahr scheint nun von einer Virus-Mutante aus Brasilien auszugehen (alle Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
Häufige SymptomeFieber, Husten, Schnupfen, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn

Mediziner besorgt über brasilianische Mutation: Virus-Variante zeigt einen „ganz neuen Effekt“

So äußerte sich Intensivmediziner Prof. Uwe Janssen im RTL-Interview, dass diese neue brasilianische Mutation ihm „ganz große Sorgen“ bereite. Der Chefarzt der Intensivmediziner berichtet, dass die Mutation einen „neuen Effekt“ zeige und vermutlich „eine ganz neue Qualität“ hätte.

Wie unter anderen Medien die Zeit berichtet, wurde die Corona-Mutante zuerst in Manaus nachgewiesen, der Hauptstadt des brasilianischen Staates Amazonas. Die Stadt zählte lange Zeit zu den Corona-Hotspots. Drei Viertel aller Einwohner waren hier bereits mit dem Coronavirus infiziert.

Brasilianische Corona-Mutante: scheinbar steckt sie auch bereits Genesene an

Dementsprechend hätten ihre Einwohner eigentlich bereits eine Herdenimmunität entwickeln müssen. Dennoch stiegen die Infektionszahlen hier in letzter Zeit wieder an.

Mediziner weltweit befürchten nun, dass das daran liegen könnte, das die P.1 genannte, brasilianische Mutante des Coronavirus das Immunsystem der Menschen erkannt haben könnte und daher die Immunantwort bei Genesenen nicht ausreiche. Mit anderen Worten: Bereits Genesene könnten sich mehrfach anstecken.

Dadurch könnte es noch schwieriger werden, das Virus in den Griff zu bekommen. Im schlimmsten Fall könnte dieses dazu führen, dass sich auch Geimpfte anstecken könnten. Die Corona-Impfungen müssten dann dementsprechend angepasst werden.

Video: Erster Fall in Deutschland? Mann stirbt nach erneuter Infektion

Corona-Mutanten: Brasilianische Variante bereits in Deutschland angekommen

Bislang wurde die Virus-Variante P.1 bereits Brasilien und Japan nachgewiesen. Auch Deutschland ist bereits ein Fall bekannt, wie die Tagesschau berichtet. Bei einem Reiserückkehrer in Hessen ist die brasilianische Corona-Variante nachgewiesen worden. Außerdem gibt es hierzulande mehrere Fälle der Mutante B.1.1.7 aus Großbritannien sowie der Variante B.1.351 aus Südafrika.

Beide Virus-Mutanten gelten als deutlich ansteckender als das bisherige Coronavirus. Die Impfungen scheinen aber nach bisherigen Erkenntnissen bei diesen beiden Varianten zu wirken.

Corona-Mutationen: vermutlich werden bald mehr Fälle in Deutschland nachgewiesen

Es ist davon auszugehen, dass durch die von der Bundesregierung beschlossene häufigere Sequenzierung noch mehr Mutationen entdeckt werden. Wie die Tagesschau berichtet, warnt Hartmut Hengel, Leiter der Virologie an der Universität Freiburg davor, dass zugleich auch immer mehr Mutanten entstehen könnten.

Das Coronavirus habe jetzt nämlich nicht mehr den Vorteil, dass keiner immun ist. Er erklärt: „Jetzt muss das Virus wirklich zeigen, was es kann. Also werden die fittesten Viren durch schwach wirksame Antikörper selektiert. Und deswegen werden jetzt die Mutanten an Bedeutung gewinnen.“

Mutationen sind dabei aber nicht grundsätzlich gefährlich, sondern ganz normal bei Viren. Beispielsweise hat sich die Mutation aus Garmisch-Patenkirchen als nicht gefährlich herausgestellt.

Virus-Mutationen: deutlich mehr Ansteckungen – und auch tödlicher?

Bislang gab es bei den nachgewiesenen Mutationen auch keine Hinweise darauf, dass sie zu schwereren oder sogar tödlicheren Verläufen führen. Das hat sich nun geändert.

Laut aktuellen Medienberichten verwies der britische Premierminister Boris Johnson (56) in einer Pressekonferenz darauf, es gebe solche Hinweise, dass die britische Mutation eventuell auch eine höhere Sterblichkeitsrate bedingen könnte. Die britische, südafrikanische und die neue brasilianische Mutation zeichnet zudem aus, dass sie sich dem Menschen scheinbar bereits besser angepasst haben.

Sowohl B.1.1.7 als auch B.1.351 sind in Teilen ihrer jeweiligen Länder die bereits vorherrschenden Virus-Varianten. Die Ansteckungsraten insgesamt könnten sich daher erhöhen – wie bereits in Großbritannien passiert. Die WHO will dementsprechend die Corona-Forschung in Regionen, die von Mutationen betroffen sind, noch ausweiten.

Gleiche Veränderung am Spike-Protein wie die anderen Mutanten: brasilianisches Virus wird weiter untersucht

Ob sich auch P.1 in Brasilien bereits durchgesetzt hat und inwieweit die Mutation tatsächlich für die mehrmalige Ansteckung verantwortlich ist, bedarf jetzt weiterer Untersuchungen. Was die Forscher bereits wissen: Alle drei Mutanten haben eine Veränderung am Spike-Protein. Wie die Deutsche Welle berichtet, kann das mutierte Virus aus Brasilien sich daher, ebenso wie das südafrikanische und britische, besser vermehren – oder sogar dem menschlichen Immunsystem „entwischen“.

Sollten Mutanten die menschliche Immunreaktion umgehen können und Impfungen unwirksam werden, könnten mRNA-Impfstoffe aber auch relativ schnell an neue Varianten angepasst werden, wie BioNTech/Pfizer klarstellt. Allerdings wäre dann die Frage, inwieweit man neue zeitintensive Zulassungsverfahren und wieder eine ganz neue Reihenfolge bei den Impfungen bräuchte.

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