Werbung suggeriert Sicherheit

Corona: Luftreiniger im Test - nicht alle Geräte schützen vor Infektion

Luftreiniger sollen für virenfreie Luft sorgen - auch in Klassenzimmern und Restaurants. Aber einige Geräte erhöhen sogar das Infektionsrisiko.

NRW - Erst kürzlich kündigte die Landesregierung NRW an, dass 50 Millionen Euro bereitgestellt werden sollen, damit Schulen und Sporthallen zum Schutz vor Corona mit mobilen Luftreinigungsgeräten - mit Filter - ausgestattet werden können. Die Filteranlagen sollen helfen, das Infektionsrisiko in Räumen zu senken. Doch bei der Auswahl eines geeigneten Gerätes sollten alle, die sich eins anschaffen wollen, große Sorgfalt walten lassen. Denn nicht alle Geräte halten ihr Versprechen und sorgen für eine virenfreie Atemluft.

GerätLuftreiniger
FunktionReduzierung von Schwebstoffen und Aerosolwolken
Filter zum Schutz vor CoronaHigh Efficiency Particulate Air (HEPA)-Filter der Klasse H13 oder H14

Corona: Einige Luftfilteranlagen erhöhen Infektionsrisiko

Im Gegenteil - einige Luftfilteranlagen scheinen das Infektionsrisiko sogar noch zu erhöhen. Denn laut Verbraucherzentrale sind nicht alle Filter gleichermaßen dafür geeignet, virushaltige Partikel aus der Luft zurückzuhalten. Besonders Standard-Luftreiniger bergen offenbar ein hohes Gesundheitsrisiko.

Denn nur wenn die Geräte mit den richtigen Filtern ausgestattet sind und das Gerät leistungsstark genug ist, können die feinen Aerosole - durch die das Coronavirus von Mensch zu Mensch gelangt - aus der Luft gefiltert werden, berichtet auch das Ärzteblatt. Die Verbraucherzentrale rät eindringlich, sich beim Kauf eines Luftreinigers nicht „blind auf die Werbeaussagen der Hersteller zu vertrauen“. Vor allem die Virenabwehr sollte von unabhängigen, seriösen Stellen bestätigt worden sein (mehr Ratgeber und Verbraucherwarnungen auf RUHR24.de)

Schutz vor Corona: Richtiger Filter und ausreichende Leistungskraft sind ausschlaggebend

Nach dem Bericht des Ärzteblatts böten allerdings viele angebotene Geräte keinen wirksamen Schutz. Geräte, die, neben einem Vorfilter für groben Staub und einem Aktivkohlefilter für größere Partikel, auch mit einem „High Efficiency Particulate Air Filter“ (HEPA) ausgestattet sind, seien dagegen sehr wirksam - und wurden unter anderem in Klassenräumen erprobt. Ein HEPA-Filter entfernt auch kleinste Partikel, wie virenbehaftete Aerosole, aus der Luft.

Auch der Hersteller Trotec, der selber Luftreiniger anbietet, warnt davor, Standard-Luftreiniger zum Schutz vor Corona zu verwenden - auch wenn die Werbung vieler Hersteller suggeriere, dass die Luft ausreichend gefiltert würde. Neben dem Einsatz ungeeigneter Luftfilter, kritisiert der Hersteller auch, dass viele Geräte über einen sogenannten Automatik-Modus verfügten. Dieser Modus hätte sich als kontraproduktiv erwiesen. Doch warum?

Schutz vor Corona: Automatik-Funktion birgt Gefahren

In der Automatik-Funktion, so erklärt es der Hersteller, ermittele eine eingebaute Sensorik, wie stark die Luft durch Feinstaub oder Pollen belastet sei. Erkennt das Gerät die Luft als „sauber“, schaltet es sich aus. Dabei erkennt das Gerät jedoch nicht, inwieweit die Luft dann trotzdem noch durch eine hohe Konzentration virenbehafteter Aerosole belastet ist. Ein Grund: Die Aerosolpartikel sind mit Größen von 0,1 - 0,2 µm deutlich kleiner als Feinstaub-Partikel oder Pollen.

Die Konzentration virenbehafteter Aerosole könne also trotz der vermeintlich „sauberen Luft“ sehr hoch sein. Zudem sei es sehr wichtig, die Raumluft kontinuierlich zu filtern. Sobald sich ein Luftreinigungsgerät ausschalte, steige das Infektionsrisiko in einem Raum unmittelbar auf das Niveau zurück, wie es vor Einsatz des Luftreinigers gewesen ist. Letztendlich sei der Einsatz eines H14-HEPA-Filters und eine durchgängig, mindestens sechsfache Luft-Umwälzrate pro Stunde maßgeblich dafür, ob ein Luftreiniger das Infektionsrisiko mindere - oder sogar noch erhöhe.

Am Ende rät die Verbraucherzentrale aber ausdrücklich auch dazu, das Lüften nicht zu vernachlässigen - auch wenn ein Luftreinigungsgerät zum Einsatz käme. Denn auch durch richtiges Lüften - Stoßlüften oder Querlüften - kann die mögliche Virenkonzentration in der Raumluft reduziert werden. Die Verbraucherzentrale warnt sogar davor, sich auf Luftreiniger als alleiniges „Wundermittel“ gegen Covid-19 für die kalte Jahreszeit zu verlassen.

Rubriklistenbild: © Trotec GmbH/dpa